Zwei neue Einschreiben rund um den „Netzraum Kärnten“ sind es, die Rechtsanwalt Wolfgang List einbrachte. Eines ging an die Umweltdirektion der Europäischen Kommission, das andere an die Abteilung 7 der Kärntner Landesregierung.

Obwohl es um die geplante 380-kV-Freileitung der Austrian Power Grid (APG) quer durch Kärnten bis nach Osttirol geht, ist es formal die Umweltorganisation „Pro Thayatal“, die das Projekt verhindern will.

Gesammelter Protest: Stimme für 16 Bürgerinitiativen

Nach Kärnten geholt haben sie der Verein „Lebensraum Kärnten ohne Hochspannungs-Stromfreileitung“ (LKOS) und die Bürgerinitiative Gegenstrom 380kV. Deren Sprecher Eberhard Burkel und Christa Hintermann betonen bei einer Pressekonferenz am Freitag in Klagenfurt, dass man insgesamt 16 Bürgerinitiativen vertrete. Gemeinsam fordere man das Aus für die „Monsterleitung“ mit 90-Meter-Masten und 32 Kabeln, weil die 110-kV-Leitungen der Kärnten Netz (KNG) mitgeführt werden.

Oder zumindest ein „Zurück an den Start“, wie Unternehmensberater Peter Unterluggauer skizziert: „Die APG plant aufgrund falscher Annahmen und Strombedarfsprognosen. Es braucht einen kompletten Neustart für die Netzplanung in Kärnten und ganz Österreich.“ Gemeinsamer Tenor unter den Projektgegnern: Die APG beschönige die Zahlen bei der Stromprognose.

Durch die Salzburg-Leitung und die Deutschlandleitung, so Unterluggauer, hätte die APG ihre Kapazitäten bereits massiv erhöht. Zumal die bestehende 110-kV-Leitung sehr wohl ertüchtigt und aufgerüstet werden könne, „ohne eine neue Stromtrasse“. Zudem sei bei jedem Netzausbau eine Erdverkabelung vorzuziehen – bei Kosten, die laut APG um das Acht- bis Zehnfache höher liegen.

„Kärnten braucht diese Luxusenergiewende nicht“

„Wir sind nämlich nicht pauschal gegen den Netzbau, sondern gegen die Freileitung“, räumt Burkel ein. Kritisiert wurde auch der Umstand, dass auf Hochspannungsebene 70 Prozent der Netzkapazität für grenzüberschreitenden Stromhandel in der EU zur Verfügung stehen muss. Das Drei-Milliarden-Euro-Projekt sei eine „Luxus-Leitung“ für eine teure Energiewende, die nicht APG oder Verbund bezahlen würden, „sondern alle heimischen Stromkunden über höhere Netzkosten über viele Jahre hinweg“.

Umweltrechtsexperte List kündigt noch weitere Schritte an: „Wir werden auch den Rechnungshof einschalten und alles tun, um dieses Wahnsinnsprojekt zu stoppen.“ Über die Vertretung der Umweltorganisation Pro Thayatal strebe man Parteienstellung und Akteneinsicht an. Die Wiener Kanzlei des gebürtigen Grazers vertritt zudem Gemeinden wie Reißeck, Lurnfeld oder Mühldorf. In Salzburg ist List mit rechtlichen Schritten gescheitert: Die Salzburgleitung steht.