Mit einer bemerkenswerten Ausstellung lässt derzeit das Schloss Grades im Metnitztal aufhorchen. Schlossherr Constantin Staus-Rausch zeigt die Schau „Das Erbe von Viktring“, sie umfasst 1280 Werke der Kärntner Malerei des 19. Jahrhunderts und stellt wohl das größte und bedeutendste künstlerische Zeugnis zum Leben dieser Epoche in Kärnten dar.

„Die vorliegende Sammlung wurde mir mit Beginn des Jahres 2025 anvertraut. Die gegenwärtigen Besitzer verwahrten sie über die letzten vier Jahrzehnte in ihrem Haus bei Wien. Sie gelangten auf dem Erbweg in deren Besitz, übernahmen sie persönlich aus der Erbmasse der Vorbesitzer im Stift Viktring und hegten und pflegten sie. Nun soll die gesamte Sammlung veräußert werden“, sagt Constantin Staus-Rausch.

Das „Erbe von Viktring“ zeigt die Arbeiten vom „Viktringer Kreis“, der den Grundstein für die Kärntner Malschule des 19. Jahrhunderts legte. Vor allem die Familie von Moro, eine seinerzeit sehr bekannte Tuchfabrikantenfamilie, bildete das Fundament des Kunstzirkels. Eduard von Moro sammelte Künstler um sich, ließ sich in der Malerei und Zeichenkunst ausbilden und brachte es zu einer bemerkenswerten Meisterschaft als Maler und Zeichner. Er war es auch, der junge, talentierte Künstler förderte und unterrichtete. Darunter den wohl bedeutendsten Kärntner Maler des 19. Jahrhunderts – Markus Pernhart (1825-1871).

Die Ausstellung wird gut angenommen
Die Ausstellung wird gut angenommen © Gert Köstinger

Pernhart wohnte zuweilen im Stift Viktring, studierte mit Unterstützung Eduard von Moros an der Münchner Akademie und kehrte nach Kärnten zurück. Eduards Neffe Max von Moro und dessen Ehefrau Caroline, eine geborene von Rainer-Harbach gehörten dem Circle ebenso an wie deren Töchter Sophie von Moro und Johanna Gräfin Morozzo, auch dabei war der bedeutende Maler Ludwig Willroider (1845-1910).

„Die vorliegende Sammlung umfasst über 1280 Werke: Ölgemälde, Zeichnungen und Aquarelle aller genannten Künstler und aus allen Genres. Besonders hervorzuheben sind die zwei Skizzenbücher Eduard von Moros, das Ölgemälde, und die Zeichnungen Markus Pernharts sowie vor allem das Skizzenbuch Nummer Vier dieses Künstlers. Es handelt sich dabei um das einzige Skizzenbuch Pernharts, das sich nicht im Besitz des Kärntner Landesarchivs befindet und enthält Skizzen zu den bekanntesten Ölgemälden Pernharts, den Großglocknerbesteigungen“, hebt Staus-Rausch besonders künstlerische Gustostückerln hervor. Ausgestellt sind die Werke in der Orangerie und dem Rittersaal des Schlosses.

Bis 1. September kann man die Kunstwerke besichtigen
Bis 1. September kann man die Kunstwerke besichtigen © Gert Köstinger

Der Zustand der Werke wird als überdurchschnittlich gut bezeichnet, was auf eine wertschätzende Aufbewahrung im Laufe der vergangenen knapp 200 Jahre schließen lässt. „Diese Sammlung ist in ihrer Art einzigartig, da sie Schlüsselwerke einer ganzen Schule enthält und sowohl künstlerische Entwicklungen einzelner Künstlerpersönlichkeiten als auch einer ganzen Epoche dokumentiert“, sagt Staus-Rausch. Aufgrund der bisherigen ausschließlichen Aufbewahrung in Privatbesitz ist dies das erste Mal, dass diese Werke das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Die Ausstellung auf Schloss Grades enthält die gesamte Sammlung, teils gerahmt, teils in Mappen einsehbar und ist bis zum 1. September zu besichtigen. Besichtigungen sind nach Voranmeldung jederzeit im Rahmen von Führungen möglich.