Zwei Erntehelferinnen lösen die reifen Früchte von den Sträuchern. Jeder Handgriff kostet Zeit – und Geld. Auf den Feldern von Jörg und Marianne Grinschgl in Frauental (Bezirk Deutschlandsberg) zeigt sich, wie arbeitsintensiv und kostspielig das Geschäft mit Heidelbeeren ist.

Die Familie bewirtschaftet neben ihrer Baumschule knapp 3,7 Hektar Heidelbeeren und erntet jährlich 20 bis 28 Tonnen. Rund 90 Prozent gehen an den Obstvermarkter Kronprinz im Bezirk Weiz. Doch obwohl Heidelbeeren im Supermarkt als hochpreisig gelten, bleibt bei den Produzenten nicht automatisch viel hängen.

„Die Preise sind fast schon zu stabil“, sagt Jörg Grinschgl. Während Löhne, Betriebsmittel und Investitionen steigen, lässt sich der Verkaufspreis kaum anheben. Deshalb wird die Ernte optimiert: Statt drei- bis fünfmal durch die Reihen zu gehen, setzen Betriebe zunehmend auf eine Haupt- und eine Nachernte.

Die Steiermark ist Österreichs Heidelbeerland. 2024 entfielen laut AMA 170 der österreichweit 256 ertragsfähigen Hektar auf das Bundesland. Geerntet wurden 1530 Tonnen – rund 80 Prozent der österreichischen Menge. 2025 stieg die Produktion laut Statistik Austria auf 2200 Tonnen, die Fläche auf über 260 Hektar.

Jörg Grinschgl bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Marianne knapp 3,7 Hektar Heidelbeeren in Frauental
Jörg Grinschgl bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Marianne knapp 3,7 Hektar Heidelbeeren in Frauental © KLZ / Eva Brutmann

Zugleich wächst der Importdruck. Die größten Mengen kamen 2024 aus Spanien, Peru und Chile. Aktuell kosten Heidelbeeren im Handel je nach Packungsgröße und Marke rund 1,10 bis 2,60 Euro je 100 Gramm, Bio-Ware etwa zwei Euro.

Christian Haselmair-Gosch produziert im Familienbetrieb Heidelbeergarten Gosch in St. Ulrich im Greith auf 1,8 Hektar und verlangt ab Hof zwölf Euro pro Kilogramm. Importaktionen erreichten mittlerweile Preise, „bei denen wir ab Hof schon fast nicht mehr mitkommen”. Die eigentliche Konkurrenz sei die ganzjährige Verfügbarkeit: Viele Konsumenten seien schon mit Beeren versorgt, bevor die heimische Saison beginnt.

Diese dauert auf vielen Betrieben nur vier bis sechs Wochen. Dann werden verlässliche Arbeitskräfte gebraucht. Haselmair-Gosch beschäftigt Helfer aus Bosnien und Slowenien, doch die Suche werde schwieriger. Für Kräfte aus Nicht-EU-Staaten sind Bewilligungen und Kontingente nötig. „Das ist bei uns die größte Unsicherheit: ob wir überhaupt Erntehelfer bewilligt bekommen.“

Christian Haselmair-Gosch bewirtschaftet im Heidelbeergarten Gosch in St. Ulrich im Greith rund 1,8 Hektar und vermarktet die Früchte großteils über den  Obstgroßhändler Oswald in Gleinstätten
Christian Haselmair-Gosch bewirtschaftet im Heidelbeergarten Gosch in St. Ulrich im Greith rund 1,8 Hektar und vermarktet die Früchte großteils über den Obstgroßhändler Oswald in Gleinstätten © Heidelbeergarten Gosch

Auch Bernhard Ramminger von der Kronprinz Fruchthandels GmbH in Weiz, die 40 bis 50 steirische Betriebe vermarktet, fordert flexiblere Regeln. Für kurze Arbeitsspitzen brauche es Personal. Ohne planbare Mengen könnten Produzenten den Handel nicht zuverlässig beliefern.

Heimische Ware muss auffallen

Neben Personal und Wetter entscheidet die Sichtbarkeit. „Die Kennzeichnung ist eines der wichtigsten Themen“, sagt Ramminger. Im großen Angebot müsse sofort erkennbar sein, wann österreichische Ware verfügbar ist.

Mit unterschiedlichen Sorten, geschützten Anlagen und moderner Lagertechnik soll die Saison verlängert werden. „Mit Produktionsmengen aus dem Ausland werden wir immer in extremer Konkurrenz stehen. Wir können das nur über die Qualität spielen.“