Abzocke. Kein Begriff passt besser dafür, was sich vor einem Jahr in der Carolinenstraße in Viktring abgespielt hat. Der Besitzer von 16 Parkplätzen machte dort mit Unterlassungserklärungen Jagd nach Parkern, die ihre Fahrzeuge auf seinen Plätzen und Geschäftslokalen abgestellt haben. Tafeln, die auf ein Parkverbot hingewiesen haben, waren winzig, handgemacht, teils versteckt und nicht eindeutig ersichtlich.

Die Aufregung war groß, die geforderten Summen ebenso. Bis zu 455 Euro stellte der Besitzer über Anwälte und Subunternehmen in Rechnung. Wer nicht zahlt, handelte sich eine Besitzstörungsklage ein. Nach dem medialen Aufschrei beendete der Kärntner die Abstrafserie. Mittlerweile ist vereinzelt ausgeschildert, welche Parkplätze für welches Etablissement zur Verfügung stehen. Es kehrte Ruhe in die Carolinenstraße ein.

Mehrere Leerstände in der Carolinenstraße

Wortwörtlich, denn mehrere Geschäftslokale stehen leer. Ein Hundesalon, ein Hochzeitssalon sowie der Discounter Tedi verabschiedeten sich in den vergangenen Monaten aus unterschiedlichen Gründen aus der Straße und das alte Café Strobl, vor dem zum Großteil abgestraft wurde, ist ebenfalls verwaist. Ob die Parkplatz-Thematik mögliche neue Interessierte abschreckt?

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein intelligenter Unternehmer hier herkommt“, ist ein ansässiger Geschäftsmann überzeugt. Am Höhepunkt der Masche spürte er Auswirkungen auf sein Geschäft. Heute hat sich wieder alles normalisiert. Der Mann ist sich dennoch sicher, dass der schlechte Ruf des Parkplatzbesitzers die Entwicklung der Straße bremst. „Der bekommt für seine Mietflächen niemanden mehr. Jeder, der seinen Namen hört, geht“, glaubt der Unternehmer. Rechtsanwaltskammerpräsident Bernhard Fink, der sich intensiv mit dem Fall auseinandergesetzt hat, äußert einen ähnlichen Verdacht. „Nicht nur die Parkplätze, auch die Objekte stehen leer. Es traut sich niemand mehr, hier zu parken.“ Ein Maklerunternehmen, das vor Ort zumindest ein leeres Geschäftslokal vermarktet, hätte wiederum keine Schwierigkeiten vernommen. Auch der Mann hinter der Parkplatz-Masche glaubt nicht, dass sein Handeln Auswirkungen auf Geschäftsflächen haben wird. Mehr möchte er zur Sache nicht sagen.

Die Masche ist beendet, war für ihn aber „fruchtbar“, meinte er im Juli. Eine Gesetzesänderung schiebt derartigen Machenschaften seit Jahresbeginn einen finanziellen Riegel vor. Trotzdem lassen sich andere davon aber nicht irritieren und suchen nach neuen Schlupflöchern, um Profit zu schlagen. In Wien verschickte kürzlich ein Anwalt ein Mahnschreiben an eine Familie: Nicht das Parken auf einem Parkplatz, sondern das Betreten beim Aussteigen stellte er in Rechnung, berichtete der ORF. „Die Jubelstimmung über das Ende der Abzocke war wohl verfrüht“, sagt Öamtc-Chefjurist Martin Hoffer. Rechtliche Lücken werden Parker und Juristen also noch länger beschäftigen.