Im Jahr 1901 wurde Österreich noch von Kaiser Franz Joseph I. regiert, der Bau der Tauernbahn begann und unsere Fußball-Nationalmannschaft bestritt ihr sogenanntes Ur-Länderspiel gegen die Schweiz – auch, wenn es nicht als erstes Länderspiel anerkannt wird. Genau in dieser Zeit kam eine junge Herrenrunde im Gurktal auf den Gedanken, gemeinschaftlich dem Gesang zu frönen. So entstand vor exakt 125 Jahren der Männergesangsverein (MGV) Gurk in der Marktgemeinde Gurk, damals noch als Sängerrunde. Einige der Gründungsmitglieder waren Malermeister Hans Kraigher, Schneidermeister Hans Illitsch oder Schumachermeister Jakob Wenger.
Natürlich verlief nicht immer alles einfach. Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 wurde der Verein behördlich aufgelöst. „Während des Zweiten Weltkriegs war keine Tätigkeit verzeichnet“, heißt es vom Sangesverein. Erst nach Ende des Krieges ist es auf Betreiben von Hans Illitsch gelungen, die Sängerrunde im Jahre 1946 wieder zu aktivieren. Damals waren 24 aktive Sänger ein Teil der Runde.
Prägende Auftritte
Heute zählt der MGV Gurk 15 Mitglieder. „Zu besten Zeiten hatten wir an die 30“, weiß Gerhard Kalsberger, er steht dem Verein seit 2017 als Obmann vor. Beinahe hätte er 2026 ein doppeltes, großes Jubiläum zu feiern gehabt. Die 125 Jahre seines Vereins, aber auch er selbst ist seit nun 49 Jahren fester Bestandteil der Sangesgemeinschaft.
„Man erlebt schon einiges in so einer langen Zeit“, erzählt er, während er in seinen Gedanken nach prägenden Auftritten sucht. „Einer ist gar nicht so lange her“, sagt Kalsberger. „Kurz nach der Pandemie wurden wir aus dem Nichts nach Oberösterreich zu einem Kranzlsingen eingeladen. Dieser Auftritt nach Corona war sicher etwas Besonderes.“
Auch die kleine Stadt Cividale in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien konnte der Verein bereits mit seinem Gesang begeistern. „Wenn wir einen gemeinsamen Ausflug haben, ist es unser Ziel, im Zuge dessen auch einen öffentlichen Auftritt zu haben“, erklärt der leidenschaftliche Sänger. „So durften wir eine Messe im Dom von Cividale singen.“ Dort habe man derart überzeugt, dass der Pfarrer des Wallfahrtsortes Castelmonte den MGV kurzerhand einlud, bereits am nächsten Tag bei ihm zu singen.
Auf der Suche nach Jugend
Zwischen 25 und 30 Auftritte hat man in etwa pro Jahr. „Und einmal pro Woche Probe“, fügt Kalsberger an. Man hat viel zu tun, aber auch eine große Herausforderung, die so vielen Chören aktuell Probleme bereitet: fehlender Sangesnachwuchs. „Natürlich versuchen wir, junge Menschen zu überzeugen und machen das in der Regel face-to-face“, erklärt der Obmann. „Aber es ist nicht einfach.“
Jeder, der in einer Männerrunde singen möchte, sei herzlich eingeladen, zu einer Probe zu kommen. Gesungen wird vor allem das klassische Kärntnerlied, aber auch moderne Literatur und auch teilweise in anderen Sprachen wie Italienisch, Slowenisch oder Kroatisch. „Die Sprachen sind Trainingssache und wir haben Personen, die uns hier weiterhelfen können.“
Großes Jubiläumskonzert
Das große Jubiläumskonzert geht am Samstag, dem 11. Juli, um 19 Uhr im Probsthof in Gurk über die Bühne. Mit dabei ist auch der Männergesangsverein Tiffen. „Sie sind ähnlich aufgestellt wie wir, daher passen wir gut zusammen“, freut sich Kalsberger. Rund fünf Lieder werde man auch gemeinsam singen. Das Konzert wird am Klavier begleitet von Amelie Walther aus Feldkirchen. Auch die GurKids, eine Kindergruppe, sind Teil des Programms. Bei Schlechtwetter findet das Konzert im Haus der Heimat statt.