Wachablöse? Letztes Meisterstück? Ein Duell Jung gegen Alt? Ein Kampf mit allen möglichen Waffen? Das Halbfinal-Duell beim Final Four am Samstag in Eberstein zwischen Rottendorf und Liebenfels (Beginn 15 Uhr) verspricht ein Duell mit besonderer Brisanz. Und auch von einer freundschaftlichen Beziehung kann man in diesem Kärntner Derby nicht sprechen. „Ich würde jetzt nicht von Unsportlichkeit sprechen, aber sie wissen schon, wie man Gegner beschäftigt und sie aus dem Konzept bringt. Wir müssen daher bei unserem Spiel bleiben und das zeigen, was wir wirklich können“, macht Kevin Kronewetter keinen Hehl daraus, dass man sich auf einen Machtkampf der Superlative freuen darf.

Der 33-jährige IT-Produktmanager, der sich in der Präzisionssportart bereits einen Namen gemacht hat, trainierte zuletzt mit seiner Mannschaft (Michael Regenfelder jun., Patrick Flaschberger und Maximilian Los, Ersatzmann ist Michael Regenfelder sen., Wolfgang Suttnig fungiert als Betreuer) in Eberstein. Im Fokus stand dabei die Materialabstimmung, um bestens auf etwaige Verhältnisse vorbereitet zu sein.

Angesprochen auf die Erwartungshaltung, spekuliert der WM-Dritte aus Ferndorf mit einer 50:50-Chance. „Mit dem Erreichen des Final-4 und der Qualifikation für die Champions League kommende Saison haben wir bereits unser Saisonziel erreicht, aber natürlich will man in seiner Heimat ins große Finale einziehen. Das ist unabhängig vom Gegner, Rottendorf wäre die Kirsche auf der Torte.“ Dass man vom Stocksport freilich nicht leben kann, daraus macht Kronewetter kein Geheimnis. „Wir sind Individualisten, der finanzielle Anreiz ist im Hintergrund. In der Spitze ist es kostendeckend und minimal gewinnbringend.“

Andreas Spendier, Günther und Sigi Stranig wollen nochmals den Titel holen
Andreas Spendier, Günther und Sigi Stranig wollen nochmals den Titel holen © H PENDL

Gold beim letzten Antreten?

Für die Rottendorfer ist es das letzte Antreten bei einer Staatsmeisterschaft. Heuer ziehen Günther Stranig & Co. ja einen Schlussstrich unter die höchste Spielklasse – mit einer einzigartigen Bilanz. „Mit dem Einzug ins Final-4 haben wir Platz drei sicher, das ist unsere 30. Herrenmedaille bei Staatsmeisterschaften“, erzählt Stranig stolz. Davon glänzten gleich zehn in Gold. Hinzu kommen außerordentliche Erfolge im winterlichen Europacup (fünfmal Gold, fünfmal Silber, zweimal Bronze) sowie Medaillen in der sommerlichen Champions League (einmal Silber, dreimal Bronze). „Wir sind seit teils fast 50 Jahren im Stocksport, mit Unterbrechungen im Sommer seit 1992 und im Winter seit 1996 in der höchsten Liga.“

Am Wochenende wollen die Rottendorfer – neben Günther Stranig sind dies Horst Stranig, Andreas Spendier, Johann Reischenböck und Siegfried Stranig – ein letztes Mal noch Gold und den Titel holen. „Das wäre natürlich ein wirklich krönender Abschluss unserer Karriere.“ Der erste Schritt muss aber am Samstag gegen Liebenfels gemacht werden. Ein Premierenderby in der höchsten Spielklasse. „Wir haben in den Jahren davor schon gegen Feldkirchen und St. Peter/Honeywell gespielt. Nun ist es das erste Aufeinandertreffen mit den Liebenfelsern.“ In denen viel Rottendorf-DNA steckt. „Kronewetter war davor bei uns, auch ein Flaschberger, Regenfelder und Rauscher haben schon für Rottendorf gespielt“, erinnert sich Stranig. „Da sind schon sehr viele abgezogen worden. Aber das ist im Sport nun einmal so. Spieler wechseln eben.“ Kontakt mit den Ehemaligen gibt es keinen mehr. „Das Spiel am Samstag wird brisant, ein Duell auf Augenhöhe. Die Bude wird voll sein. Alleine aus Feldkirchen haben sich über 100 Leute angesagt.“

Und sonst?

Der österreichische Stocksportverband hat die Ambitionen kommende Saison die Europameisterschaft auszutragen, da sich international weder für die Herren noch für den Jugendbereich ein Veranstalter findet. „Österreich arbeitet gerade intensiv daran, das Event aus dem Winter in den Sommer zu schieben, da es auch einfacher zu finanzieren ist. Zwei Wochen lang im Winter eine Eishalle zu mieten, ist für den jeweiligen Veranstalter immens schwierig“, sagt Kronewetter.

Somit entfacht gerade ein kleiner Kampf zwischen dem österreichischen und dem internationalen Verband, der ohne Aussicht auf Olympia, dennoch stur auf den Winter beharrt. „Aus österreichischer Sicht, meiner persönlichen Sicht und als Athletensprecher ist eine Absage eines internationalen Events im Winter keine Option, da ja bereits heuer für Damen und Herren nichts stattgefunden hat.“