Eine lange Tradition hat das Familienunternehmen Kaier in Söding-St. Johann. „Mein Großvater Franz Kaier hat 1939 mit der Gründung eines Transportunternehmens den Grundstein gelegt, 1973 hat dann mein Vater übernommen, in diesem Jahr wurde auch die Tankstelle gekauft“, erzählt Geschäftsführer Michael Kaier, der gemeinsam mit seiner Schwester Anita Kaier, die für Lohnverrechnung und Buchhaltung verantwortlich ist, den Betrieb führt. Die Eltern Franz und Edith Kaier, 85 und 84 Jahre alt, sind auch noch regelmäßig im Betrieb.
Bekannt ist die Familie Kaier über die Bezirksgrenze hinaus für ihre Diskont-Tankstelle in Söding, nur wenige Meter vom Kreisverkehr des Autobahnzubringers Mooskirchen entfernt. Die Tankstelle ist eine der letzten in der Steiermark, an der auch noch Tankwartinnen und Tankwarte das Betanken von Fahrzeugen übernehmen. „Das war früher eine Total-Tankstelle, mein Vater hat sich mit großer Anstrengung aus dem Vertrag herausgekauft, seit damals sind wir eine echte Diskonttankstelle. Weil wir die Tankwarte ja unter Vertrag hatten und wir das Service beibehalten wollten, gibt es bei uns noch immer Tankwarte“, erzählt Michael Kaier.
Das kommt bei den Kunden gut an, zum Erfolg trägt auch der Sitz an der viel befahrenen Pendlerstrecke bei: „Die Leute kommen nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Lieboch und Voitsberg etwa.“ Bei der Übernahme vor mehr als 50 Jahren sei der Tagesumsatz bei 500 Schilling gelegen, „heute haben wir einen Umsatz von 4,5 Millionen Liter Treibstoff pro Jahr, davon können viele nur träumen“.
Leichter geworden ist das Geschäft aber nicht, das betont auch Kaier. Neben zahlreichen Gesetzesänderungen macht sich auch der Druck auf dem internationalen Ölmarkt und die harte Konkurrenz großer Ketten bemerkbar. „Früher hatten wir oft wochenlang denselben Preis, heute brauche ich Programme, die mich rund 6000 Euro kosten, nur um zu wissen, zu welchem Preis ich einkaufen kann. Allein gestern habe ich 56 Mal in dieses Programm geschaut“, erzählt Kaier, der betont: „Wobei ich nicht mitmache, ist diese Kundenverarschung, ständig den Preis zu ändern.“
Hohes Risiko
Der Unternehmer betont aber auch, dass der unberechenbare Markt ein hohes Risiko bedeutet. „Jeder wartet darauf, dass der Krieg im Iran beendet ist und die Preise deutlich sinken, was ja schon angekündigt wurde. Wenn man da zu früh zu einem höheren Preis einkauft, kann man schon richtig einfahren.“
An der Tankstelle gibt es nicht nur Diesel und Benzin, sondern auch Heizöl. „Da gibt es kaum noch Anbieter, die Anfrage ist aber groß. Verdienen kann man da kaum etwas, aber da ist uns die Versorgung wichtig.“
Seit 2019 geschlossen ist der Transportbetrieb. Der hatte Ende der 1980er-Jahre seine Glanzzeit: „Wir haben zu den Pionieren gehört, die in den Nahen Osten geliefert haben. Wir haben beispielsweise Baustoffe, medizinische Ausstattung und Medikamente für den Bau des Krankenhauses in Riad zugestellt.“
Nun stehen sowohl die florierende Tankstelle samt Waschanlage als auch der stillgelegte Transportbetrieb zum Verkauf. „Wir gehen in Pension, deswegen suchen wir einen Käufer. Unser Wunsch wäre es natürlich, dass der Betrieb weitergeführt wird“, sagt Kaier. Die Gesamtfläche der beiden Immobilien beläuft sich auf knapp 18.000 Quadratmeter. Interessenten können sich direkt bei Michael Kaier unter Tel. (03137) 2570-13 oder per E-Mail unter michael@kaier.at melden. Weitere Informationen gibt es auf willhaben.at.
Danach fängt für die Geschwister Michael und Anita Kaier ein neues Kapitel an. „Sollte der Verkauf gelingen, dann wäre eine Weltreise mein Traum“, schildert der Geschäftsführer, während Anita Kaier einen einfachen Wunsch hat: „Endlich mehr Zeit für Sport.“ Eines gilt aber für beide: Endlich ist dann auch einmal Zeit, einfach abzuschalten und sich zu erholen.