Unvergessliche Momente erlebten zwei Urlauberinnen aus Deutschland am Wörthersee. Allerdings im negativen Sinne. Die Frauen hatten sich in Velden ein Elektroboot geliehen und sind damit auf den See hinausgefahren. „Auf Höhe Bad Saag sind sie ins Wasser gesprungen und ein bisschen geschwommen. Doch danach sind sie nicht mehr ins Boot zurückgekommen“, erzählt Einsatzleiter Paul Pridnig von der Wasserrettung Bad Saag.

Es kam zu dramatischen Szenen: „Etwa eine Stunde lang versuchten die Frauen wieder ins Boot zu kommen. Eine der beiden hat es irgendwann irgendwie hinein geschafft.“ Doch ihre Begleiterin drohte unterzugehen, schildert der Wasserretter. Die Frau im Boot schaffte es nicht alleine, die andere ins Boot zu ziehen. Doch sie hat auch nicht gleich den Notruf abgesetzt. „Sie hat zuerst den Bootsvermieter angerufen und das Hotel und andere Nummern. Irgendwer hat ihr dann die Nummer der Wasserrettung gegeben. 130, das sollte sich jeder merken oder einspeichern.“

Frauen wussten nicht, wo sie sind

Als Pridnig und seine Kollegen den Notruf bekamen, rückten sie sofort aus. Doch dann kam es zum nächsten Problem. „Die Frauen wussten nicht, wo sie sind und sie konnten es schlecht beschreiben, weil sie ortsunkundig waren. Deshalb musste der Polizeihubschauber ausrücken“, berichtet der Wasserretter. Die Hubschrauber-Crew konnte die in Not geratenen Frauen schnell orten.

Gerd Motschiunig sprang ins Wasser zu der kraftlosen Frau
Gerd Motschiunig sprang ins Wasser zu der kraftlosen Frau © OWR Bad Saag

Dann ging alles ganz schnell: Beamte, die mit dem Polizeiboot unterwegs waren, trafen als erstes bei den verzweifelten Frauen ein. „Ein Polizist ist ins Elektroboot gestiegen, hat sich nach unten ins Wasser gebeugt und die Frau im Wasser festgehalten, damit sie nicht untergeht.“ Der Mann schaffte es, die Urlauberin über Wasser zu halten, bis die Wasserrettung kam: „Die Situation stellte sich wirklich dramatisch dar. Ein Retter sprang sofort zu der in den See zu der Frau. Die Dame war völlig entkräftet und hatte eine Art Panikattacke. Zu dritt haben wir sie dann ins Boot gebracht und zur Einsatzstelle gefahren.“ Das war knapp. Pridnig meint ganz offen: „Ich weiß nicht, wie lange das noch gut gegangen wäre.“

Hohe Einstiegskante

Doch er macht den Frauen keine Vorwürfe. Im konkreten Fall müsse auch dazu gesagt werden, dass das Elektroboot laut Wasserrettung etwas höher war als durchschnittlich.. „Es war keines der typischen roten Boote, die man bei uns oft sieht. Aufgrund der Bauweise des Bootes war die Einstiegskante etwa einen halben Meter hoch“, beschreibt der Wasserretter.

Einsatzleiter Paul Pridnig
Einsatzleiter Paul Pridnig © ÖWR Bad Saag

Zu Vorfällen wie diesen komme es immer wieder, weiß der Experte. „Die Leute unterschätzen den See.“ Daher rät er Folgendes: „Wer sich ein Boot ausleiht, soll immer kontrollieren, ob eine Einstiegshilfe dabei ist.“ Und noch eine Bitte hat der erfahrene Wasserretter: „In Notsituationen nicht alle möglichen Leute anrufen, sondern die Notrufnummern wählen.“ Die deutsche Urlauberin hätte „zehn Nummern angerufen, bis sie endlich 130 wählte“. Pridnig sagt: „Wir sind für solche Notfälle geschult.“ Der Einsatz bei Bad Saag werde auch nicht verrechnet.

Erst vergangene Woche musste im Parkbad Krumpendorf eine erschöpfte Schwimmerin gerettet werden. „Da sieht man, was die Ehrenamtlichen heuer so leisten“, meint Pridnig. „Wobei der heurige Sommer wirklich eine Katastrophe ist mit den vielen Badetoten.“