Die Vögel zwitschern in den großen, alten Birken. Im natürlichen Schatten naschen Kinder mitgebrachte Erdbeeren. Neben dem Schilfgürtel umkreisen kleine Fische die Badenden. Die Klischee-Vorstellung von einem österreichischen Badesee stellt eine Idylle dar. Eine Oase, die es in der südlichen und östlichen Steiermark tatsächlich in dieser oder ähnlicher Form gibt und die sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Spätestens seit der Corona-Pandemie zieht es vermehrt Erfrischungssuchende an Naturbadeplätze abseits der überfüllten Freibäder.
Publikumsmagnet Naturbadesee Königsdorf
„In den vergangenen acht Jahren hat sich das Gästeaufkommen bei uns verdreifacht“, bestätigt Mario Trinkl den Eindruck. Er ist Bürgermeister der burgenländischen Gemeinde Königsdorf, deren örtlicher Badesee Gäste aus einem Umkreis von 100 Kilometern anzieht. „Die 20 Hektar große Wasserfläche, viel Schatten und große Liegewiesen sowie unsere Spitzengastro bringen Grazer wie Feldbacher zu uns“, illustriert der Ortschef. Kein Wunder, dass viele steirische Gäste kommen, der See liegt auch nur acht Kilometer Luftlinie von Fürstenfeld entfernt.
Durch die Größe sei eine hervorragende Wasserqualität über den Sommer sicher, der See habe zwischen Juni und September um die 25 Grad, so Trinkl. Ob Schwimmen, Stand-up-Paddling, Tretboote, Volleyball-Platz oder Abenteuerspielplatz: Der Naturbadesee Königsdorf spielt auch beim Freizeitangebot alle Stücke. Er gehört damit durchaus zu den stärker bewirtschafteten Kandidaten in der Region.
Von der Schottergrube zum Liebmannsee
Ruhiger geht es beim zwei Hektar großen Liebmannsee bei Bad Radkersburg zu. Beziehungsweise Liebmannseen, „denn eigentlich sind es ja zwei – einer zum Fischen, einer zum Baden“, erklärte die Betreiberin Iris Liebmann vor zwei Jahren im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Wie viele Teiche und Seen der Region startete er 1967 als Schottergrube und wurde erst nach und nach zum (Bade-)Gewässer. „Aber sobald es gegangen ist, sind Leute aus der Region reingesprungen“, so Liebmann. „Die Gäste lieben einfach das Naturwasser und Baden in seiner Urform.“
Baden nahe den Murauen: Röcksee
Die Ruhe zwischen Mur und Maisacker bringt die Badegäste zum Röcksee bei Mureck, der nur 20 Autominuten vom Liebmannsee entfernt liegt. Mit rund 17 Hektar Wasserfläche ist der Röcksee jedoch um einiges größer – Schwimmer wie Fische fühlen sich im rund 27 Grad warmen Wasser ziemlich wohl. Im Nachbarteich können Karpfen, Störe und andere Fische geangelt werden. In der Umgebung befinden sich bekannte Ausflugsziele wie der Murturm, die Schiffsmühle oder der Kamelhof Ratschendorf. Wanderer kommen in den Murauen auf ihre Rechnung.
Flussbad seit 1929: Steinerne Wehr
Längst kein Geheimtipp mehr ist das 1929 eröffnete Sulmbad zur Steinernen Wehr in Kaindorf an der Sulm bei Leibnitz. Das älteste Flussbad der Steiermark wird bereits in vierter Generation von der Familie Pratter betrieben. Bade- und Campingfreunde aus nah und fern schätzen das naturbelassene Flussbad in den Sulmauen wegen seines landschaftlichen Reizes und der Ruhe. Selbst an richtig heißen Sommertagen sorgt das frische Wasser der vorbeifließenden Sulm für angenehme Abkühlung. Dank des Auwaldes steht auch genügend natürlicher Schatten zur Verfügung.
Legendär ist übrigens nicht nur das Sulmbad selbst, sondern auch das Angebot im dazugehörigen Buffet. Neben Klassikern der österreichischen Küche werden dort auch spezielle Curry-Gerichte serviert, die die Chefleute Dorli und Franzi von ihren Indien-Reisen mitgebracht haben. Auf der Speisekarte finden sich außerdem vegetarische und vegane Gerichte.
Stausee Soboth
Wer nach einer schweißtreibenden Wanderung in den kühlen Fluten abtauchen will, ist am Stausee auf der Soboth in Eibiswald gut aufgehoben. Der in den 1990ern angelegte Speicher für das Wasserkraftwerk Koralpe in Lavamünd liegt sowohl auf steirischer als auch auf kärntnerischer Seite der Landesgrenze. Der von dichten Wäldern umgebene Bergsee auf einer Höhe von knapp 1080 Metern besticht durch sein kristallklares Nass. Wem es zu kalt ist, kann den See mit dem Tretboot oder Stand-up-Paddle überqueren.