Er muss ein bisschen grübeln, als er gefragt wird, seinen wie vielten Trainingsstart er gerade im Trainingszentrum Weinzödl begeht. „Es waren schon einige", sagt Konditionstrainer Stefan Arvay und lacht. „Winter- und Sommer-Vorbereitungen zusammengerechnet sind es bestimmt an die 50." 15 Spieler versammelten sich auf dem Rasen rund um Trainer Ferdinand Feldhofer und Sportdirektor Tino Wawra, die mit Peter Michorl und Matthias Gragger zwei Neuverpflichtungen der Athletiker willkommen hießen. Auf Athletik- und Mobilisationsübungen brachte Feldhofer sogleich den Ball ins Spiel.
Deutlich früher als die anderen Bundesligisten eröffnet der GAK die Vorbereitung. „Wir wollten die Pause nicht allzu lange werden lassen und haben uns dazu entschlossen, die Vorbereitung in zwei Teile zu gliedern mit einer kurzen Pause dazwischen", erklärt der Konditionstrainer. Wobei „Pause" nicht ganz richtig ist, die Spieler arbeiteten quasi im „Home-Office" und im Laufschritt an ihrer Grundlage. Keeper Juri Kirchmayr war ebenfalls auf dem Platz wie Yannick Oberleitner und Thomas Schiestl. In den kommenden Tagen wird sich der Kader stetig füllen. So werden Ramiz Harakate, Beres Owusu und Donovan Pines bald erwartet. Und Jacob Italiano weilt mit dem australischen Nationalteam freilich bei der WM.
Zum GAK kam Arvay bereits im Jahr 1999 auf Anraten des damaligen Physios und späteren Trainers Klaus Schmidt. „Klaus Augenthaler ließ damals immer einen deutschen Sportwissenschaftler einfliegen für die Tests und Klaus meinte, er kennt da einen jungen Sportwissenschaftler. Das war ich." Werner Gregoritsch, mit dem ihn seitdem eine lange Freundschaft verbindet, übergab ihm dann im Jahr 2000 die Verantwortung der körperlichen Vorbereitung.
Und mit seinen damals 25 Jahren schickte er weiland die teilweise älteren Profis um Dieter Ramusch (damals 31), Joachim Standfest (21) oder Adi Hütter (31) den Schloßberg hinauf. „Wir sind von allen Seiten rauf. Es war ja nicht weit vom Casino-Stadion. Am meisten hat am Anfang Franzi Almer wegen des Laufens geschimpft. Aber er hat dann immer mitgezogen und war richtig brav. Ich habe mir damals den Respekt erlaufen, weil ich immer als Erster oben war." Mittlerweile ist es seine dritte Amtszeit in Graz und er arbeitet gemeinsam mit Sportwissenschaftler Anton Maderbacher an der Athletik der Spieler. Zudem war er auch beim ÖFB und dem KSV engagiert.
Mit den aktuellen Spielern könnte der Weststeirer, der am 18. August 1974 und damit am Jahrestag der GAK-Gründung das Licht der Welt erblickt hatte, freilich nicht mehr mithalten. Dass ein Spieler wie weiland nicht selten in schlechter Form zum Trainingsstart kam, kommt nicht mehr vor. „Der Sport ist professioneller und athletischer geworden und die Spieler natürlich auch. Da musst du auch im U21-Team keinem mehr sagen, dass um 22 Uhr Zapfenstreich ist", sagt er. Zusatzeinheiten und selbst persönliche Fitnesstrainer sind keine Seltenheit mehr. „Viele Spieler tracken auch ihre Daten mit und achten sehr genau auf den Schlaf oder die Regeneration."
Dass der Klassenerhalt nach dem 3:0-Sieg bei Blau-Weiß Linz gefeiert wurde, ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Aber nicht nur das. „Dieses Spiel in Linz hat was mit der Mannschaft und dem Verein gemacht", erzählt Arvay. Noch nie hatte er in seiner Karriere so einen Druck verspürt wie in der Woche vor diesem Spiel. „So wie wir in dieser Woche gearbeitet und am Ende auch abgeliefert haben, macht das was mit dir. Das schweißt dich noch enger zusammen. Ganz eng. Und auch wenn nicht mehr alle Spieler da sind, das hat man auch in diesem Training gespürt."