Die Ausgangslage war klar: Ein Angeklagter, der zugibt, einen Jugendlichen getötet und fünf Menschen lebensgefährlich verletzt zu haben. Ein Angeklagter, der zugibt, auch in Zukunft Menschen töten zu wollen. Ein Angeklagter ohne jede Reue, ohne jedes Bedauern und getrieben von islamistischem Fanatismus.

Warum also so jemanden überhaupt vor Gericht stellen? Warum so jemandem ein aufwändiges Gerichtsverfahren gewähren? Warum so jemandem das Recht auf Verteidigung zugestehen?

Die Antwort ist auch klar, auch wenn sie oft wehtut: Weil Österreich nicht so ist wie der Angeklagte. Weil Österreich ein Rechtsstaat ist, im Unterschied zum fiktiven Islamischen Staat, nach dem sich der Angeklagte (vergeblich) sehnt.

Wie ein Rechtsstaat funktioniert, hat man am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt gesehen. Dort musste sich der Attentäter von Villach verantworten. Und der Syrer (24) bekam eine faire Chance. Eine Chance, die der Mörder seinen Opfern, ihren Familien, Verwandten und Freunden nicht gegeben hat.

Die Richter und die Staatsanwältin führten die meist jugendlichen Opfer und die Zeugen, viele von ihnen auch 15 Monate nach der Bluttat noch traumatisiert, aber dennoch mutig genug, um vor Gericht auszusagen, souverän durch das Verfahren. Mit Respekt und ohne ihnen mehr abzuverlangen als absolut notwendig. Eine außergewöhnliche Leistung aller Verfahrensbeteiligten.

Nach elf Stunden hat das Geschworenengericht sein Urteil gefällt: Der Attentäter wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Eindeutig und ohne jeden Zweifel. „Das Verfahren hat gezeigt: Der Rechtsstaat steht aufrecht“, fasste es der Pflichtverteidiger des Angeklagten zusammen.