Zwei Männer stehen in dieser Woche vor Gericht. Terror im Namen des Islams wird ihnen vorgeworfen. Während beim vereitelten Attentat auf das Taylor Swift-Konzert noch offen ist, wie hoch das Strafmaß ausfallen wird, hat die Öffentlichkeit eine klare Erwartung, was jenen Mann angeht, der in Villach einen Jugendlichen erstochen und mehrere Menschen verletzt hat: keinen Tag weniger als lebenslänglich.

Am Ende dieser Woche wird man zu vielen Fragen, die es rund um diese Prozesse gibt, aber nicht mehr Antworten haben als bisher. Die schmerzhafte Ratlosigkeit, wie man mit jener Gruppe umgeht, die sich im Blaulicht ihres Handybildschirms radikalisiert, wird bleiben. Das breit diskutierte Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige klingt nach einem soliden Anfang. Eine Lösung für jene zwei Fälle, die in dieser Woche verhandelt werden, bietet es aber nicht an.

Der Taylor Swift-Attentäter war bei seinen Vorbereitungshandlungen 21 Jahre alt. Jener Mann, der aus Syrien flüchtete und in seiner neuen Heimat Villach das Messer zückte, wurde erst als volljährige Person radikalisiert. Auf seiner Couch sitzend, einem Lifestyle-Vorbild folgend, begann sein Traum vom Gotteskrieger. Erst gab es für ihn Ratschläge zu Kleidern und Alltag, zu Ernährung und Beziehungen. Der subtile Unterton wurde expliziter, die Lehren immer radikaler ausgelegt. Bis irgendwann aus einem Müllsack eine IS-Flagge gebastelt wurde und das Unheil seinen Lauf nahm.

Die Methode, mit der sich Plattformen wie Tik-Tok der Mitverantwortung entziehen, ist gleichermaßen ehr- wie wirkungslos. Wo immer ein Account gesperrt wird, kommen mindestens zwei nach. Schlüsselwörter, nach denen gefiltert wird, umgehen Jugendliche problemlos.

Wenn man hier eine Lösung erreichen will, muss man so radikal denken wie das Gegenüber. Die USA haben es geschafft, dass Tik-Tok den Mehrheitsanteil des US-Geschäfts abgab. Warum lässt man in Europa weiterhin zu, dass durch den chinesischen Staat hier Daten ausspioniert werden und Teile der Gesellschaft radikalisiert werden? Regeln für einen freien Markt bedeuten auch, dass man dessen Existenz absichern darf. Und wenn erforderlich, auch mit harten Regeln.

Auch in einem zweiten Punkt muss man die Lösung nicht weniger konsequent andenken: Wenn 41 Prozent der muslimischen Jugend finden, dass die Regeln ihrer Religion über jenen des Staates stehen, kann man den Religionsunterricht nicht mehr als spirituelle Geschichtsstunde betrachten. Mit dem Wissen um solche Zahlen muss man in Zweifel ziehen, dass in allen Moscheen Friede und Gemeinschaft als die höchsten Werte vermittelt werden, oder ob es nicht doch Gebetsräume gibt, in denen ein anderes Weltbild vermittelt wird. Die Einschränkung dieser vermeintlichen Redefreiheit ist übrigens nicht Anti-Demokratisch, sondern die Verteidigung der Demokratie.