Man isst, Saatçi läuft. Man fährt zur Arbeit, Saatçi läuft. Man schläft, Saatçi läuft. Es ist ein nahezu unmenschliches Unterfangen, das man die letzten Tage im Internet verfolgen konnte. Der deutsche Extremsportler Arda Saatçi wollte in 96 Stunden bzw. vier Tagen vom Death Valley bis zum Santa Monica Pier in den USA laufen. Das sind 600 Kilometer oder umgerechnet 14 Marathons. Eine extreme körperliche Belastung, die dem 28-Jährigen in dieser Form nicht unbekannt ist.

Der 28-jährige Berliner, der sich selbst den Spitznamen „Cyborg“ (Anm. ein Wesen zwischen Mensch und Maschine) gibt, ist für seine extremen Laufherausforderungen bekannt. 2024 lief er von Berlin nach New York, 2025 kämpfte er sich vom Norden Japans bis in den Süden. Bei letzterer Herausforderung lief er rund eineinhalb bis zwei Marathons pro Tag. Der Sport begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Sein Traum war früher, Fußballprofi zu werden. Daraus wurde dann der Extremsport.

Kampf gegen die Bedingungen

Bei seiner aktuellen Ultra-Marathon-Challenge in den USA kämpfte Saatçi nicht nur gegen harte Bedingungen (im Death Valley kann es über 50 Grad heiß werden), sondern auch gegen die körperliche Anstrengung und die Zeit, die ihm schon zum Verhängnis wurde. Die 96-Stunden-Marke wurde nämlich geknackt. 

Sein großes Ziel hat er also nicht in der vorgegebenen Zeit erreicht. Ein emotionaler Moment für Saatçi, wie man im Livestream sehen kann. „Ich bin vielleicht nicht der Schnellste, vielleicht nicht der Stärkste, aber eine Sache werde ich niemals machen: Ich werde niemals aufgeben“, sagt er mit gebrochener Stimme in die Kamera. 

Ziel: Eis essen mit Mama

Saatçi kämpft mit den Tränen, kämpft weiter und bricht im körperlichen Ausnahmezustand mit einem Männlichkeitsbild, das im Internet gerne propagiert wird: Männer dürfen keine Emotionen zeigen, müssen stark sein. Saatçi zeigt das Gegenteil auf. Mit eisernem Willen und Disziplin über die eigenen Grenzen gehen, um sein Ziel zu erreichen, und gleichzeitig Emotionen oder sogar Schwäche zeigen, schließt sich nicht aus. 

Aktuell fehlen dem Ultra-Marathonläufer noch rund 50 Kilometer. Also läuft Saatçi weiter. Sein Ziel ist es, am Santa Monica Pier mit seiner Mutter ein Eis zu essen. Und das hat er sich dann redlich verdient.