Der Faschingsumzug der Kleinen Zeitung in der Grazer Innenstadt ist schon wieder ein paar Monate her, und doch treiben sich dieser Tage verkleidete Gesellen in der steirischen Landeshauptstadt umher. Superhelden, Zwerge, Polizisten oder die Flintstones machen den Bereich um die Grazer Stadthalle zu einem bunten Treffpunkt der Darts-Fans. Die PDC European Tour macht mit (fast) all ihren Stars in Graz Station und pro Session – davon gibt es zwei pro Turniertag – sind es 3500 Fans, die seit Freitag für ausgelassene Party-Stimmung sorgen. Auch am Samstag war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt, während draußen ein Wolkenbruch für heftige Regenschauer sorgte und den weiteren größeren Sportveranstaltungen am Samstag in Eggenberg (Graz Giants gegen Vienna Vikings) und Liebenau (GAK gegen Altach) durchaus Schwierigkeiten bereitet hat. Schon am Freitag hatten sich mit Ausnahme eines Spielers sämtliche Lokalmatadore aus dem Bewerb verabschiedet. Nur einer war am Samstag noch mit von der Partie: Mensur Suljovic. Vor dem Zweitrunden-Duell mit James Wade grölten die großteils gut hydrierten Fans seine Einlaufmusik „Simply the Best“ aus voller Kehle, um dem charmanten Wiener den letzten Motivationsschub zu geben.

Biertische und Bierbänke machen es den Fans in der Steiermark einfach, sich wohl zu fühlen. Es ist die pragmatische Idee einer Tribüne, die allen Anwesenden aber genügt. Es hat etwas von einem Frühschoppen, wenn auf Bänken und Tischen getanzt wird. Zumindest kurz, bis man aus Gründen der eigenen Sicherheit von den Sicherheitsleuten von den Bänken und Tischen geholt wird. „One Hundred and Eighty“, also 180, lautet die magische Zahl, die jeder Fan auch bei den Austrian Open hören will. Drei Pfeile in das nur acht Millimeter breite Triple-Feld zu werfen ist es, was die tausenden Verkleideten sehen wollen. Und genau diese Fähigkeit unterscheidet die Stars der Szene, wie die in Graz angetretenen Michael van Gerwen, Peter Wright oder Gian van Veen auch von jenen, die Darts als „Gasthaussport“ abtun wollen.

In den letzten Reihen der Arena sieht man von der kleinen Dartsscheibe kaum etwas, dafür sorgen Großleinwände für Abhilfe. Es geht eher ums Dabeisein, ums Mitsingen, Tanzen und Spaß haben. Gemütlicher ist es auf jeden Fall auf der Couch vor dem TV, aber würde man auch dort „Meeeensur“-Gesänge starten? Wohl kaum. Und als Banane oder Pinguin wird man sich wohl ebenfalls nicht auf das eigene Sofa legen. Die Kostüme der Besucher erfüllten übrigens auch einen pragmatischen Zweck. Zwischen Vormittags- und Nachmittagssession wurde die Halle geräumt, um durchzuwischen und die Besucher mit Nachmittagstickets reinzulassen. Aufgrund der Witterung eigneten sich Wikingerhelme, Perücken und Hüte auch bestens als Regenschutz.

Auch in Abwesenheit von Superstar Luke Littler wurde Darts auf höchstem Niveau geboten. Dass es am Ende nicht mit einem Weiterkommen von Suljovic gereicht hat – er verlor sein Spiel gegen Wade mit 2:6 – störte die Fans nur kurz. Vielmehr freuten sich die Besucher darüber, am Sonntag noch einmal vor der eigenen Haustür die Besten ihrer Zunft live zu sehen. Ab 13 Uhr beginnt der Finaltag, kurz vor Mitternacht wird feststehen, wer den Siegerpokal und einen neuen steirischen Janker mit nach Hause nehmen darf.