„Im Mittelalter blühte der Weinbau durch kirchliche und weltliche Grundherren auf. Die Pfarre Straden erhielt im Jahr 1341 zwei Weingärten“, berichtet Christa Schillinger. Für ihre jährliche Ausstellung in der Stradener „Galerie in der Kirchenmauer“ hat sich die Historikerin eingehend mit der Weinbaugeschichte des Ortes beschäftigt.
Weingärten gehörten lange Zeit zur Grundausstattung jeder Hofstelle in den Dörfern. Man bewirtschaftete sie meist in Mischkulturen mit Obst und anderen Früchten. In der Gegend von Straden kultivierte man um 1800 die „Moßler Trauben“ oder „Ungarische“, den „Rechtweiß“, den Zifaller, und den Grünheimer. Der „Großblaue“, der „Kleinblaue“ und die „Burgunderrebe“ waren die blauen Traubensorten jener Zeit. Den höchsten Ertrag erzielte man mit der Hecken- oder Stockpflanzung.
Von der Reblaus zur Landesrebanlage Straden
Im 19. Jahrhundert zerstörte der eingeschleppte Reblaus-Schädling Weinbaugebiete in ganz Europa. Widerstandsfähige Reben aus Amerika waren danach das Gebot der Stunde. Das Aufpfropfen (Veredelung) heimischer Rebsorten auf resistente amerikanische Unterlagsreben brachte die Rettung.
Die Gründung der Höheren Weinbaulehranstalt in Maribor (1872) und der Weinbauschule Silberberg bei Leibnitz (1895) war eine direkte Folge dieses Umbruchs. In Straden wurden erstmals im Jahr 1912 reblausresistente Reben gepflanzt. Doch bald darauf kam es mit der Grenzziehung, nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 und der Abtrennung der untersteirischen Weinbaugebiete zum nächsten historischen Einschnitt.
„Dadurch gingen nicht nur Wirtschaftsflächen, sondern auch Absatzmärkte verloren. Durch Offensiven im Obst- und Weinbau versuchte man den Bauern in der neuen Grenzlandregion ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen“, so Schillinger. So wurde in Straden eine Ortsgruppe des „Steirischen Obstbauvereins“ gegründet und auf den pfarrlichen Weingärten eine Landesrebanlage ins Leben gerufen.
Edelwein versus Direktträger
Damals begann der Konflikt um die sogenannten Direktträger, abwertend „Heckenklescher“ genannt. Bereits in den 1920er-Jahren versuchte man das Kultivieren wurzelechter Reben ohne Veredelung gesetzlich zu unterbinden. Straden wurde zum Schauplatz eines regelrechten Gesinnungskrieges in dieser Frage.
Der Direktträger-Weinbauverein unter Obmann Roman Kindler trat vehement für seine Sache ein. „Es wurden sogar Flugblätter per Flugzeug abgeworfen und Massenkundgebungen vor Ort organisiert“, weiß Schillinger zu berichten. 1936 kam es in Österreich zum Anpflanzungsverbot für Direktträger und 1937 erließ man ein Verschnittverbot.
NS-Formulierungen im Weinbau
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 wurden alle Vereine aufgelöst und in den sogenannten „Reichsnährstand“ eingegliedert. Die Landesrebenanlage in Straden benannte man in „Gaurebenanlage“ um. Erst nach 1945 entstand wieder ein Obst- und Weinbauverein für Straden und Umgebung.
Im Jahr 1976 wurde der „Weinbauverein Straden“ gegründet. Heuer ist er 50 Jahre alt und lädt mit seinen stimmungsvollen Weinveranstaltungen zum Entdecken ein. Wer die diesjährige „Weinreise“ in Straden verpasst hat, auf den wartet noch der „Tag der offenen Kellertür“ am Pfingstsamstag und das Grauburgunderfest am 12. Juni. Die historische Ausstellung ist an diesen Tagen ebenfalls zugänglich.