Wer 1,943 Millionen Kilometer zurücklegt, hat 48,48 Mal die Erde umrundet. Otto Normalautofahrer wird eine solche Wegstrecke wahrscheinlich Zeit seines Lebens nicht zusammenbringen, der Rettungsdienst des Roten Kreuzes im Bezirk Liezen hingegen hat das in einem Jahr geschafft. Und zwar im vergangenen.

Wie wichtig die Einsatzorganisation ist, weiß jedes Kind, anhand dieser stattlichen Zahl wird das in beeindruckender Manier noch einmal vor Augen geführt. Was weniger bekannt sein dürfte: Das Rote Kreuz kämpft mit vielen Herausforderungen. So etwa personaltechnisch. „Die Fluktuation ist hoch bei uns“, berichtet Bezirksrettungskommandant Gernot Leitner. Das Interesse an der Arbeit sei zwar da, „aber viele sind nur drei bis fünf Jahre bei uns. Zehn, 15 oder 20 Jahre, so wie früher, sind schon sehr selten geworden“.

Zwar würden sich für die Rettungssanitäterkurse stets je zwischen 25 und 30 Teilnehmer finden. „Wenn aber genau diese Zahl pro Jahr wieder aufhört, füllen wir nur das auf, was weniger wird.“

„Brauchen eine Mehrzahl“

Auch darüber hinaus sind die Zeiten nicht einfach. „Die Gesundheitsstrukturen ordnen sich neu, siehe Spitäler. Wir müssen teils weiter fahren, weil wir Krankenhäuser fallweise nicht mehr ansteuern können. Fahrzeuge, die früher im Bezirk greifbar waren, sind dann außerhalb. Das heißt für uns, dass wir eine Mehrzahl brauchen: Autos und Mitarbeiter“, so Leitner, der ortet, dass „der Rettungsdienst kaum in die Reformpläne aufgenommen wurde“.

Er höre oft den Einwand, dass das Rote Kreuz ja den Rettungseuro bekomme. „Das sind 12,50 Euro pro Person. Wenn du das auf die 80.000 Einwohner des Bezirks aufrechnest, mag das nicht so wenig sein. Wenn du aber bedenkst, dass ein Mitarbeiter 40.000 Euro im Jahr kostet, schaut es nicht mehr so gut aus.“ Die Lösung wäre für Leitner, auch die Touristen einzubeziehen. „Wenn pro Gast ein gewisser Betrag in den Rettungsdienst fließt, wären wir mit vielen Dingen im Reinen.“

Bezirksstelle feiert Runden

Trotz alledem gibt es heuer beim Roten Kreuz auch Grund zum Feiern: Und zwar den 80. Geburtstag der Bezirksstelle Liezen, die 1946 etabliert worden ist. „Das Rote Kreuz hat es vorher auch schon gegeben“, so Leitner. Und zwar etwa ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde das hiesige Rote Kreuz in das deutsche eingegliedert.

Eröffnung des Dienststellengebäudes in Gröbming im Jahr 1979
Eröffnung des Dienststellengebäudes in Gröbming im Jahr 1979 © Rotes Kreuz Liezen

Nach dem Krieg war das hinfällig, das Rote Kreuz musste sich „neu auf die Füße stellen. Anfangs waren es sehr wenige Leute, da haben dann alle zusammengeholfen. Fünf bis zehn Jahre nach Kriegsende hat es im Bezirk die Ortsstellen, so wie sie heute sind, schon gegeben“, berichtet der Kommandant. In der Verantwortung der Bezirksstelle: die Organisation des Rettungsdienstes und der Krankentransporte. „Unterwegs war man teils mit von den Besatzern zurückgelassenen Fahrzeugen, aber auch mit Pferdegespannen.“

Ein großer Meilenstein in der weiteren Geschichte war die Etablierung des Notarztsystems: 1986 nahm es per Bundesheer-Hubschrauber seinen Dienst auf. 1994 wurde dann auch vom Boden aus operiert, das erste Notarzteinsatzfahrzeug wurde in Rottenmann stationiert.

Notarzteinsatzfahrzeug, kurz NEF, und -hubschrauber
Notarzteinsatzfahrzeug, kurz NEF, und -hubschrauber © Rotes Kreuz Liezen

Wunsch und Anerkennung

Einen Blick zurück auf die vergangenen 80 Jahre warf man am Freitag bei der Bezirksversammlung. Ansonsten werde das Jubiläum nicht groß gefeiert, so der Kommandant. Was wünscht er sich für die Zukunft? „In Sachen Kostenabdeckung gibt es eine dringende Reformnotwendigkeit, also wäre wünschenswert, dass sich Sozialversicherung, Land und Gemeinden endlich an einen Tisch setzen.“

Was ihn außerdem bewegt: „Ohne die vielen Menschen, die sich täglich im Einsatz des Roten Kreuzes aktiv einbringen, wäre vieles nicht umsetzbar. Daher muss der größte Dank all jenen gelten, die in den letzten 80 Jahren ihre Fußspuren hinterlassen haben.“