Scientology ist eine der umstrittensten religiösen Bewegungen weltweit. Einerseits durch ihre kontroversen Praktiken, bei denen sie ihre Mitglieder psychisch und finanziell ausbeutet bzw. sie streng überwacht. Andererseits, weil viele berühmte Schauspieler in den USA Teil dieser Bewegung sind. In Österreich ist die Organisation nicht als Religion anerkannt.
In den sozialen Medien taucht in letzter Zeit ein skurriler Trend mit Scientology auf, der der Bewegung vermutlich weniger zu Gesicht steht. Bei sogenannten „Scientology Speedruns“ versuchen Personen, so weit wie möglich in Gebäude der Sekte einzudringen. Das Ziel ist es, Videos davon erreichen oft mehrere Millionen Aufrufe.
Was ist ein Speedrun?
Der Begriff des Speedruns kommt ursprünglich aus der Gaming-Welt. Bei einem Speedrun versucht man, so schnell wie möglich Videospiele durchzuspielen. Die Videospiel-Herausforderung schaffte nun den Sprung in die reale Welt.
Für viele User ist diese Challenge eine Möglichkeit, einen Einblick in eine Welt zu bekommen, die für viele verborgen bleibt – Viralität auf TikTok inklusive. Obwohl viele Videos chaotisch wirken, agieren manche User nahezu strategisch. Ein X-Posting zeigt beispielsweise eine Karte eines Scientology-Gebäudes, die mit den Informationen, die in bisherigen Speedruns gesammelt wurden, erstellt worden ist.
Erste Versuche in Deutschland
Mittlerweile schwappte der Trend auch schon nach Deutschland über und die ersten Videos von „Scientology-Speedruns“ aus deutschen Städten machen die Runde.
Scientology reagierte mittlerweile auf den viralen Trend und verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen in US-Gebäuden. „Diese Vorfälle sind kein ‚Speedrunning‘. Es handelt sich um organisierte Hausfriedensbrüche in religiösen und öffentlichen Einrichtungen, die der Aufmerksamkeit in den sozialen Medien dienen“, sagt Scientology-Sprecher David Bloomberg gegenüber den Los Angeles Times.
Aussteigerin: „Videos helfen Scientology“
Kritik zu dem Trend kommt hingegen auch von Scientology-Gegnern. Die Schauspielerin Leah Remini (unter anderem bekannt aus der Sitcom „King of Queens“), die aus Scientology ausgetreten und eine große Kritikerin der Praktiken der Sekte geworden ist, schreibt in einem Post auf X, dass diese Aktionen „Scientology helfen“ würden. „Wenn ich (Anm. als damaliges Mitglied von Scientology) von Leuten konfrontiert worden wäre, die durch Scientology-Gebäude rennen und mich oder das Personal belästigen, hätte mich das nur noch tiefer in die Scientology getrieben“, schreibt sie. Das läge daran, dass Scientologen tief indoktriniert sind und ihnen erzählt wird, dass die Außenwelt voller Chaos ist. „Eine Gruppe von Leuten, die durch ein Scientology-Gebäude rennt, wird diesen Glauben nur bestätigen und die Leute dazubringen, sich noch stärker der Sache zu widmen, an die sie glauben“, schreibt Remini. Sie bittet die Leute darum, die Gefahren von Scientology aufzudecken und nicht „ein Spektakel“ daraus zu machen.