Wieso flankieren „Weißkittel“ die Spitzen der steirischen Sozialdemokratie und nicht die ÖGB- oder Arbeiterkammer-Chefs? Das ist 2026 dem Grazer Wahlkampf geschuldet, den die rote Spitzenkandidatin Doris Kampus ganz auf Gesundheit und Pflege ausrichtet. „Wir wollen im Stadtbild auffallen“, sagt PR-Berater Rudi Fußi. Die Botschaft: Man kämpfe gegen den Grazer „Gesundheitsnotstand“. Daher daher die Ärztekittel. Ein paar Hundert Genossen finden sich am Hauptplatz ein. Von Bänken und Getränkeständen (kleines Bier oder Cola um drei Euro) eingezäunt, sieht es heuer nach einer gut besuchten Kundgebung aus.

KPÖ-Spitzenkandidatin Elke Kahr mag nicht weiter auffallen, die Bürgermeisterin begrüßt am Mariahilferplatz erst in Ruhe die Polizisten, obwohl „bei uns in 40 Jahren noch nie was passiert ist“. Inhaltlich sei von ihr keine Grazer Wahlkampfrede zu erwarten, sagt sie. Überhaupt: „Vor mir reden viele andere auch was Gescheites“. Am 1. Mai geht es ihr um Solidarität, um Kritik an Krieg, an Aufrüstung und daran, dass bei der breiten Bevölkerung, wie zuletzt bei den Pensionisten, stetig gekürzt wird. Blau-Schwarz in der Steiermark mache es nicht anders und fährt die Sozialleistungen zurück.

Clip von der Kundgebung der SPÖ

Die drohenden Einschnitte bei Pensionen sind am Volksgartenpavillon, wo sich die Funktionäre der SPÖ versammeln, natürlich Thema. Abgesehen vom Inhalt: Die Eckpunkte des Doppel-Bugets kurz vor dem 1. Mai vorzustellen, sei unklug. SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz kennt freilich seine Gegenargumente. Bankenabgabe oder Körperschaftsteuer zeugten doch von der „sozialdemokratischen Handschrift“. Am Pult sagt Kampus aber, dass der „Umgang mit Pensionistinnen und Pensionisten eine einzige Frechheit“ sei.

Doris Kampus, Max Lercher und SPÖ am Weg zum Hauptplatz
Doris Kampus, Max Lercher und SPÖ am Weg zum Hauptplatz © Klz / Stefan Pajman

Als die KPÖ-Kundgebung loszieht, haben Stadtrat Robert Krotzer und Landeschef Alexander Melinz bereits Konzerne bzw. Landes-Koalition (verbal) in die Mangel genommen. Es sind etwas mehr Teilnehmer und Gruppierungen, als die SPÖ am 1. Mai anzulocken vermag.

Was das für den 28. Juni, Wahltag, bedeuten kann, analysiert Werner Murgg, langjähriger KPÖ-Landtagsabgeordneter, freihaus. „Die KPÖ wird vorne sein, die SPÖ einschauen und dann nicht mehr mitarbeiten wollen.“ Sollte die FPÖ die ÖPV überholen, ist fraglich, wie eine Rathauskoalition zustande kommen soll. „Der Stadrat ist drinnen“, sieht Lercher hingegen die SPÖ im Aufwind.

Clip von der Kundgebung der KPÖ