Die ersten Wochen des Jahres 2026 hätten gezeigt, dass die Konjunktur „wieder Fahrt aufnimmt“, sagt Martin Schaller. Der Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank reicht umgehend das große „Aber“ nach. Seit Ende Februar, dem Beginn der „furchtbaren Auseinandersetzungen im Nahen Osten“, sei die Lage jedoch „leider wieder eine andere“. Die steigenden Energiepreise und die damit einhergehenden Effekte auf die Inflation und das Wachstum hinterlassen Spuren. In diesem Umfeld Prognosen zu tätigen, sei schwierig, so Schaller. Klar sei aber: „Wir brauchen einen langen Atem.“ Das zeige sich auch bei der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die er in einem Dilemma verortet. Einerseits müsse sie auf die anziehende Teuerung reagieren, andererseits tue jede einzelne Zinserhöhung der Wirtschaft und der Industrie weh. Er gehe mittlerweile von drei Zinserhöhungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten in diesem Jahr aus, „aber auch hier gilt, dass über Nacht wieder alles anders sein kann“. Auch wenn sich die Wirtschaftsaussichten wieder eingetrübt haben und die Dynamik abflache, bleibe man optimistisch. „2026 wird nicht einfach für die Wirtschaft, es bleibt anspruchsvoll, aber wir konzentrieren uns darauf, was uns nach vorne bringt.“
„Solide und nachhaltig gewachsen“
Für die vielen Unwägbarkeiten und geopolitischen Verwerfungen sieht sich Raiffeisen in der Steiermark „gut gerüstet“, wie Schaller und seine Vorstandskollegen Rainer Stelzer, Ariane Pfleger und Florian Stryeck im Zuge der Bilanzpräsentation unterstreichen. Man sei „solide und nachhaltig gewachsen“, so der Tenor mit Blick auf die Jahreszahlen. Die Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark (Raiffeisen Landesbank plus 39 steirische Raiffeisen Banken) kratzte 2025 mit 39,2 Milliarden Euro Bilanzsumme (2024: 38 Milliarden) an der Marke von 40 Milliarden, die man heuer wohl durchbrechen werde.
Das Betriebsergebnis erreichte 574 Millionen Euro, nach 595 Millionen im Jahr davor. Hauptgrund für den leichten Rückgang war aufgrund der Zinssenkungen im Vorjahr die geringere Zinsmarge. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag mit 443 Millionen Euro ebenfalls knapp unter dem Wert von 2024 mit 466 Millionen. Die Ergebnisse seien „sehr zufriedenstellend“, so Schaller. Die Eigenmittelquote von 25,9 Prozent liege „zweieinhalbmal so hoch wie gesetzlich vorgeschrieben“.
Die RLB, die nach den internationalen Bilanzierungsstandards IFRS bilanzieren muss, steigerte ihr Gesamtergebnis kräftig: von 92 auf 353 Millionen Euro im Jahresvergleich. Hauptgrund war das Beteiligungsergebnis durch die starke Börsen- und Bilanz-Performance der Raiffeisen Bank International (RBI), das hier einfließt.
Mehr Wohnbau- und Firmenkredite
Zuwächse gab es laut Stelzer auch im Kundengeschäft, und die fielen teilweise sehr deutlich aus. Die Einlagen kletterten von 29,5 auf 31 Milliarden Euro, die Finanzierungen von 24,5 auf 25,1 Milliarden. „Damit sind die gemanagten Kundengelder 2025 weiter auf 56,1 Milliarden Euro gestiegen.“ Die Finanzierungen im klassischen Firmenkundenbereich seien um 19 Prozent gestiegen, Haupttreiber seien Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Pharma und Tourismus gewesen. Sehr verhalten habe sich indes das Neugeschäft bei Projektfinanzierungen im Immobilienbereich entwickelt.
Im Privatbereich sticht das Plus von 28 Prozent bei Wohnbaufinanzierungen hervor, nach den Einbrüchen in den Jahren davor freilich von einem niedrigen Niveau ausgehend. „Nach einer Phase der Zurückhaltung sehen wir wieder mehr Bewegung bei Finanzierungen. Besonders im Wohnbau und bei Firmenkunden gab es 2025 deutliche Impulse“, so Stelzer. Wie geht’s weiter? „Wir erwarten zwar eine Fortsetzung des positiven Trends im Kundengeschäft, allerdings mit geringerer Dynamik.“ Zum ersten Mal hat die RLB Steiermark unlängst einen Standort außerhalb Österreichs eröffnet. In München werde man jene steirischen Kundinnen und Kunden betreuen, die in Bayern präsent sind oder dorthin expandieren, „Bayern ist die wichtigste und größte Exportdestination für die steirische Wirtschaft“. Auch der „Außenposten“ in Wien wurde vor Kurzem – an einem neuen Standort – erweitert.
„Trotz des volatilen Umfelds sehr stabil“
Risikovorstand Stryeck beschreibt die Risikosituation trotz des volatilen Umfelds als „sehr stabil“. So ging die Quote an notleidenden Krediten (NPL-Quote) in der Bankengruppe „erfreulicherweise leicht von 3,96 auf 3,87 Prozent zurück“. Stryeck: „Bei Privatkundinnen und -kunden liegen 98 Prozent der Kredite in sehr guten, guten oder ausreichenden Bonitäten. Bei Firmenkunden sind es 96 Prozent. Auch im Bereich Projektfinanzierung und institutionelle Kunden liegen 94 Prozent in diesen Bonitätsklassen.
Ariane Pfleger verweist darauf, dass auch Raiffeisen Steiermark selbst weiterhin kräftig investiert. Zuletzt seien 182 Millionen Euro in die Infrastruktur für die regionale Präsenz geflossen. In Summe betreibt Raiffeisen in der Steiermark 249 Bankstellen (davon 69 mit Selbstbedienung) mit 1500 Beraterinnen und Beratern. Knapp 753.299 Privatkunden und 71.062 Unternehmen werden betreut. Pfleger zitiert auch aus dem neuesten Wertschöpfungsbericht, den das Economica Institut für die RLB erstellt hat: Demnach liege die gesamte Wertschöpfung der Raiffeisen Bankengruppe in der Steiermark bei 1,015 Milliarden Euro.
Bankenabgabe? „Am Ende des Tages wird sich das auswirken“
Unzufrieden zeigt sich Schaller naturgemäß mit der seitens der Bundesregierung geplanten Verlängerung der erhöhten Bankenabgabe um weitere drei Jahre. Die RLB habe im Vorjahr unter diesem Titel rund elf Millionen Euro abgeführt. Für die gesamte Bankenbranche gesprochen, meint Schaller: „Am Ende des Tages wird sich das auswirken.“ Perspektivisch könne das etwa bedeuten, dass sich die Kreditkonditionen verteuern.