Wenn Emanuel Peinhaupt Gäste durch seine frisch renovierte Wohnung führt und im Schlafzimmer den Erker präsentiert, wird jeder Altbauliebhaber neidisch. Dort kann der Hausherr auf einer eigens dafür zugeschnittenen Liegefläche Platz nehmen und aus den großen Fenstern schauen. Es bietet sich ein Blick auf das belebte Treiben unten auf der Straße und auf den Grazer Schloßberg, der von der Ferne zu grüßen scheint. Der perfekte Platz, um einen anstrengenden Tag ausklingen zu lassen.

Der umgestaltete Erker ist aber nicht der einzige Höhepunkt der rund 220 m2 großen Altbauwohnung. Auch der Rest des lichtdurchfluteten Schlafzimmers begeistert: Mit 45 m2 hat es die Größe einer kleinen Stadtwohnung. Das frei stehende, 2,20 Meter breite Bett wirkt darin schon fast wieder schmal. In den Flügeltüren, die in den Raum führen, sind noch immer die fein verzierten originalen Glasscheiben eingesetzt – 122 Jahre alt.


Im Wohnzimmer nimmt man auf einer riesigen Couchlandschaft Platz. Der Blick fällt unweigerlich in die offene Küche: „Hier haben wir die Wand durchgebrochen. Die große Flügeltür, die in die Küche geführt hat, haben wir dann beim Badezimmer wieder eingebaut“, erzählt Peinhaupt, der selbst in der Immobilienbranche tätig ist. Eine Altbauwohnung war schon seit Jahren sein Traum: „Aber für mich war klar: wenn Altbau, dann ohne Kompromisse.“

Diesen Vorsatz hat Peinhaupt bei der Renovierung definitiv umgesetzt, um die dunkle, in die Jahre gekommene Wohnung zu einem hellen Paradebeispiel für gelungene Neugestaltung zu machen. Aber der Weg dahin war im wahrsten Sinne des Wortes steinig: 45 Tonnen Schutt wurden während der Bauarbeiten aus der Wohnung getragen. „Zwischenzeitlich hatte man schon das Gefühl, dass man hier nie mit dem Renovieren fertig werden wird“, erzählt Peinhaupt. Der Schutt war nicht das Einzige, was sich den Weg durch das Stiegenhaus bahnen musste. 300 Kilogramm schwere Steinplatten sollten ihren Weg in die Wohnung finden.


Zwischen all den neuen Möbeln und Elektrogeräten finden sich aber auch Boten der Vergangenheit. Auf diese möchte der Hausherr keinesfalls verzichten: „Den Parkettboden habe ich an manchen Stellen bewusst unberührt gelassen. Dort sieht man zum Beispiel schwarze Verfärbungen, die sich durch Kohle, die früher aus den Öfen gefallen ist, in den Boden eingebrannt haben. Mir gefällt es, mich daran zu erinnern, dass hier schon vor 100 Jahren Menschen ein Zuhause gehabt haben“, so der Besitzer. „Die Vergangenheit dieser Wohnung darf nie ganz verschwinden.“

Als moderner Gegensatz stechen vor allem die in der Wohnung verteilten Kunstwerke ins Auge. Dort lassen sich Bilder von Künstlern wie Tom Lohner und KAWS entdecken. Das große Gemälde im Esszimmer wird aber bald seinen Platz wechseln: „Es kommt nach Wien ins Museumsquartier.“ Nach einem neuen Stück wird schon gesucht. Groß genug muss es allemal sein. Denn bei 3,4 Meter Raumhöhe gilt es, die weißen Wände gut zu bespielen, um Farbe ins Spiel zu bringen.

Für Emanuel Peinhaupt ist sein neues Domizil definitiv ein Ort „zum Bleiben und zum Leben genießen“. Und langweilig wird ihm hier sicher nicht so schnell: Die 20 Quadratmeter große Terrasse braucht noch ein wenig Auffrischung: „Dann kann ich im Sommer endlich auch den schönen Innenhof ausnutzen.“

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