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Kriselnder KristallkonzernHelmut Swarovski kehrt Konzern-Führung den Rücken

Rückzug nach 50 Jahren. Helmut Swarovski zeigte sich mit jüngsten Management-Entscheidungen nicht einverstanden. Christoph Swarovski wird Nachfolger.

© (c) Swarovski (Swarovski)
 

In der Führungsriege des Kristallkonzerns Swarovski mit Sitz in Wattens in Tirol kommt es zu personellen Veränderungen: Helmut Swarovski, Urenkel von Firmengründer Daniel Swarovski, wird sich nach 50 Jahren aus der Konzernführung zurückziehen. Er ist eines jener Familienmitglieder, die sich mit den jüngsten Entscheidungen von Swarovski-CEO Robert Buchbauer nicht einverstanden zeigen. Sein Nachfolger wird Tyrolit-Chef Christoph Swarovski, wurde am Dienstag mitgeteilt.

Helmut Swarovski hatte zuletzt die Funktionen als Vorsitzender des Familienbeirates, Geschäftsführer der Konzern-Holding in Österreich und als Verwaltungsrat der Swarovski International Holding ausgeübt. Von 1995 bis 2011 war er Vorsitzender der Geschäftsführung.

Gegen die Redimensionierung von Wattens positioniert

Bei seinem Abschied legte er noch einmal seine Position zur Schaffung einer neuen Konzernstruktur und zum Personalabbau - im Besonderen am Standort Wattens - dar. Er zeigte sich davon überzeugt, "dass statt Kosteneinsparungen vielmehr eine neue Geschäftsausrichtung und ein Innovationsschub zu einem Wiedererstarken von Wattens führen könnte" und sprach sich "klar gegen die durch die neue Strategie forcierte Redimensionierung von Wattens" aus. Er sah in den Mitarbeitern von Wattens "den besonderen Erfolgsanteil in der Firmenentwicklung".

Auch Christoph Swarovski, der nun in den Beirat nachfolgen wird, legte ein Bekenntnis zum "Industriestandort Tirol" ab. Er werde weiterhin seine Funktionen als Präsident der Industriellenvereinigung Tirol sowie weitere Mandate - wie etwa als Aufsichtsrat der OMV - wahrnehmen. "Trotz der aktuell schwierigen Situation freue ich mich, wenn ich einen Beitrag für die Weiterentwicklung von Swarovski leisten kann", meinte er.

Massiver Stellenabbau

Swarovski befindet sich wegen eines massiven Stellenabbaus seit Monaten in den Negativschlagzeilen. Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4600 Stellen weitere 1000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern.

Zudem zeigte sich eine Familiengruppe - zu denen unter anderen Gerhard, Paul, Helmut und Nadja Swarovski zählen - nicht einverstanden mit den Plänen von Buchbauer, die Konzernstruktur zu verändern. Laut dem Konzernchef soll eine Familienholding mit Sitz in Wattens geschaffen werden. Mit Eintritt der Swarovski International Holding (SIH) mit Sitz in der Schweiz in die Daniel Swarovski Kommanditgesellschaft könnten alle notwendigen Strukturreformen rasch, zielgerichtet und solide erfolgen. Gleichzeitig würden die Eigentumsrechte aller Gesellschafter erhalten bleiben. Die SIH werde nämlich zur Gänze von der Familienholding (SAH) gehalten. Die familieninternen Gegner orteten durch die neue Struktur hingegen eine Abwanderung der gesamten Entscheidungsmacht in die Schweiz. Bei einer Gesellschafterversammlung stimmten 80 Prozent für den Vorschlag Buchbauers, rund 20 Prozent waren dagegen. Buchbauer sah den Beschluss als rechtswirksam, wobei die sogenannten Oppositionellen rechtlich dagegen vorgehen.

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