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Geplante Fusion mit AlstomBombardier: Wiener Belegschaft macht sich keine Sorgen

Das Bombardier-Zuggeschäft soll an den französischen TGV-Hersteller Alstom gehen. Die Übernahme betrifft auch rund 700 Mitarbeiter in Wien.

THEMENBILD: BOMBARDIER TRANSPORTATION AUSTRIA GMBH
THEMENBILD: BOMBARDIER TRANSPORTATION AUSTRIA GMBH © (c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
 

Am Wiener Standort von Bombardier lautet die Devise vorerst abwarten. "Es gibt vielleicht eine gewisse Verunsicherung, aber keine Besorgnis", sagte Betriebsrat Michael Richter am Dienstag zur APA.

Der Standort Wien sei sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion von Straßenbahnen und U-Bahnen gut aufgestellt, deshalb seien allzu große Sorgen nicht angebracht, sagte Richter. Das habe er seinen Kolleginnen und Kollegen auch intern in einem Schreiben kommuniziert.

Richter sprach sogar von einer "Aufbruchsstimmung": Aufgrund der Unternehmenskrise sei die Struktur bei Bombardier immer verworrener geworden, die Übernahme könnte sozusagen eine Art Licht am Ende des Tunnels sein, so Richter. Der kanadische Konzern steht wegen hoher Schulden de facto vor der Zerschlagung. Um zu Geld zu kommen, stieg Bombardier vergangene Woche bereits bei dem gemeinsam mit Airbus gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220 aus.

Wie sich der Verkauf der Bahnsparte, sollte er von der EU genehmigt werden, konkret auf das Werk in Wien auswirkt, sei zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht abzuschätzen. Dies hänge auch von Überschneidungen bei Bombardier und Alstom sowie möglichen Auflagen der EU-Wettbewerbshüter ab, meinte Richter. Er rechnet, dass der Zusammenschluss mehr als ein Jahr dauern wird. Das heißt, vorerst geht die Arbeit in Wien weiter wie bisher.

Stichwort - Von Lohner zu Bombardier

Der kanadische Konzern Bombardier hat in Österreich dank der Gründung des "Laurenzi & Lohner" Maschinenbaus 1823 in Wien-Alsergrund quasi eine knapp 200-jährige Geschichte. Konkret kaufte Bombardier 1970 die Lohnerwerke, deren eigener Ursprung noch im 19. Jahrhundert lag. Hier ein paar Meilensteine:

1823: Der Wagenbauer "Laurenzi & Lohner" wird gegründet.

1863: Die industrielle Produktion von Pferdekutschen startet.

1878: Werk in Wien-Floridsdorf wird fertiggestellt. Areal wird bis 2007 genutzt.

1900 - 1906: Hybrid-Autos werden gebaut. Designer war Ferdinand Porsche in jungen Jahren.

1910 bis 1919: Flugzeugbau zum Teil speziell für österreich-ungarische Armee.

1910: Start der Tramway-Produktion vor allem für Wien, Graz und Linz.

1949: Start der Produktion des Lohner-Rollers mit Rotax-Motoren. Bis 1963 werden 64.000 Stück erzeugt.

1959: Kauf der Rotax-Fabrik in Gunskirchen bei Wels im Hausruckviertel in Oberösterreich.

1970: Bombardier kauft Lohnerwerke. Das bedeutet den Start für die Bombardier Transportation-Sparte. Das bekannte Bombardier/Rotax-Logo entsteht.

1990: Die Niederflurwagen für die U6, die ja eigentlich eine Stadtbahn und keine U-Bahn ist, bedeutet die Entwicklung des ersten Niederflur-Zuges der Welt.

2008: Eröffnung des neuen Fabriksgeländes in Wien-Donaustadt.

2020: Das Bombardier-Bahngeschäft soll an den französischen TGV-Hersteller Alstom verkauft werden.

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