Laute Musik und tiefe Bässe dröhnen aus den Boxen des größten Veranstaltungsareals Skandinaviens im dänischen Herning. Tausende Skills-Fans schwenken in kollektiver Euphorie ihre Flaggen und verwandeln die Arena in ein buntes Fahnenmeer. Sie jubeln, klatschen, pfeifen – und der österreichische Fansektor setzt sich einmal mehr durch: „Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich.“
Da richten sich auch schon Scheinwerfer auf die jungen Fachkräfte. Sie ziehen nach und nach in ihrer traditionellen Tracht und mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen in die Arena ein. Den Anfang machen wieder die 44 Österreicherinnen und Österreicher – damit ist die Schlusszeremonie der neunten Euro Skills 2025 in Dänemark offiziell eröffnet.
Medaillenregen für Österreich
Hinter den Teilnehmenden liegen drei emotionale Wettkampftage – geprägt von Ehrgeiz, Präzision und einer Menge Adrenalin. Dafür wurde das Team Austria sensationell belohnt: mit insgesamt zwölf Medaillen – sechs Mal Gold, drei Mal Silber und drei Mal Bronze.
Dazu kommen 17 Medallions for Excellence, die für herausragende Leistungen nach dem Podium vergeben werden. Der oberösterreichische Kälte- und Klimatechniker Jonas Danninger ist „Best of Nation“. Damit zählt das Team Austria wieder zu den erfolgreichsten Nationen.
Erste Kfz-Europameisterin
Die Steiermark jubelt neben sechs Medaillons of Excellence über eine goldene und eine bronzene Medaille. Gold holte die Kfz-Technikerin Leonie Tieber aus Paldau – und sie schreibt damit Geschichte: Sie ist die erste weibliche Europameisterin in ihrem Beruf. Sie ist auch die erste Frau, die für Österreich in dieser Disziplin an den Start ging. Sie trat als einzige Frau im Kfz-Bewerb an und setzte sich gegen 17 Kontrahenten durch – bei motormechanischen Arbeiten, Komfort-Elektrik, dem Einstellen der Spur oder bei der Fehlersuche.
Ihr großes Ziel war eine Medaillon of Excellence. „Wenn ich Gold hole, gibt es in Paldau wahrscheinlich ein Zeltfest“, sagte sie einmal beiläufig – und jetzt? „Das war eigentlich als Spaß gemeint, aber wir werden daheim sicher feiern“, lacht Tieber.
Gold abgeschleppt
Nach dem emotionalen Bewerbsfinale an Tag 3 war Tieber, die als „Gelber Engel“ bei Öamtc in Graz arbeitet, sichtlich enttäuscht. Bei der letzten Station sei etwas schiefgegangen, urteilte sie selbstkritisch. Ihren Sieg kann sie wenige Minuten nach der Verkündigung also kaum glauben: „Es ist unglaublich, ich habe das noch gar nicht realisiert.“
Malt Erfolgsgeschichte weiter
Die steirische Erfolgsgeschichte malt Katharina Höller aus Pinggau mit ihrer bronzenen Medaille weiter. „Ich hätte nicht damit gerechnet. Ich bin stolz auf mich – und ich hoffe, mein Trainer Christoph Pessl auch“, sagt Höller freudestrahlend.
Die Anforderungen waren hoch: In einer Aufgabe pinselte sie die Buchstaben H - E - R - N - I - N -G in einem satten blau-violett untereinander auf eine Mauer. Schaute man ihr dabei zu, konnte man in ihrem Blick pure Konzentration erkennen. Immer wieder hockte sie sich hin und neigte ihren Kopf, um die Form der Letter mit feinsten Pinselstrichen zu perfektionieren.
Zur Unterstützung reisten Familie, Freunde und ihr Arbeitgeber Erwin Peinthor vom gleichnamigen Malermeisterbetrieb in Friedberg an: „Ich bin stolz und habe ein Kribbeln im Bauch“, freut er sich mit. Und in weiser Voraussicht erzählte Mama Doris Höller schon am Finaltag: „Sie will auf jeden Fall auf das Stockerl.“
Leidenschaft stärker als Druck
Voller Stolz sind Skills-Austria-Geschäftsführer Jürgen Kraft und Skills-Austria-Präsident Josef Herk: „Wer an diesem Tag in Herning dabei war, hat gespürt, was Team Austria ausmacht: Herzblut, Mut und der unbedingte Wille, alles zu geben. Ich verneige mich vor euch, weil ihr mehr seid als Gewinner: Ihr seid ein Vorbild für ein ganzes Land. Ihr habt Geschichte geschrieben.“
Was Herk betont: Es geht nicht nur um Medaillen. Die Skills sollen zeigen, dass Leidenschaft stärker ist als Druck und dass Können keine Grenzen kennt.
Diese Steirer und Kärntner kämpften in Dänemark um Edelmetall:
Auf Einladung der WKO Steiermark