Metaller-KVRaue Töne nach neuerlichem Abbruch der Verhandlungen

Auch die dritte Verhandlungsrunde wurde abgebrochen. Gewerkschaft spricht von einem "beschämenden Angebot". Ab nächster Woche sollen in Betriebsversammlungen Beschlüsse für Warnstreiks gefasst werden. Arbeitgeber kritisieren "Säbelrasseln und Propaganda".

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METALLER KV-VERHANDLUNGEN:
Ab 27. Oktober wird die Arbeit in den Betrieben für Betriebsversammlungen unterbrochen und Beschlüsse für Warnstreiks getroffen © (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
 

Auch dritte Runde der Kollektivvertragsverhandlungen der Metalltechnischen Industrie (FMTI) wurde - nach sechs Stunden - ergebnislos unterbrochen. Die Arbeitnehmer hatten zuletzt ein Plus für Löhne und Gehälter von 4,5 Prozent gefordert, das Angebot der Arbeitgeber lag nach eigenen Angaben "im Paket" bei 2,3 Prozent.

"Beschämendes Angebot"

Im Anschluss an die Verhandlungen zeigte sich einmal mehr, wie tief die Gräben heuer sind. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA zeigten sich, wie schon nach der zweiten Runde, erzürnt über das Angebot der Arbeitgeber. "Das ist keine Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe. Das beschämende Angebot für Lohn- und Gehaltserhöhungen ist eine Verhöhnung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und angesichts ihrer Leistungen unter aller Kritik", wettern die beiden Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA) in einer Aussendung.

"Kein Verständnis"

Die Vertreter des FMTI kontern und attestieren der Gewerkschaft, "kein Interesse an einem Abschluss zu haben". Man habe kein Verständnis für den abermals "einseitigen und vorzeitigen" Abbruch der Verhandlungen. Auch bei der Höhe des Arbeitgeber-Angebots herrscht Dissens. Die Gewerkschaft spricht von 2,1 Prozent, der FMTI von einem "Paket" von 2,3 Prozent (Erhöhung der Löhne und Gehälter, Zulagen sowie Lehrlingsentschädigungen um 2,1 Prozent, was über der zugrundeliegenden Inflation liege, sowie eine Steigerung der Zulagen für die zweite Schicht um 44 Prozent). "Das ergibt zusammen ein Paket von knapp 2,3 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaften hatten aber kein Interesse an echten, tiefergehenden Verhandlungen", so die Kritik.

"Ein Arbeitskampf steht bevor"

Die lässt die Gewerkschaft freilich nicht auf sich sitzen. "Wir werden nun die Schlagzahl erhöhen und gemeinsam mit den BetriebsrätInnen der gesamten Metallindustrie die Beschäftigten direkt in den Betrieben informieren. Ab 27. Oktober wird daher die Arbeit in den Betrieben für Betriebsversammlungen unterbrochen und Beschlüsse für Warnstreiks getroffen. Ein Arbeitskampf steht bevor."

Die angebotene Erhöhung sei "meilenweit von den wirtschaftlichen Erfolgen der Metallindustrie entfernt, während die Beschäftigten durch die hohe Arbeitsbelastung und die massiv gestiegene Inflation zunehmend unter Druck stehen". Zudem, so der Vorwurf der Gewerkschaften, "werden nach wie vor alle anderen berechtigten Forderungen der Gewerkschaften komplett abgelehnt". Die Beschäftigten seien "jedenfalls zornig und kampfbereit", so Wimmer und Dürtscher. 

Trotz Hochkonjunktur, vollen Auftragsbüchern und Gewinnen, würden die FMTI-Verhandler sogar "eine ganze Latte an Verschlechterungen für die Beschäftigten" fprdern. "Eine derartige Unverschämtheit muss selbst bei Unternehmern und Managern der Branche ein ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen."

"Säbelrasseln und Propaganda"

Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), zeigt sich ebenfalls verärgert: „Es ist tatsächlich schade um die Zeit, wenn die Gewerkschaften bereits im Vorfeld der Gespräche Betriebsversammlungen und Betriebsrätekonferenzen organisieren. Nun werden sogar Warnstreiks angekündigt, auch in Branchen, für die wir gar nicht verhandeln. Es geht heuer offenbar nicht um vernünftige Ergebnisse, sondern Säbelrasseln und Propaganda. So können wir gleich auf die ersten Verhandlungsrunden verzichten, das ist schade und verantwortungslos.“

Aus Knills Sicht würden die Gewerkschaften "einäugig argumentieren".  Nach dem größten Einbruch der letzten Jahrzehnte verzeichne man "zwar ein gutes Wachstum und gefüllte Auftragsbücher, aber das Produktionskonto ist immer noch im Minus". Dazu würden internationale Liefer- und Logistikprobleme sowie explodierende Rohstoffpreise die Erholung belasten. "Gerade deshalb wäre ein rascher und machbarer Abschluss sinnvoll, der Sicherheit für die Betriebe und Beschäftigten bringen würde. Jetzt in der anschwellenden Corona-Welle aus rein politischen Motiven österreichweit Betriebsversammlungen durchzuführen, ist zwar gutes Recht, aber mehr als fragwürdig", so Knill. 

Kommentare (16)
Helmut67
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Facharbeitermangel

Wird immer gejammert von der Wirtschaft. Ordenlich bezahlen wollen sie auch nicht???In Zukunft muss der Chef in die Halle arbeiten gehen. Bei uns fehlen auch schon die Mitarbeiter. Und die 4400 brutto was der Herr Knill sagt sind scheinbar Fake News auf gut Deutsch.

jaenner61
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das ist doch jedes jahr das selbe theater

beide seiten setzen sich mit unrealistischen forderungen/angeboten an den verhandlungstisch. es wird (nach drehbuch) gestritten und gedroht usw, und am ende feiern sich beide als große sieger, da sie eine für alle akzeptable erhöhung durchgesetzt haben. 🥱 gähn, es ist wirklich schon fad dieses theater. einfach einen fixen schlüssel abhängig von der inflation anwenden, und sich bzw uns allen dieses alljährliche kasperltheater ersparen!

Zagott
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Zukunft

Der Vorschlag einer an die Inflation angepasste Erhöhung der Gehälter wäre für eine „Planungssicherheit“ für viele Betriebe optimal. Besonders bei Unternehmen mit hohem Personalaufwand bei der Produktion/Tätigkeit könnte man einen wesentlichen Kalkulationsfaktor schaffen, der für einen Betrieb wesentlich ist!

autobahn1
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An Zagott

Dieser Vorschlag bedeutet auf der Stelle zu treten,ich habe die Überzeugung hier spricht ein Blinder von Farbe,Metaller hart bleiben ist die Devise

wiwo64
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@jänner

und noch dazu viele hochbezahlte Arbeitsstunden der VerhandlerInnen einzusparen!

griesbocha
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Danke, ich wollte genau dasselbe schreiben.

Reines Showprogramm.

Ragnar Lodbrok
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Lt Knill verdient ein Angestellter 4.200

und ein Arbeiter 2.900 Euro. Also eh alles locker.... Hr Knill hat sein Vermögen zum Großteil selbst nur geerbt und nix dafür getan. Und so einer verhandelt die Löhne und Gehälter?

pippo1988
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der Knill hat keine Ahnung

der soll mal aktuell mit € 2.000,- im Monat über die Runden kommen mit Haus, Auto und 2 Kindern, bei der aktuellen Inflation.
Der ist doch viel zu weit weg von der Realität!!!

Pelikan22
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Haus, Auto und zwei Kinder?

Wie haben das denn die jetzigen Pensionisten geschafft? Wir haben nebenbei noch die Kinder großgezogen und ihre Ausbildung finanziert. Auf ein eigenes Haus warten wir schon lange. Gleiche Erhöhung auch für Pensionisten, die wie immer mit einem Bettel abgespeist werden! Nur die große Klappe, sonst nichts!

pippo1988
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kann mich.....

nicht erinnern irgendetwas GEGEN unsere Pensionisten erwähnt zu haben....

hansi01
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Der große Gewinner der Pandemie war die Industrie

Und möchte jetzt noch reicher werden. Herr Knill und Konsorten, sind unzählige Immobilien, Jachten, und sonstiges alles zuwenig. Betrachten Sie bitte den Arbeitnehmer als Menschen und nicht als Knecht den man ausbeuten kann.

pippo1988
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korrekt

wenn man dann auch noch bedenkt, dass viele auf Kurzarbeit waren d.h. weniger Personalkosten PLUS Unterstützungen eingestrichen vom Bund und jetzt glaubens, dass die tolle Bilanz natürlich gehalten werden kann.
Augenauswischerei

schteirischprovessa
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Das waren noch Zeiten, als wir noch eine verantwortungsvolle Sozialpartnerschaft hatten.

Damals wurde verhandelt, bis es ein tragbares Ergebnis gegeben hat, Streiks hat es nie gegeben.
Das, was die Arbeitgeber bieten, liegt genau so weit neben der Sinnhaftigkeit wie das, was die Gewerkschaft fordert.
Das Einzige, das die Sozialpartner einigt, ist der Erhalt des Systems, das ihnen ein angenehmes Leben in ihren Glaspalästen sichert.

fon2024
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Andaman

Schteir .Der Kreisky hätte gesagt Lernens Geschichte.

crawler
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Naja,

wenn man den Forderungen die Forderungen der Bürgermeister stellt? Vielleicht ein etwas hinkender Vergleich, aber dort wo der Steuerzahler Gehaltsforderungen bezahlt, sieht die Sache ganz anders aus. Vielleicht sollten Politiker auch einmal mit 4% Erhöhung leben.

AlbertP
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Ich hab zwar keine Ahnung was die

Bürgermeister fordern, aber viel Freizeit hast als Bürgermeister halt auch nicht. Muss bei jedem Sauaustreiben dabei sein.