KV-Verhandlungen abgebrochen"Bodenlose Frechheit": Metaller-Gewerkschaft "enttäuscht und wütend"

Gewerkschaften fordern Lohnplus von 4,5 Prozent, Arbeitgeber bieten maximal 2,2 Prozent, dazu "alternativ" Verbesserungen bei der Schichtarbeit. Für Arbeitgeber ist Vorgangsweise der Gewerkschaft "absolut unverständlich und unverantwortlich".

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START DER METALLER KV-VERHANDLUNGEN:
START DER METALLER KV-VERHANDLUNGEN: © (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
 

Die zweite Verhandlungsrunde der Gewerkschaften PRO-GE und GPA mit den Arbeitgebern, vertreten vom Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI), für den Kollektivvertrag der Metallindustrie wurde am Montag nach vier Stunden ohne Ergebnis unterbrochen. Die Arbeitnehmervertreter zeigten sich nach der insgesamt vier Stunden dauernden Verhandlung "enttäuscht und wütend über die Verzögerungstaktik" der Arbeitgeber und deren "provokant niedriges Angebot für Lohn- und Gehaltserhöhungen". Mehr als 134.000 Mitarbeiter sind in der Metalltechnischen Industrie beschäftigt, die KV-Verhandlungen und die dabei erzielten Lohnzuwächse haben traditionell Signalwirkung für weitere Branchen.

Die Arbeitgeber sprechen von einem "einseitigen Abbruch der Gewerkschaften". Die Arbeitgeberseite habe "auf Basis der wirtschaftlichen Realitäten erste Angebote in Varianten" als Verhandlungsgrundlage vorgelegt, darunter unter anderem eine Erhöhung der Löhne und Gehälter zwischen 1,9 und 2,2 Prozent sowie "alternativ zusätzliche Verbesserungen bei der Schichtarbeit". Die Arbeitnehmer-Vertreter fordern 4,5 Prozent mehr Lohn bzw. Gehalt. Klar sei aber auch, erklären die Arbeitgeber, dass "erste Angebote immer eine Grundlage für weitere Diskussionen" sind. "Offensichtlich sei am Montag seitens der Gewerkschaften, entgegen der Ankündigungen, keine Verhandlungsbereitschaft gegeben."

"Mitten in der vierten Corona-Welle"

Christian Knill, Obmann und Sprecher des Fachverbands Metalltechnische Industrie: "Die Vorgangsweise der Gewerkschaften ist absolut unverständlich und unverantwortlich. Wir sind mitten in der vierten Corona-Welle und haben noch nicht einmal eine der schwersten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte überwunden."

APA/HERBERT PFARRHOFER Christian Knill, Obmann des Arbeitgeberverbandes (Fachverband Metalltechnische Industrie)
Christian Knill, Obmann des Arbeitgeberverbandes (Fachverband Metalltechnische Industrie) © APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Gewerkschaft beklagt hingegen, dass seitens der Arbeitgeber  "massive Arbeitszeitverschlechterungen" gefordert wurden. Demnach solle unter anderem Sonntagsarbeit in Zukunft das ganze Jahr über möglich sein, die 60-Stunden-Woche solle zum Regelfall werden. "Damit wären Überstundenzuschläge de facto abgeschafft", heißt es in der Aussendung der Gewerkschaft.

"Forderungen bodenlose Frechheit"

„Die Gegenforderungen sind eine bodenlose Frechheit. Damit sollen die Beschäftigten Tag und Nacht ausgepresst werden. Das Angebot für Lohn- und Gehaltserhöhungen ist angesichts der rasanten Konjunkturerholung, der hohen Inflation und der steigenden Produktivität eine Respektlosigkeit“, erklärten die beiden sichtlich verärgerten Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA). 

Knill entgegnet:Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Gewerkschaften kein Interesse an konstruktiven Gesprächen haben, das ist eine vertane Chance." Offensichtlich gehe es vor allem darum, sagt Knill, politisch zu mobilisieren, Medienaufmerksamkeit zu erreichen und Mitglieder zu akquirieren. "Wir nehmen das zur Kenntnis und stehen für den nächsten Verhandlungstermin am 21. Oktober bereit.“

Die Gewerkschaften kündigten bereits an, zwischen 15. und 20. Oktober alle Betriebsrätinnen und Betriebsräte der gesamten Metallindustrie österreichweit zu informieren und die weitere Vorgangsweise zu beraten und zu beschließen. Normalerweise lädt die Gewerkschaft die Betriebsrätinnen und Betriebsräte erst zu einer Versammlung ein, wenn die dritte oder vierte KV-Runde keine Einigung gebracht hat. Diesmal wollen die Gewerkschaftsvertreter offenbar schon früher den Druck erhöhen. Sollte es beim nächsten Verhandlungstermin am 21. Oktober keine Einigung geben, werden gemeinsam die nächsten Maßnahmen gesetzt. „Wir fordern die Arbeitgeber auf, ein faires Angebot zu legen, das den hervorragenden wirtschaftlichen Gegebenheiten entspricht, ansonsten drohen Kampfmaßnahmen“, sagen Wimmer und Dürtscher.  

Gewerkschaften bleiben bei Forderung von 4,5 Prozent

Die Gewerkschaften bleiben bei ihrer Forderung nach 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Wenn notwendig, werde man nach der nächsten Runde auch direkt in den Betrieben die Beschäftigten informieren und notwendige Beschlüsse für Kampfmaßnahmen herbeiführen. „Die Unterstützung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Forderungen ist hoch. Genauso hoch ist die Kampfbereitschaft“, erklären Wimmer und Dürtscher in einer Aussendung.

Die BetriebsrätInnen-Konferenzen nach Bundesländern im Überblick

Burgenland: 15. Oktober, Dörfl

Kärnten: 20. Oktober, Klagenfurt

Niederösterreich und Wien: 19. Oktober, Vösendorf

Oberösterreich: 20. Oktober, Leonding

Salzburg: 18. Oktober, Salzburg

Steiermark: 18. Oktober, Graz

Tirol: 19. Oktober, Innsbruck

Vorarlberg: 18. Oktober, Hohenems 

Die Forderungsschwerpunkte der Gewerkschaften bei den Kollektivvertragsverhandlungen 2021 sind die Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent und eine Anhebung der Zulagen für die 2. und 3. Schicht bzw. für die Nachtarbeit. Diese sollen künftig verdreifacht (auf 1,50 Euro pro Stunde) bzw. verdoppelt (auf fünf Euro pro Stunde) werden. Weiters fordern die Arbeitnehmervertreter einen selbstbestimmten Verbrauch von Gleitzeitguthaben in ganzen Tagen und eine Erhöhung der Lehrlingseinkommen auf 1000 Euro (1. Lehrjahr), 1300 Euro (2.), 1600 Euro (3.) und 2000 Euro (4. Lehrjahr).

Kommentare (49)
hortig
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Gewerkschaftsbonzen

Während die Politikergehälter öffentlich sind, sind die der Gewerkschaftsbonzen unter Verschluss, wahrscheinlich aus gutem Grund. Und wenn man sich derer Lebenslauf anschaut, gearbeitet ausserhalb der Gewerkschaft hat kaum jemand lange......

makronomic
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Zuviel

Das Land steckt in einer Krise und braucht alle Kraft in den kommenden 5 Jahren. Wie wäre es einfach mit Verzicht auf Erhöhung in den kommenden 3 Jahren, aber Senkung der Steuersätze? Dann bleibt real mehr für alle und wir helfen alle mit. Win Win Win

glashaus
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makro

und auf was verzichten Industrie und Unternehmer? Prämien und Gewinne werden dann nach 3 Jahren auf die AN aufgeteilt. Oder sollen nur die AN ihren Beitrag leisten?

beneathome
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Die Metaller verdienen am meisten,

obwohl sie unter starken Konkurrenzdruck von außen stehen. Warum ist der Handel, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft so niedrig. Das wäre mit Mitwirken der Politik nicht nötig. Und die Schere geht jedes Jahr weiter auseinander. Von den armen Bediensteten der Rechtsanwälte, Ärzte und Steuerberater ganz zu schweigen.
Auch der Mindestlohn ist eine Einbahnstraße. Der Markt wird es wieder nach seinen Regeln ausgleichen.

SagServus
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Warum ist der Handel, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft so niedrig

Auf der einen Seite immer auf die Gewerkschaft hinhauen die keiner braucht, auf der anderen Seite jammern, dass in gewissen Branchen mit kaum vorhandener Gewerkschaft die Löhne so niedrig sind.

Gelernter Ösi
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Ich würde so einen Job nicht machen wollen.

Alle Jahre wieder eine Show abziehen müssen und feilschen, was das Zeug hält.
Dass es da nicht einen objektiven Algorithmus gibt, der regelmäßig neu kalibriert wird?

Balrog206
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Genau

So könnte es sein !

Ragnar Lodbrok
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Liebe Arbeitgeber - IHR sucht Personal

also zahlt ihnen auch soviel, daß sie davon leben können.
Ich glaube nicht, daß ein Hr Knill sich Sorgen machen muss was er in der letzten Woche des Monats noch Essen kann...

Balrog206
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Welche An

Müssen das Ragnar ? Wer fährt die neuen Autos die unsere Straßen überfüllen wer hat Netflix sky Amazon Prime , wer fliegt übers We nach Paris Barcelona Hamburg , wer kauft dir neuen Tv uswuswuswuswus!
Deinen klassenkampf gibts nicht mehr und wenn nur im kleinen !

makronomic
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Stimmt

100% richtig

cockpit
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Einerseits wird händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht,

andererseits wollen sie nicht mal eine anständige Lohnerhöhung gewähren! Ihr werdet euch noch wundern!

Robinhood
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Begrifflichkeit

Für anständige Arbeit muß auf jeden Fall anständig bezahlt werden. Leider ist die Leistungsbereitschaft vieler Arbeitnehmer in der normalen Arbeitszeit im Sinken.

cockpit
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so wie das Lohnniveau

!

merch
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...

Senkt gscheiter mal die Lohnsteuer, dann haben alle was davon..... Kasperltheater...

Stratusin
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Ja und!

Dann soll es eben weniger Arbeitsplätze geben. Die Unternehmer jammern eh schon lange genug, das man sie nicht besetzen kann, sollen zumindest die verdienen die noch arbeiten.

Balrog206
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Wer

Zahlt dann das gesamte Sozialsystem ?

cockpit
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ja wer denn

?

Markie2
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Bodenlose Frechheit

Bodenlose Frechheit von seiten der Gewerkschafter!!!!

Listiger
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warum?

Warum?

Pelikan22
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Weil irgendwann rennen die Löhne davon!

Wer zahlt denn die Lohnerhöhungen? Da beisst sich ja die Katz in den Schwanz. Das ist ein Perpetuum Mobile! Einmal ist Schluss!

Markie2
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Bodenlose Frechheit

Bodenlose Frechheit von seiten der Gewerkschafter!!!!

makronomic
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Ja, Gier ohne Ende

Als ehemaliger Metaller kann ich nur sagen das ich extrem viel verdient habe. Heute im Handel viel weniger für den selben Job. Die Metaller Gewerkschaft schaut nur auf sich und ihre Leute, der Rest der Arbeitnehmer ist ihr egal. Und das schwächt unser Land im int. Wettbewerb.

ARadkohl
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Auf wen soll sie denn sonst schauen?

Deine von dir genannte Gier findest ganz wo anders vor.

SagServus
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Die Metaller Gewerkschaft schaut nur auf sich und ihre Leute, der Rest der Arbeitnehmer ist ihr egal

Für den Rest der Arbeitnehmer sind halt die anderen Branchengewerkschaften da.

Wenn sie im Handel dabei sind, sind sie auch bei der Gewerkschaft? Wenn nicht, wieso nicht?

markus144
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Die Firmen...

haben teils sehr sehr viel Geld in der Corona Phase vom Staat bekommen, teilweiße selbst die, die es nicht mal nötig gehabt hätten. In manchen Betrieben wurde auf Kurzarbeit geschickt, obwohl es mehr als genug Arbeit und Umsatz gab,
Letztes Jahr hat man sich mit einer mickrigen KV Erhöhung zufrieden gegeben, weil es einfach wirtschaftlich schwer war und nicht klar war, wie das ganze weitergeht.
Jetzt sollten die Betriebe quer durch die Bank die Löhne heben, nicht zuletzt um ein Wachstum zu garantieren.
Jede Firma will am liebsten 10% mehr Umsatz, aber den eigenen Angestellten wie in dem Fall 2 % BRUTTO mehr geben. Die Rechnung wird so nicht aufgehen. Vor allem wird immer nur gejammert, dass man kein Personal findet, in schon fast jeder Branche- mit noch schlechteren Arbeitsbedingungen wird es vermutlich nicht besser werden...

Toyota11000
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es wird

Zeit für den Generalstreik

 
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