Metaller-KVHeuer deutlich höherer Abschluss erwartet

IHS-Ökonom Helmut Hofer: "Zweieinviertel Prozent sicherlich tragbar", wahrscheinlich sogar höher. Gewerkschaftschef Wimmer: Wollen heuer außergewöhnliche Reallohnerhöhung erreichen.

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START DER METALLER-KV-VERHANDLUNGEN: WIMMER
Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, wollte sich noch keine konkrete Forderung entlocken lassen © APA/ROBERT JAEGER
 

Nachdem die Löhne und Gehälter in der Metallindustrie im vergangenen Jahr nur um 1,45 Prozent, also um die Inflationsrate, erhöht wurden, fordern die Arbeitnehmer angesichts des guten Wirtschaftswachstums heuer einen deutlich höheren Abschluss. "Man erwartet ja auch für nächstes Jahr ein relativ gutes Bild, also ist zweieinviertel Prozent sicherlich tragbar und wird wahrscheinlich sogar höher werden, nehme ich an", meint der Wirtschaftsforscher Helmut Hofer vom IHS.

Die Messlatte für die Verhandlungen ist die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate, die bei 1,9 Prozent lag. Deshalb rechnet auch Benjamin Bittschi vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für heuer mit einem kräftigeren Lohnzuwachs. "Die Inflation ist deutlich höher und insofern ist auch zu erwarten, dass die Abschlüsse höher sind", sagte Bittschi am Montag im Ö1-"Morgenjournal".

Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, wollte sich noch keine konkrete Forderung entlocken lassen, erst am Donnerstag übergeben die Gewerkschafter ihre Forderung an die Arbeitgeber in der Metallindustrie. "Wir wollen eine Lohnerhöhung, die die Menschen ordentlich spüren", sagte der Gewerkschafter im "Morgenjournal". Man wolle heuer eine außergewöhnliche Reallohnerhöhung erreichen. Im August erreichte die Inflation mit 3,2 Prozent den höchsten Wert seit Dezember 2011.

Arbeitgeber-Obmann Christian Knill bremst naturgemäß: Man sei im vergangenen Jahr wegen Corona stark ins Minus gerutscht und heuer gerade erst dabei, dieses Minus wieder aufzuholen, sagte er im Ö1-"Mittagsjournal".

Knill räumt zwar ein, "dass die Auftragsbücher voll sind, es ist aber auch richtig, dass wir nach wie vor eine unsichere Situation in unseren Betrieben haben. Corona ist auch noch nicht vorbei." Darüber hinaus gebe es Schwierigkeiten beim Materialnachschub und die Rohstoffpreise seien enorm hoch.

Im vergangenen Jahr sei die Produktion der Branche um ein Zehntel eingebrochen, nun sei man "guter Hoffnung, dass wir das heuer zu einem großen Teil wieder aufholen können". Angesichts der zuletzt hohen Inflation bestehe aus der Sicht der Arbeitgeber "kein außergewöhnlicher Handlungsbedarf", sagte Knill. Bei der Teuerung habe man es mit einem Nachholeffekt zu tun, "alle Experten, darunter auch die Nationalbank, rechnen für das nächste Jahr wieder mit einer sinkenden Inflation".

Kommentare (6)
deCamps
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Über diese seit Jahrzehnten antiquierter Vorstellungen der österreichischen Gewerkschafter kann man nur den Kopf schütteln.

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Hypothetisch gesehen. Wenn die Unternehmen Verluste machen, sagen dann auch die Gewerkschafter, ihr müsst nun den übersteigenden Betrag aus dem Vorjahr der Inflation zurückzahlen? Denn im Folgejahr werden dann die übersteigenden Beträge in die Berechnungen mit eingerechnet. Was immer wieder für eine durchgehende Lohnerhöhung sorgt.
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Es wäre langsam an der Zeit das antiquierte Arbeiter- und Angestelltenverhältnis s abzuschaffen. Ist weltweit ein Kuriosum. Dann kann einen klaren für jeden AN einen Dienstvertrag ausstellen, der alle gesetzlichen und freiwilligen Arbeitsbedingungen anführt und einen klaren KV IST Lohn (Mindestanspruch) darstellt. Gleichfalls mit einer Prämienregulierung, die aufgrund u.a. der marktwirtschaftlichen Möglichkeiten abgestimmt ist.

SoundofThunder
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All In - Verträge gibt es eh.

Andere sagen Knebelvertrag dazu.

augurium
24
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Gewerkschafter

sind Ewigestrige - sie können nur fordern. Sie sollten sich an den Pensionisten ein Beispiel nehmen, die werden mit der Inflationsrate von 1,8% (inzwischen mehr) abgespeist. Von den 1,8% bleibt wenig netto übrig, weil die Steuer viel auffrist. Die Beweihräucherung der % Erhöhung ist absurd. Zählen tut nur eine Nettoerhöhung oder ein fixer Betrag!

Nadu1205
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Gottseidank

gibt es noch unsere Gewerkschaften! das passt genau so, sehr hoch ansetzen und dann in der Mitte treffen....
von der ach so armen Industriellenvereinigung kommt von selber nicht nix !!

Kariernst
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Schau in den Spiegel

Dann sieht du den ewig gestrigen. Du kannst nur nehmen und vergisst dabei wer für die vielen Verbesserungen für die Menschen in Österreich erreicht hat

stress
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19
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andaman

augurium wer soll deiner Meinung mehr Lohn fordern als die Gewerkschaft, die Unternehmer vielleicht.