Wenn es um die Frage geht, ob sich höhere Inflationsraten längerfristig durchsetzen spielt die sogenannte "Lohn-Preis-Spirale" eine wesentliche Rolle. Vereinfacht gesagt setzt sich eine solche Spirale dann in Gang, wenn die Löhne wegen drohender starker Kaufkraftverluste ebenfalls kräftig angehoben werden und Unternehmen darauf mit neuen Preiserhöhungen reagieren. Davon ist man derzeit jedenfalls noch entfernt.

Klar ist aber auch, dass die kommenden KV-Verhandlungen im Herbst hart werden, denn die Kombination aus steigender Inflation und der rasanten Wirtschaftserholung weckt bei Arbeitnehmervertretern naturgemäß Begehrlichkeiten. Der Auftakt der Metaller-Lohnrunde erfolgt am 23. September. "Wir gehen jedenfalls von harten Verhandlungen aus. Ein großer Teil derer, die wir vertreten, musste in der Coronazeit weiter in der Produktion vor Ort in den Betrieben arbeiten, und konnte nicht im Homeoffice sein. Das muss auch entsprechend entlohnt werden", sagt Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft.

Rainer Wimmer: Die aktuell steigende Inflation hat unmittelbar Auswirkungen auf die Lohnverhandlungen
© APA/ROBERT JAEGER

Inflation wirkt sich auf Lohnverhandlungen aus

Und die aktuell steigende Inflation habe unmittelbare Auswirkung auf die Lohnverhandlungen, da man mit dem Zwölf-Monatsschnitt in diese hineingehe. "Viele Dinge, unter anderem Lebensmittel, Treibstoff und Mieten sind deutlich teurer geworden. Deshalb ist es unsere Aufgabe, für die Arbeitnehmer ein sehr gutes Ergebnis bei den kommenden Lohnverhandlungen zu erzielen", so Wimmer. Die Inflation steige, die Nachfrage in den produzierenden Betrieben ebenfalls, die Auftragsbücher seien voll. Die Konjunkturprognosen für 2022 würden bei über fünf Prozent liegen. "Gute Voraussetzungen für Verhandlungen und für höhere Löhne", sagt der Chef der Produktionsgewerkschaft. Und wenn die "Arbeitgeber Fachkräfte wollen, sind sie auch massiv gefordert, entsprechend zu entlohnen".

Arbeitgeber hoffen auf raschen KV-Abschluss

Christian Knill, Obmann des größten Fachverbandes, der Metalltechnischen Industrie (FMTI) bestätigt, dass die Konjunktur- und Auftragslage gut sei, "auch wenn die Dynamik zuletzt wieder etwas abgeflacht ist". Er hält seitens der Arbeitgebervertreter aber auch fest, dass die Ertragslage derzeit "überhaupt nicht mit den Produktionssteigerungen mithalten kann, hier gibt es ein Missmatch". Das habe mit steigenden Preisen und "teils dramatischen Lieferengpässen bei Vormaterialien" zu tun. Trotz aller Vorboten hoffe er auch heuer auf "einen raschen KV-Abschluss, denn die Zeiten bleiben wohl weiter turbulent."