Im Sommer jährt sich die Selbstbefreiung von Natascha Kampusch zum 20. Mal. Achteinhalb Jahre lang wurde sie von ihrem Entführer in dessen Keller in Strasshof an der Nordbahn eingesperrt, mit 18 Jahren gelang ihr schließlich die Flucht. Jetzt wird bekannt, dass die 38-Jährige einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Ihre Schwester spricht in der ORF-Sendung „Thema Spezial“ davon, dass Kampusch neuerlich in einer „Art Gefangenschaft“ sei.
Die Familie ist nach dem Zusammenbruch besorgt, dass Kampusch unter dem erwartbaren Medienecho zum Jahrestag des Entkommens im August leiden könnte. „Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr. Sie ist meist in einer eigenen Welt“, erklärt ihre Schwester Claudia Nestelberger. „Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft“, sagt sie. Die Familie fühle sich „hilflos“ und will über die Ursachen für den Zusammenbruch aufklären.
Sorge vor unreflektierter Berichterstattung
Auch Psychiater Ernst Berger kommt in der Sondersendung am kommenden Montagabend (16. März, 20.15 Uhr in ORF 2) mit Christoph Feurstein zu Wort: „So wie wir damals die Entscheidung getroffen haben als Betreuerteam, wir wollen mit Ihnen kooperieren, so sehe ich die Situation jetzt auch. Man muss davon ausgehen, dass das andere Medienstationen aus einer völlig anderen Perspektive aufgreifen.“ Die Sorge der Familie sei groß, dass Medien aus aller Welt unreflektiert über Kampusch berichten.
Die Dokumentation „Thema Spezial: Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ blickt auf das Schicksal des weltweit bekannten Entführungsopfers zurück und geht zudem der Frage nach, wie es Kampusch heute geht. Erstmals nehmen „Ermittler, Staatsanwälte und Wegbegleiterinnen schonungslos Stellung“, kündigt der ORF in einer Aussendung vom Donnerstag an. Moderator Christoph Feurstein war einst im Jahr 2006 der Erste, der mit Kampusch ein Interview führte – das Gespräch ging damals um die Welt. Seither berichtet Thema regelmäßig über den Fall.
Weiterhin Zielscheibe für Hass
Bis heute kämpft Kampusch mit viel Kritik und Gegenwind, immer wieder wird sie als Lügnerin bezeichnet. Der Fall wurde bereits fünfmal untersucht, zuletzt waren auch das FBI und deutsche Ermittler eingebunden. Die Ermittler sind sich einig, die Geschichte des Entführungsopfers ist so passiert. Ihr starker, selbstbewusster Auftritt bleibt die Zielscheibe für Hass und Feindseligkeit. Im Anschluss an die ORF-Dokumentation ab 20.15 Uhr folgt eine Gesprächsrunde mit Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher (um 21.30 Uhr).