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Umfrage zu EU-PlänenGeplante Obergrenze für Barzahlungen sorgt in Österreich für Skepsis

Umfrage im Auftrag des Finanzministeriums: Minister Blümel will gegen mögliche EU-weite Obergrenze für Bargeldzahlungen von 10.000 Euro auftreten.

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In der kommenden Woche will die EU-Kommission ihre Gesetzesvorschläge im Kampf gegen die Geldwäsche präsentieren. Vorgesehen ist u. a. eine eigene, dafür zuständige EU-Behörde. Das Maßnahmenbündel sieht aber auch eine einheitliche und generelle Obergrenze von Bargeldzahlungen vor. Sie soll bei 10.000 Euro liegen. In Österreich wird dieser Vorstoß sehr skeptisch gesehen. "Wir wollen dagegen auftreten", sagt Finanzminister Gernot Blümel am Donnerstag. Das Finanzministerium hat im Juni bei den Meinungsforschern von Unique Research eine Umfrage in Auftrag gegeben, über die das Verhältnis und die Einstellung der Österreicherinnen und Österreicher zum Bargeld erhoben wurde. Es sei "eine Illusion zu glauben, dass die Einschränkung von Bargeld zu weniger krimineller Energie führt", so Blümel. "In jüngster Zeit ist etwa eine deutliche Risikolage bei virtuellen Währungen zu beobachten. Die Regulierung von Kryptowährungen wäre daher wichtiger als willkürliche Bargeld-Grenzen einzuziehen.“

In Österreich 31 Milliarden Euro an Bargeld im Umlauf

Blümel betont, dass sich Österreich klar zu Maßnahmen gegen Geldwäsche bekenne und auch die angedachte EU-Behörde gegen Geldwäsche begrüße. Man bezweifle aber, dass eine Bargeld-Obergrenze wirkungsvoll sei. Gegenwärtig seien laut Daten der Nationalbank rund 31 Milliarden Euro an Bargeld in Österreich im Umlauf. Ein schleichendes Aus für Bargeld wolle man nicht akzeptieren, Blümel verweist u. a. auf den hohen psychologischen Wert von Bargeld, es gebe ein Sicherheitsgefühl, das habe auch die erste Phase der Pandemie gezeigt, in der sich viele Österreicherinnen und Österreicher mit Bargeld eingedeckt haben. Insgesamt sehe er etwa rund um die Regulierung von Kryptowährungen mehr Handlungsbedarf als beim Bargeld. Auch in Österreich gebe es in sensiblen Bereichen, etwa am Bau, eine Begrenzung von 500 Euro bei Barzahlungen. Aber eben keine generelle Beschränkung und das habe sich bewährt. Bargeld sei auch die letzte Barriere gegen ausufernde Negativzinsen, so Blümel.

Die Studie von "Uniqe research" zeigt laut Peter Hajek jedenfalls eine hohe Skepsis der Österreicherinnen und Österreicher gegenüber den Plänen für eine Bargeld-Zahlungsobergrenze. So bestätigt die Studie, dass sich rund 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher klar für den Erhalt von Bargeld aussprechen. Auch die geplante Bargeld-Obergrenze der EU wird mehrheitlich abgelehnt, wobei es hier - je nach Alter der Befragten - Unterschiede gibt. Tendenz: Über 60-Jährige hängen deutlich stärker am Bargeld und sehen die Pläne skeptischer als jüngere Befragte. 

Die wichtigsten Studienergebnisse:

  • Überwiegende Mehrheit trägt nach wie vor (auch) Bargeld bei sich
  • Bargeld und Karte halten sich beim Bezahlen etwa die Waage (38 Prozent eher mit Bargeld, 40 Prozent eher mit Karte, 22 Prozent annähernd gleich oft mit Bargeld und Karte)
  • Stärkere Bindung zum Bargeld haben ältere Menschen, Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen und Einkommen sowie der ländliche Raum
  • Bargeld wird als sicher erlebt und Barzahlungen geben mehr Überblick über die Finanzen
  • Überwiegende Mehrheit (87 Prozent) spricht sich für Erhaltung der Möglichkeit der Bargeldzahlung aus, noch stärker Generation 60+
  • Generelle Bargeldobergrenzen werden eher skeptisch gesehen (als Gründe werden u. a. Einschränkung der Entscheidungsfreiheit und die Sorge vor dem "gläsernen Bürger" angeführt
  • Digital Euro wird mehrheitlich negativ gesehen

„Von Österreich gibt es ein klares Ja zu Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und ein ebenso klares Nein zu Angriffen auf das Bargeld. Bargeld gibt den Menschen ein Gefühl von Sicherheit, Unabhängigkeit und Freiheit. Diese Freiheit wollen wir den Menschen bewahren“, so Blümel.

Sorgen vor Einschränkung der persönlichen Freiheit

Hauptthema der befragten Kritiker von Bargeldbegrenzungen sind Sorgen vor einer Einschränkung der persönlichen Freiheit (16 Prozent) bzw. Sorgen vor der Kontrolle der persönlichen Finanzen (14 Prozent). Kriminelle würden neue Wege für ihre Geschäfte finden, wenn sie auf Cash verzichten müssten, so der Tenor. 44 Prozent der Skeptischen hat aber keine konkreten Gründe für ihre kritische Haltung. Hajek führte das darauf zurück, dass das Thema derzeit nicht in breiten Bevölkerungsschichten vorkommt.

60 Prozent der Bargeldzahler sind Obergrenzen gegenüber kritisch, aber nur 4 Prozent der Kartenzahler. 87 Prozent wussten in der Befragung beispielsweise aber nicht, dass am Bau Zahlungen über 500 Euro seit 2016 ohnehin verboten sind.

Auch jene Österreicher, die angeben mehr mit Karte zu zahlen, haben zu 76 Prozent Cash eingesteckt. Je jünger die Befragte, desto eher geben sie an, meist mit Karte zu zahlen. Und umgekehrt: Je älter die Befragte, desto öfter sagen sie, sie zahlen in bar. Insgesamt haben Kartenzahler inzwischen aber die Nase vorne: 40 Prozent der Befragten zahlen ihren Angaben zufolge öfter mit Karte, bei 38 Prozent halten sich Karten- und Bargeldzahlungen die Waage und nur mehr 22 Prozent sagen, meist mit Cash zu zahlen. Signifikant mehr mit Bargeld bezahlt wird von der Generation 60plus, von kinderlosen Haushalten, von Menschen im ländlichen Raum und von solchen mit geringerem Einkommen.

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Danke für Ihr Verständnis.

melahide
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Ich zahl

sowieso nur Kleinbeträge mit Bargeld. Am Bauernmarkt/beim Bäcker. Da zahl ich noch bar. Sonst alles unbar. Ich find das am Konto sogar übersichtlicher. Sonst hebt man Geld ab, geht einkaufen. Geld weg. Man überlegt: „Wo hab ich das jetzt vertrantschelt…“. Am Konto seh ich es zumindest aufgelistet. In Irland nehmen die zb nur noch 50 Euro Scheine als höchstes Gut. Versuchen sie da einmal mit einem 100er zu zahlen. Geht nicht. Bargeld stellt auch keinen Wert mehr im Wirtschaftssystem dar. Nicht einmal 10 % des vorhandenen Geldes gibt es als Bargeld. Wenn man Bargeld bei der Bank abheben will, also größere Summen, müssen die das bestellen … Bargeld ist eigentlich unnotwendig geworden.

hhaidacher
0
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oder gilt das auch für Bankbehebungen?

Dass man nur mehr 10.000 abheben darf von SEINEM Konto? In welchem Zeitraum?

melahide
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Wenn sie

eine Bank finden die noch 10.000 Euro im Tresor hat …

joschat55
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Unbare Zahlungen

Bei unbaren Zahlungen fallen Spesen an.

dude
26
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Umfrage:

Wer schon einmal eine Rechnung über € 10.000,-- in bar bezahlt hat, markiere bitte mit rot.
Wer - wie ich - noch niemals eine Rechnung über € 10.000,-- in bar bezahlt hat, markiere bitte in grün.

Civium
7
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Gilt das auch für

Parteispenden, oder werden die weiterhin im Kuvert überreicht?

Hgs19
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Die Geschichte lehrt uns...

... weil niemand hatte die Absicht in Berlin eine Mauer zu bauen!

Saufnix
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Alipay

machts vor... dadurch steigt der Druck auf die EU innovativ nachzusetzen.
Die Chinesen sind recht zufrieden wenn der Staat auf ihr Konto schaut und die Überweisung an "Bedürftige" sieht und ggf. Minuspunkte somit reduziert. Warum nicht auch bei uns in Europa?
Hat seinen Charm, alles mit dem Handy unkompliziert gleich vom Konto abbuchen zu lassen... Es lebe die Transparenz.. zumindest beim Otto-Normalbürger.

zeus9020
20
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BLÜMEL WILL DAS NICHT…

…ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Und mehr zu schreiben verbietet die Vernunft, um nicht von diesem belangt zu werden….

tannenbaum
46
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Österreich

ist anscheinend doch ein Land von Korruptionisten. Wie sonst kann man gegen eine Bargeldzahlungsobergrenze von 10.000€ sein wenn man nicht mit Schwarzgeld arbeiten will? Die tausenden Privatbuchhalterinnen und kleinen Handwerksbetriebe fallen da eh nicht hinein.

hhaidacher
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Schwarzgeld wird auch in Zukunft keine Obergrenze haben

...denn man kann ja weiterhin mehr als 10.000 € jemandem überreichen!

Es kann mir niemand verbieten, mehr als 10.000 Bargeld statt auf der Bank mit Minuszinsen daheim oder in einem Bankschließfach zu haben.

Landbomeranze
6
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Wenn ich über 10.0000 schwarz zahlen will

geh ich eben zwei Mal zur Bank. Das ist kein Argument, es geht um Kontrolle der EU Bürger. Da können EU weit die Schrauben angezogen werden. Den unfolgsamen Ungarn z. B. wenn sie weiter Orban wählen.

woody
6
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@tannenbaum

Ist mal die € 10.000 - Grenze eingezogen, werden wohl bald darauf niedrigere folgen. Hier geht es ums Prinzip. Die Abschaffung des Bargeldes könnte uns alle bis ins Detail überwachbar und kontrollierbar machen. Und das hat nichts mit Korruption zu tun.

Landbomeranze
4
18
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Und mit einem simplen Programmchen

kann über Nacht der Euro um die Hälfte aufgewertet werden und alles was am Sparkonto liegt halbiert werden. Gleiches gilt natürlich für Abwertungen oder Kontosperren bei fehlendem Wohlverhalten gegenüber der Regierung.

jaenner61
7
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der digitale euro wird mehrheitlich negativ gesehen

sehr interessant. amazxxx sowie der übrige onlinehandel verdienen sich eine goldene nase, aber da wird ja auch nicht digital bezahlt 😏

Landbomeranze
4
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Zwischen freier Wahl und

Zwang besteht aber schon ein Unterschied oder?

CIAO
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meine Güte...

leider gibt es genug Gauer in allen Ebenen,
Aber wenn eine Regierung versucht das ganze Volk wie krimnelle zu behandeln.
Wo wird das hinfürhen?

Schlagen wir nach bei Kreisky: "Lernen Sie Geschichte"

pinsel1954
4
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Man wird das Geld abschaffen.....

....und dann werden wir alles was wir uns wünschen gratis bekommen.....

...oder doch anders rum, wo immer man es kann will man die totale Kontrolle über uns.......und die Banken werden an jeder Transaktion verdienen und uns dann sagen was jede ÜBerweisung kostet.....

madermax
2
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Persönlich habe ich kein Problem…

… mit einer Grenze von 10.000 Euro. Seriöse Autohändler nehmen schon seit Jahren keine Bargeldzahlungen mehr für Neuwagen oder hochpreisige Gebrauchtwagen an. Und abgesehen von Autos/Motorrädern habe ich in den letzten 20 Jahren nie über 10k in bar bezahlt…

Quatsch sind aber Limits von 500 Euro wie in Griechenland oder 1.000 Euro wie in Portugal. Wenn ich mal schnell und spontan ein Smartphone oder einen TV im MediaMarkt mitnehmen will (und zb ein 400 Euro Tageslimit auf der Bankomatkarte habe) muss ich erstmal eine Überweisung in Auftrag geben, und kann dann zwei Tage später nach Überweisungsbestätigung den TV abholen??

yzwl
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Das

Tageslimit gilt nur am Bankomaten, im Geschäft kann man an der Bankomatkasse bis zum ende des Geldes am Konto bezahlen, bei einem Überziehungsrahmen bis dieser erschöpft ist.

aToluna
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Barzahlung

Jeder seriöse Kontoinhaber hat eine Kreditkarte mit einem Tageslimit von 2500 Euro, da wird sich ein Smartphone oder ein gescheiter Fernseher schon ausgehen.

compositore
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@madermax

Stimmt nicht ganz, hab im Vorjahr in einem großen und seriösem Grazer Autohaus weit mehr als 10tsd € bar bezahlt, mit Ausweis war das kein Problem.

Hildegard11
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Vorschriften, Zipferei und Bürokratie

Das ist die EU Verwaltung mit ihrer nicht gewählten Präsidentin. Wir brauchen diesbezgl. nicht mehr nach China zu schauen. Wir werden an ausufernder Bürokratie krepieren.

Hazel15
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Wir werden an ausufernder Bürokratie krepieren.

Ihr vielleicht, WIR nicht!!!