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600 Jobs weniger bis 2022Uniqa verdiente gut, dennoch Stellenabbau und Sozialpläne

Beim Abbau von 600 Stellen in Österreich setzt Uniqa zu einem Viertel auf natürliche Abgänge. Für 450 Jobs wurden Sozialpläne verhandelt. Dabei ist die Versicherung bis jetzt gut durch die Corona-Krise gekommen.

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© APA/HERBERT NEUBAUER
 

Der UNIQA-Versicherungskonzern ist bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen und hat im dritten Quartal sogar rekordverdächtig gut verdient. Dennoch werden zur Kostensenkung bis 2022 in Österreich rund 600 Stellen abgebaut, das betrifft jeden Zehnten. Auch der CEE-Raum, der durch die jüngsten Zukäufe von AXA noch mehr Gewicht bekommt, wird kostenmäßig durchforstet. Fit will sich der Konzern mit der neuen "Strategie 3.0" halten.

"Weitere Sparprogramme sind nicht ausgeschlossen", sagte UNIQA-Generaldirektor Andreas Brandstetter am Donnerstag, der wiederholt die zu hohen Kosten als eine "Achillesferse" der Gruppe bezeichnet hatte. Bis 2025 soll der Kostensatz zumindest auf 25 Prozent herunter und die Combined Ratio - Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen - unter 94 Prozent sinken. Zuletzt lag die Kostenquote bei 27 Prozent und die Combined Ratio bei knapp unter 96 Prozent. "Man wolle die Prozesse vereinfachen und Komplexität für die Kollegen im Back-office herausnehmen", so der Vorstandschef. Ab 2021 will man auch die progressive Dividendenpolitik wieder aufnehmen.

AXA-Zukauf

Durch den eine Milliarde Euro teuren Zukauf des AXA-Geschäfts in Polen, Tschechien und der Slowakei kommen zu den derzeit 12.700 Angestellten in der Gruppe 2.000 Mitarbeiter hinzu, so UNIQA-International-Chef Wolfgang Kindl. Ziel sei, die gemeinsamen Kosten in diesen drei Ländern um 20 Prozent zu reduzieren, je zur Hälfte bei den Personalkosten und bei den Sachkosten.

In den nächsten Jahren erwarte man sich durch den AXA-Zukauf pro Jahr im Schnitt 80 Millionen Beitrag zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT), sagte UNIQA-CFO Kurt Svoboda. Damit werde künftig über die Hälfte des Ergebnisbeitrags aus dem CEE-Raum kommen.

Sozialpläne

Beim Abbau von 600 Stellen in Österreich sollen 150 auf natürliche Abgänge entfallen, die nicht nachbesetzt werden. Zu den weiteren 450 Stellen, die bis 2022 - großteils aber schon 2021 - reduziert werden sollen, habe man in den letzten Monaten mit dem Betriebsrat einen Sozialplan verhandelt, "den ersten in unserem Unternehmen", so Brandstetter. Man strebe mit Hilfe des Betriebsrats einvernehmliche Lösungen an und habe auch Outplacement-Programme, eine Arbeitsstiftung sowie einen Härtefonds für spezielle Fälle vorgesehen. Der Abbau sei auch als klarer Schritt Richtung Digitalisierung zu verstehen. Die Notwendigkeit der Digitalisierung habe nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie bewiesen. Als weiterer Effekt durch Corona seien jetzt die Niedrigzinsen "langfristig einzementiert". Zudem verlagere sich die ökonomische Macht Richtung Asien.

Abwertungen

Diese Stellenstreichungen würden heuer den Jahresabschluss um bis zu 110 Millionen Euro belasten - darin seien 95 Millionen Euro für den Sozialplan enthalten, sagte der UNIQA-Chef in einem Online-Pressegespräch. Diesen Aufwendungen stünden aber künftig angestrebte Einsparungen von jährlich bis zu rund 50 Millionen Euro gegenüber. Außerdem würden heuer Wertminderungen auf Firmenwerte in Serbien, Bulgarien und Rumänien von ungefähr 100 Millionen Euro anfallen, hieß es schon am Mittwochabend. Damit seien Bulgarien und Rumänien nun auf 33 bzw. 35 Millionen Euro abgewertet, Serbien auf Null, sagte CFO Svoboda. Grund sei, dass die Indikatoren Zinsen, Wirtschaftsindikatoren, Kaufkraft und Covid nach unten zeigen würden.

Schließung von Service-Stationen

Durch die mit dem "Kostenprogramm Standort Österreich" verbundene Schließung von 35 der 105 Service-Stationen solle die regionale Präsenz nicht leiden, verwies der CEO auf die Außendienstmitarbeiter und die Generalagenturen: "Wir haben das ganz klare Ziel, unsere Präsenz vor Ort hochzuhalten, aber nicht immer mit der eigenen räumlichen Einrichtung." Jedenfalls wolle und werde die UNIQA im Jahr 2025 "der beste Finanzdienstleister in Österreich" sein, so Brandstetter.

Nachdem mit der letzten "Strategie 2.0" aus dem Jahr 2011 das Ziel, die Kundenzahl von 7,5 auf 15 Millionen zu verdoppeln, inklusive den AXA-Kauf gelungen ist, traut man sich jetzt kein neues 10-Jahres-Programm zu, "fünf Jahre reichen", und setzt sich auch bewusst kein Kundenziel für 2025. Nach weiteren Zukäufen schaut man sich grundsätzlich um, Konkretes am Radar gebe es aber nicht, so der CEO. Er zeigte sich überzeugt, dass es in der Assekuranz 2021 weltweit eine Konsolidierung geben wird, die biete auch Akquisitionschancen. Ausgebaut werden soll laut Strategie auch der Bank-Markt, Stichwort Raiffeisen.

In den ersten neun Monaten hielt die UNIQA den Vorsteuergewinn (EGT) mit 213,8 Millione. Euro praktisch auf Vorjahreshöhe - dabei mit allein über 150 Millionen Euro im dritten Quartal beinahe rekordverdächtig - , ebenso das Konzernergebnis mit 166,5 Millionen Euro.

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