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Commerzialbank MattersburgBankskandal trifft auch "Nova Rock" und "Frequency"

Im Skandal um die von den Behörden abgedrehte Commerzialbank Mattersburg melden sich immer mehr Geschädigte. Darunter befindet sich auch Barracuda, der Veranstalter von "Nova Rock" und "Frequency". Ins Visier geraten auch die Prüfer der Bank.

Die Finanzmarktaufsicht stoppte die Geschäfte der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland
Die Finanzmarktaufsicht stoppte die Geschäfte der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland © APA/Robert Jäger
 

Auf der Suche nach Schuldigen und Versäumnissen im Bilanzskandal bei der seit gestern geschlossenen Commerzialbank Mattersburg sind am Donnerstag erste Rufe nach Schadenersatz laut geworden. Der Wiener Anlegeranwalt Ingo Kapsch hinterfragt die Rolle der Abschlussprüfer. Und in der Folge mögliche Haftungsansprüche. Die lägen bei Fehlverhalten bei mehreren Millionen Euro pro Jahresabschluss.

Die Mattersburger Bank wurde von 2006 bis 2018 von der TPA geprüft. Die Wirtschaftsprüfungskanzlei erklärte am Mittwoch, im Fall Commerzialbank selber Opfer von Täuschung und offenkundigem Betrug geworden zu sein. TPA sei mitten in internen Ermittlungen und prüft selber eine Anzeige gegen die Bankverantwortlichen. Dies sei Gegenstand von laufenden Diskussionen, hieß es aus der Kanzlei am Donnerstag zur APA.

Fantasiekredite

Damit will sich der Anlegeranwalt Kapsch nicht zufriedengeben. Er würde sich im Fall eines Strafverfahrens in der Causa Commerzialbank - wie schon in früheren Bank- und Anlegeraffären - im Kundenauftrag als Privatbeteiligter einem Ermittlungsverfahren anschließen. Er habe schon Anfragen dazu, berichtete er Donnerstag Mittag.

Bei der Mattersburger Bank bzw. ihrem seit Dienstag außer Amt befindlichen langjährigen Chef Martin Pucher steht der Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue im Raum.

Die Finanzmarktaufsicht hat die Bank über Nacht geschlossen und der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gestern Mittwoch eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt.

Von erfundenen Fantasiekrediten und ebenso von fingierten Guthaben ist seither die Rede. Es soll schlechtestenfalls um mehrere hundert Millionen Euro gehen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Warum fiel es nicht früher auf?

Pucher hat sich auch selber angezeigt, der Inhalt der Anzeige ist nicht bekannt. Sein Anwalt Norbert Wess sprach heute im ORF-Mittagsjournal davon, es stehe im Raum, dass es aufgrund der immer strengeren Eigenmittelunterlegungen bei Bilanzen unrichtige Angaben gegeben habe.

Anlegeranwalt Kapsch will geklärt wissen, wie das alles so lang nicht auffallen konnte. Sollte der Verdacht stimmen, dass behauptete Guthaben bei anderen Banken gar nicht existierten, müsse hinterfragt werden, wie weit die Wirtschaftsprüfer ihrer Pflicht nachkamen, von sich aus Bankbestätigungen bei den betroffenen anderen Instituten anzufordern. Dazu wären Abschlussprüfer verpflichtet.

Einlagensicherung

Wer bei der Commerzialbank Mattersburg mehr Geld eingelegt hat als die einlagengesicherten 100.000 Euro, muss seine Ansprüche grundsätzlich in einem bevorstehenden Insolvenzverfahren anmelden. Bei der Mattersburg-Bank wird es wohl ein Konkurs werden, für eine Abwicklung ist die Bank im System der Finanzwirtschaft nicht relevant genug.

Nach jüngsten Darstellungen hatte die Bank zuletzt rund 13.500 aktive Kunden, es soll in Summe rund 60.000 Kontobeziehungen geben.

PVA zahlt bar aus

Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hat am Mittwoch nach Bekanntwerden des Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg angekündigt, Betroffenen ihre Pensionen vorübergehend bar auszuzahlen. Die Pensionsanweisungen für alle Personen, die ihr Pensionskonto bei der Mattersburg-Bank haben, werden laut Aussendung auf Barauszahlung umgestellt. Das sind in Österreich etwa 1800 Pensionisten.

"Ich war genauso geschockt wie viele andere. Das ist eine menschliche Katastrophe für viele Privatpersonen und Firmen", sagte Bürgermeisterin Ingrid Salamon (SPÖ) am Donnerstag im APA-Interview.

Viele Betroffene hätten sich bereits bei der Stadtgemeinde gemeldet, um nachzufragen, wie es nun weitergehe, erzählte Salamon. Ihnen habe man Auskunft erteilt und auf die Initiativen des Landes verwiesen. Auf der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg gibt es für betroffene Bankkunden etwa die Möglichkeit zur Beratung durch Mitarbeiter der Schuldnerberatung, des Konsumentenschutzes und der Bankenombudsstelle.

Nova-Rock-Konzert 2019
Nova-Rock-Konzert 2019 Foto © APA/Herbert P. Oczeret

Barracuda zittert um 34 Millionen Euro

Auch eine Reihe von Unternehmen ist massiv betroffen.

So zittert der heimische Konzertveranstalter Barracuda um Einlagen in Höhe von rund 34 Millionen Euro. Das teilte am Mittwochabend der börsennotierte deutsche Veranstaltungskonzern CTS Eventim mit, der über eine Tochtergesellschaft 71 Prozent an der Barracuda Holding GmbH. hält.

Barracuda ist Veranstalter von "Nova Rock" und "Frequency"-Festival. Was der Skandal für diese Events bedeutet, ist aktuell freilich Gegenstand von Spekulationen.

Denn die genauen Auswirkungen der von der Finanzmarktaufsicht (FMA) verhängten Untersagung des Geschäftsbetriebs der Commerzialbank Mattersburg - wodurch der Bank auch die Auszahlung bestehender Einlagen untersagt ist - ließen sich noch nicht abschließend beurteilen. Eventim und Barracuda würden die Situation "sehr genau beobachten" und "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre Rechte zu wahren", hieß es in der CTS-Eventim-Aussendung.

CTS Eventim ist ein international führender Anbieter in den Bereichen Ticketing und Live Ticketing. 2019 wurden rund 250 Millionen Tickets vermarktet. In Österreich gehört das Onlineportal oeticket zur Eventim-Gruppe. Die CTS Eventim AG & Co KGaA ist seit 2000 börsennotiert und gehört dem Index für mittelgroße Unternehmen der Frankfurter Börse, dem MDax, an. Voriges Jahr hat man mit 3.202 Mitarbeitern in 21 Ländern mehr als 1,4 Milliarden Euro umgesetzt.

Kommentare (22)

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calcit
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Die Relationen passen da einfach nicht...

...wenn ich die Bank überfalle und 10.000.- erbeute wandere ich sofort in Untersuchungshaft und wird für 3 Jahre verknackt. Wenn ich mutmaßlich eine ganze Bank den Bach runter schicke und 400mio vernichte...was passiert dann...

Trieblhe
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@calcit

Das stimmt so nicht, Wirtschaftsdelikte werden in Österreich recht hart bestraft.

Hardy1
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Eine Untersuchungshaft.....

.....wird wohl die schützende Hand von Landeshauptmann Doskozil und seiner Regierung zu verhindern wissen....!

zyni
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Ich weiß,

im Nachhinein weiss man alles besser, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen Geld so einer kleinen Gemeinde-Bank anzuvertrauen.

VH7F
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Hoffentlich sucht jemand das gestohlene Geld?

Und hoffentlich gehen alle Verantwortlichen ins Gefängnis.

Ambasada
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Gold

Gold ist das einzig, was sicher ist.

Trieblhe
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@Ambasada

Sicher ist gar nichts. Übrigens, wenn Ihnen Ihr Gold geklaut wird, ist’s leider auch weg.

VH7F
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Gold zum Beimischen

Es produziert keine laufenden Erträge

ronny999
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Es wäre

zu prüfen - wer war der Steuerberater des Herrn Pucher - wer war der Steuerberater der Stadtgemeinde Mattersburg - ist dies auch die TPA wäre die Haftungsfrage im Sinne einer „unabhängigen“ und professionellen Wirtschaftsprüfung schon geklärt.

freeman666
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Bei diesen Summen keine Untersuchungshaft?

Oder gerade deswegen keine Untersuchungshaft?

sistra
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Die Kontrollorgane und die externen Wirtschaftsprüfer müssen zur Haftung herangezogen werden!

Alles andere als eine Mithaftung der Prüfer, wäre ein Schlag ins Gesicht aller Geschädigten. Im Übrigen wäre es hinterfragenswert, was die Arbeit der externen Wirtschaftsprüfer überhaupt wert ist!

steirischemitzi
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Wirtschaftsprüfer

Da ich es selbst schon erfahren habe: Wirtschaftsprüfer sind zwar ach so gscheite Studierte, die vielleicht viel verdienen, wissen aber teilweise nicht mal wie man einen Buchungssatz in der Praxis richtig bildet (sollen diese aber prüfen)

hansi01
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Die Prüforgane gehören sofort in Haft genommen

Jeder noch so kleine Verein wird bei der Generalversammlung von den Rechenprüfern kontrolliert. Dies sind oftmals nur einfache Bürger, aber mit Hausverstand.
Wenn bei mir ein Kassier oder der Vorstand in der einfachen Ein-/Ausgabenrechnung eine Haben Wert ohne den dazugehörigen Beleg unter jubeln möchte wird er sofort zur Rechenschaft belangt.
Gut bezahlte Prüforgane fordern dagegen keine dementsprechende Unterlagen, und das über mehrere Jahre an. Was sind das für, Entschuldigung fürs Wort TROTTELN die solche Prüfungen durchführen? Lange zur Schule gegangen und dabei deppert geworden, oder haben sie dabei die richtigen Leute kennen gelernt?

g8282zo
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„erfundene Fantasiekredite“

... finde ich cool!

hfg
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Grundsätzlich sollte man

Endlich die Prüfer zur Verantwortung ziehen. Bei Wirecard war dieselbe Gesellschaft tätig. Die Kriterien müssen wesentlich verbessert bzw. verschärft werden. Es dürfen keine Schlupflöcher möglich sein, welche bei einer Prüfung nicht auffallen. Die meisten Wirtschaftsprüfer verlassen sich nur auf die vorgegebenen Zahlen und überprüfen lediglich die Berechnungen, das kann jeder mit einem Computerprogramm. Wie sich immer wieder zeigt genügt das bei weitem nicht. Wenn dann einfach behauptet wird, wir sind selbst betrogen worden, sind sie aus dem Schneider, haben aber jahrelang fette Honorarnoten gestellt. Dazu braucht man keine Wirtschaftsprüfer und natürlich auch keine Bankenaufsicht.

dude
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Auf den Kriminalfall von Bank...

... und eventuell Wirtschaftsprüfern möchte ich gar nicht eingehen. Mir ist der letzte Absatz im Artikel ins Auge gestochen: "Barracuda zittert um 34 Mio."
Gingen nicht vor ca 2 Monaten ALLE Konzert- und Festivalveranstalter zu den Medien und verbreiteten lauthals, dass sie ALLE in Konkurs gehen werden? Und jetzt liegen 34 Mio. auf den Konten. Mir ist schon klar, dass viel davon höchstwahrscheinlich Vorverkaufskartenerlöse sind. Aber diese wurden jetzt - 2 Monate danach - noch immer nicht an die Käufer zurück bezahlt. Sie sind also noch da. Allerdings auf den Konten einer konkursreifen Bank! Eine Ironie des Schicksals!

voit60
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Verdunkelungsgefahr

besteht dieser U-Haftgrund für Promis nicht? Blöde Frage, natürlich nicht.

Armergehtum
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Die gesamten Kontrollorgane sind bei den Banken nur Abkassierposten

Vorstände, Aufsichtsräte, Direktoren, Nationalbank, FMA sind scheinbar nur Bereicherungsposten und Selbstbedienungsläden.
Da diese sogenannten Kontrollorgane nur abkassieren und keine Verantwortung tragen sind diese nur Posten für Auserwählte.
Mir stellt es heute noch die Haare auf, wenn ich an diesen Nowotny von der Nationalbank denke. War verantwortlich dass der Steuerzahler für die Hypo zahlt und wird mit einer Riesenabfertigung dankbar in Pension geschickt. Jeder kleine Maxl kommt dafür in den Knast - nicht so unsere Staatsdiener...
Danke

voit60
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War die Hypo

gar ein roter Skandal? Abgesehen von den Blauen, war der dicke Proell doch wohl Finanzminister, der balddanach von der Raiffeisenfamilie aufgefangen wurde.

Windstille
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Hypo?

Nein, die BAWAG war ein roter Skandal. Und der Konsum auch. Auch vor "Schifferl versenken" machten die Roten einst nicht halt und unterhielten sich über all ihre Schweinereien in ihrem Club 45 ...

Bukowski
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Der gute Pröll

Kommt aber von der ÖVP, und war sogar deren Chef, so sagt man zumindest 😉

Think_simple
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Laptop

Sofern er damals schon einen Computer oder Laptop besessen hat. Wenn nicht, Pech, dann kann er sich vermutlich gar nicht mehr erinnern wer oder was eine ÖVP war.. ;-)