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Frist ein weiteres Mal verlängertLaudamotion-Mitarbeiter demonstrieren für Erhalt ihrer Jobs

Die Mitarbeiter der Fluglinie Laudamotion demonstrieren in Wien. Betriebsratsvorsitzende Kerstin Hager appelliert an die Unternehmensverantwortlichen. Verhandlungen für Mittwochnachmittag geplant.

WIEN: DEMONSTRATION DES LAUDAMOTION-PERSONALS
Lauda-Mitarbeiter gehen auf die Straße © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Mehr als hundert Mitarbeiter der Ryanair-Tochter Laudamotion haben am Dienstagvormittag in der Wiener Innenstadt demonstriert. Sie fordern den Erhalt ihrer Jobs und von der Gewerkschaft vida die Zustimmung zu einem neuen Kollektivvertrag (KV) mit niedrigeren Gehältern. Die Verhandlungen gehen diese Woche weiter, Laudamotion verlängerte die Frist ein weiteres Mal bis zum 3. Juni. Die Wirtschaftskammer lädt die Gewerkschaft am Mittwoch für 17 Uhr zu Gesprächen.

Viele der Mitarbeiter kamen in ihren Uniformen zur Demo, sie trugen einen Mund-Nasen-Schutz. Manche hatten ihre Familien dabei. Eine Frau trug ein Kleinkind, und dieses ein Schild mit der Aufschrift "Papa will fliegen". Die Piloten waren gegenüber den Flugbegleiterinnen in der Überzahl. Auf den Schildern und Transparenten stand unter anderem "No to vida, yes for our jobs" oder "Fliegen ist unsere Leidenschaft". Die Gewerkschaft vida lehnte den neuen KV bisher wegen der niedrigen Grundgehälter für Flugbegleiter ab.

Die Demonstranten versammelten sich vor der Parlamentsbaustelle, gingen dann zum Heldenplatz zu den beiden Pavillons, wo die Parlamentarier derzeit untergebracht sind, und zogen dann weiter zum Kanzleramt auf dem Ballhausplatz. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Rathausplatz statt. Eine Flugbegleiterin meldete sich zu Wort, sie sagte auf Englisch, sie wolle, dass die Verhandlungen wieder eröffnet werden.

Frist auf 3. Juni verlängert

Diese Hoffnung dürfte sich erfüllen. In der Wirtschaftskammer bemüht man sich gerade um einen weiteren Gesprächstermin. Es schaue so aus, als sei Ryanair bereit, die Schließung rückgängig zu machen, hieß es zur APA. Die Pressesprecherin von Laudamotion erklärte am Dienstag, die Frist für die Zustimmung der vida sei auf morgen, den 3. Juni, verlängert worden. Weitere Änderungen an dem KV lehnt die Airline aber ab.

"Für die vida gilt nach wie vor, dass wir zu weiteren Verhandlungen bereit sind. Das haben wir in den letzten Tagen auch mehrfach betont", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft zur APA.

Die Schließung der Lauda-Basis in Wien und der damit verbundene Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen könnte also noch abgewendet werden. Das Aus für den Heimatstandort der Niki-Nachfolgeairline war eigentlich schon vor zehn Tagen besiegelt worden. Zumindest sind seit da Flugzeuge ausgeflogen und die Mitarbeiter von der Kurzarbeit ab- und zur Kündigung angemeldet worden. Die Lauda-Geschäftsführung hat ihr Ultimatum zuletzt aber immer wieder verlängert. Wegen der Kurzarbeit sind Kündigungen vor dem 30. Juni ohnehin nicht möglich. Und wie es am Rande der Demo zur APA hieß, seien die Airbus A320 von Lauda wegen der hohen Parkgebühren am Flughafen Wien in London-Stansted und auf anderen Flughäfen abgestellt worden.

Expansion in Wien geplant

Für den Fall, dass die vida dem KV weiterhin nicht zustimmt, plant die Laudamotion-Mutter Ryanair am 4. Juni eine Expansion in Wien anzukündigen. Ab Juli würden dann die drei in Wien stationierte Ryanair-Boeings und 15 weitere Maschinen aus anderen Ryanair-Basen ab Wien 64 Destinationen in 23 Ländern bedienen.

In dem Arbeitskonflikt bei Laudamotion verlaufen die Fronten unklar. Die Initiatoren der Demonstration verhandelten zuletzt auf Seite der Arbeitgeber und kritisierten so wie die Lauda-Geschäftsführung die Zusammensetzung des Verhandlerteams der Gewerkschaft. Eigentlich gäbe es bei Laudamotion auch einen Betriebsrat, dieser ist aber vom Unternehmen nicht anerkennt und durch Klagen und Kündigungen handlungsunfähig gemacht worden.

Betriebsratschefin Kerstin Hager erklärte am Dienstag zu der Demo: "Ich bin erschüttert, in welcher Form das Unternehmen die Belegschaft vor seinen Karren zu spannen versucht, um sie für seine Propagandazwecke zu missbrauchen." Sie wirft Ryanair vor, die Belegschaft untereinander auszuspielen. Schon den Antrag auf Kurzarbeit habe die Geschäftsführung "zum Drohungs- und Erpressungskrimi hochstilisiert und dafür einen Teil der Belegschaft instrumentalisiert".

 

Kommentare (24)

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user10335
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Und Mitschuld an diesem Dilemma haben unsere letzten Regierungen

Weil sie sich nach wie vor gegen einen anständigen, gesetzlichen Mindestlohn wehren!

UHBP
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Unternehmer machen Druck auf Mitarbeiter und drücken die Löhne.

Die Wirtschaftskammer jubelt, könnte es doch der Auftakt für weitere Gehaltsdrückerrunden werden.
PS wir sind den die Kollektivlöhne bei der WK?

schteirischprovessa
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Liebe Gewerkschaft!

Ist es so schwierig, eine geheime Umfrage unter allen Mitarbeitern einschließlich Leiharbeitskräftebn durchzuführen, ob sie es mehrheitlich bevorzugen, zu den angebotenen Gehältern zu arbeiten oder ob sie sich lieber andere, wohl besser bezahlte Jobs suchen wollen? Schließlich ist es die Aufgabe der Gewerkschaft, die Mitarbeiter zu vertreten, in dem Fall jene der Laudamotion und keine anderen.
Im übrigen sollte man auch berücksichtigen, daß die AUA voraussichtlich eine Hilfe des Staates bekommen wird, die je Beschäftigten rund 10.000 Euro ausmacht, auf die Mitarbeiterzahl der Laudamotion sind das immerhin rund 50 Mio.
Nur einen Mitbewerber der AUA loszuwerden und dafür 500 Arbeitsplätze in den Sand zu setzen, kann doch nicht der Weisheit letzter Schluß sein.

Lodengrün
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Mein Freund,

überall gibt es in unserem Leben einen Rahmen, der uns Möglichkeiten öffnet, als auch einen der uns gebietet das nicht zu tun. So sehe ich das mit dem Mindestlohn. Da passt es gut, wenn die Betriebsratschefin dazu sagt: "Ich bin erschüttert, in welcher Form das Unternehmen die Belegschaft vor seinen Karren zu spannen versucht, um sie für seine Propagandazwecke zu missbrauchen." Ja O`Leary instrumentalisiert Piloten und wie man weiß Kabinenpersonal aus dem Osten um zu gewinnen, sprich seinen Kopf durchzusetzen. Er hat ja das Geld. Wenn das nun durchgeht dann ziehen etliche Betriebe nach, das Gehaltsniveau sinkt weiter und damit in einen Bereich wo man jeden Monat weniger verdient als man tatsächlich braucht. Und bitte die WKÖ fand das in Ordnung, dass die Leute dort Netto € 14.000 im Jahr kassieren. Dann das Geschnatter dass sie mit den Zulagen darüber hinaus verdienen würden. Mitnichten denn diese € 14.000 enthalten bereits Nacht-, Überstunden und Feiertagszuschläge. Was wäre da noch draufzuschlagen? Ich denke wir sollten den sozialen Frieden nicht gefährden.

scionescio
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... und LOhndumping ist der Weisheit letzter Schluss?

... zu diesen Gehältern können bald nur mehr Menschen arbeiten, die in Bratislava billig leben und zum Arbeiten nach Wien pendeln - wollen wir das?

Ragnar Lodbrok
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hoffentlich bleibt

die Gewerkschaft.hart! ich bin für ein Landeverbot für Billigflieger in Österreich!

madmote
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Flugzeuge wurden bereits verlegt:

Airbus A320 - OE-LOW LaudaMotion ferried 27may20 VIE-STN (+ 2859 OE-LMB, + 2994 OE-LOI, + 3063 OE-LMC)

Airbus A320 - OE-IHH LaudaMotion ferried 27may20 VIE-STN (+ 1566 OE-LOP, + 2928 OE-LOB, + 2984 OE-LOM)

Airbus A320 - OE-LOZ LaudaMotion ferried 28may20 VIE-STR (+ 3147 OE-LOA, + 3206 OE-LOR) ex PR-MBD

Airbus A320 - OE-IHL LaudaMotion ferried 26may20 VIE-STN (+ 3132 OE-LOU, + 3259 OE-IBJ, + 3272 OE-LOX)

Airbus A320 - OE-IHD LaudaMotion ferried 29may20 VIE-DUS (+ 4603 OE-LMG, + 5140 OE-LMJ)

jaenner61
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wirklich zu verstehen ist das ganze aber wirklich nicht

die letzten jahre wurde auf teufel komm raus gestreikt und höhere löhne gefordert, flüge starteten verspätet oder fielen ganz aus. und jetzt, wo die quelle zu versiegen droht wird gestreikt, weil die gewerkschaft sich gegen diese niedrig gehälter ausspricht.
ohne worte.....

Gelernter Ösi
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Schluss mit der Billigfliegerei. Und Billigfahrerei.

Am Montag sitzen sie im Büro und erzählen, auf welchen Inseln sie übers längere Wochenende wieder waren. Und dann gehen sie zu ihren PCs, den Klimaschutz liken.

schteirischprovessa
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Da bin ich auch dafür.

Aber in der jetzigen Situation und den Möglichkeiten der Mitarbeiter auf einen neuen Job ist zumindest das nicht der richtige Weg, schon gar nicht für die Mitarbeiter der Laudamotion.
Da gehört als erstes einmal Flugzeugtreibstoff so besteuert wie andere fossile Energieträger, Lande-, Start und Liegegebühren für alle Airlines gleichgeschaltet, wo ich nicht glaube, dass dies derzeit der Fall ist.
Mit den Gehältern der Piloten ist das so eine Sache. Da hat die Gewerkschaft mit ihrer Unterstützung der Streiks der Pilotenmillionäre, war denke ich 2003, eh schon ihren Anteil an der Pleite der AUA, die zum Verschenken an die Lufthansa mit 500 Mio Steuergeld als Draufgabe geführt hat, ihren Teil beigetragen.

Shiba1
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Sie haben eine Ahnung provessa ....

Das war damals ( 2004) die Übernahme der völlig überschuldeten LaudaAir (1,2 Milliarden), die die AUA niedergerissen hat. Vorher musst sie schon - auf politisches Geheiß - die heruntergewirtschaftete Tyrolean übernehmen und noch vorher hat man ihr die Rheintalflug aufs Auge gedrückt. Zwischendrin wurde auch noch ein Reisebüro vor der Pleite gerettet etc. etc.
Was glauben Sie eigentlich, wie viel die Pilotengehälter in der Gesamtrechnung ausmachen??
Machen Sie sich einfach kundig, bevor Sie so einen Stuß von sich strampeln

Helmut67
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Kolektivvertrag

Muss bezahlt werden. Wenn nicht wird das eine Abwärtsspirale. Für alle Arbeitnehmer. Dann gehen wir alle nur mehr für ein Butterbrot arbeiten. Ryanair ist nur Konkurrenz fähig weil sie die Mitarbeiter ausbeutet. Sie zu Lohnsklaven macht.

Mezgolits
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"Ich bin erschüttert, in welcher Form ...

Und ich, bin ebenfalls erschüttert, mit welcher
Unverschämtheit - ALLE Personen, zur steuer-
geldmitfinanzierten + mineralölsteuerbefrei-
ten = extrem umweltschädlichen und überge-
wichtige-bevorzugenden = Personen + Gepäck-
Gewicht NICHT addierten + überangebotenen
Zeitvertreib-Herum-Fliegerei, verleitet werden.
Stefan Mezgolits, selbst finanzierter Erfinder.

berndhoedl
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Kabinen und Boden Personal...

Da ich Vielflieger (ca. 80 Flüge plus/minus hatte ich im Jahr - ohne Corona), erlaube ich mir hier meine Meinung zur Kabinen Crew zu geben.
1. Stresslevel extrem hoch - deswegen hochgradigst angepisst wenn mal was nicht nach Wunsch funktioniert
2. Passagiere sind keine Gäste mehr, sondern nur mehr eine Sache
3. jetzt demonstrieren weil Gewerkschaft diesem Vertrag nicht zustimmt - ich darf aber erinnern - permanente Streiks weil zu wenig verdient wird..
4. Qualität im Service (Luft wie Boden) wird immer schlechter
und unfreundlicher

Da ich schon seit Jahren viel fliege muss ich ehrlich sagen - ich hab meine Flüge drastisch reduziert (auch der Umwelt zu liebe bereits in 2019) und wenn ich flieg nur mehr mit Star Alliance und im Business Tarif und idealerweise (egal wohin) von Graz weg.

Mir wäre es lieber wenn die gesamten Billigst Fluglinien zusperren und Flüge wieder mehr kosten, dann hätten die Flug-Linien mehr Geld für Qualität in den Flugzeugen und beim Personal.

Und ehrlicherweise, wie soll sich das normal rechnen wenn du um 40 Euro nach London und retour fliegst....zBs A320 kostet ca. 100 Mio. und ca 170 Passagiere zu 40,00 Euro hin und retour
Landegebühren, Slot Gebühren, Versicherungen, Sprit, etc... - geht nicht.

pogusch1
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Sehr guter Kommentar!!!

Völlig unverständlich für mich wie man hier den Daumen nach unten drücken kann.....🙄🙄

Lodengrün
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Herr O‘Leary

will auf Kosten der Mitarbeiter reicher werden. Klar könnte er mehr zahlen, auch den deutschen Mitarbeitern könnte er den Maigehalt überweisen, er will nur nicht. Und die Piloten und Mitarbeiter die aus dem Osten integriert wurden helfen ihm dabei.

Amadeus005
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Arbeitsloses Flugzeugpersonal gibt es überall

Es gehen keine Arbeitsplätze verloren. Sie sind dann halt wo anders.
„Kauf im Ort und fahr nicht fort“ kann man da auch leben. Wenn die Österreicher solidarisch sind, dann werden die Leute bei der Austrian benötigt, oder bei jemanden Anderen, der eine lokale Base will.

duesenwerni
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Das wird die Piloten, deren Lizenzen mangels Flugstunden ...

… und jährlichen Checkrides ablaufen und die großteils noch die Kredite ihrer selbstfinanzierten Ausbildung abzahlen müssen, wenig trösten.
Nicht einmal die großen asiatischen Carrier suchen derzeit Piloten und haben große Teile ihrer Flotten stillgelegt. So schauts aus. Der Job ist weg, die Schulden bleiben ...

SagServus
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...

Das Gehalt der Piloten ist auch nicht das Problem sondern das des Boardpersonals.

Wenn die Piloten also so um ihre Lizenz bangen, brauchens nur einen Teil ihres Gehalts (110.000€ Jahresgehalt bei Ryanair) dem Boardpersonal zu Gute kommen lassen.

duesenwerni
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Wenn dafür das Kabinenpersonal auch einen Teil der ...

… teuren Ausbildungskredite übernimmt, gerne :-)

Es macht halt einen Unterschied, ob man sich die langwierige Ausbildung zur ATPL selbst kreditfinanziert oder einen mehrwöchigen Kurs zur Flugbegleiterin auf Konzernkosten absolviert.

Balrog206
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Und

Du glaubst das irgendeine andere Fluggesellschaft neues Personal einstellt in nächster Zeit ?

Lodengrün
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Bis vor

Corona haben sie wie wild gesucht. Da gibt es Studien. Und fange jetzt nicht an das das Luftgeschäft rückläufig wird.

duesenwerni
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Nach der gegenwärtigen Corona-Krise wird der Markt ...

… mit Ready-Entries geflutet werden; die Airlines können sich entspannen, weil die arbeitslos gewordenen Cockpit-Crews in ihrer Verzweiflung sogar pay-to-fly akzeptieren werden, bloß um ihre Lizenz zu erhalten.
Aber das interessiert Vida ja nicht.

Balrog206
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Loden

Ich darf schon noch eine einfache Frage stellen oder ? Mehr war das nämlich nicht ! 😉 trotzdem glaube ich das die Städteflüge heuer bestimmt nicht sehr viel Nachfrage haben werden !
Meine paar Flüge hab ich auch meistens mit aua od Lufthansa , wüsste dabei nichts zu bemängeln !