AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

KryptowährungenFMA will gegen Anlagebetrüger im Netz vorgehen

Die FMA hat 2019 deutlich mehr Investorenwarnungen abgeben. Vor allem im Bereich Kryptowährungen werde viel Schindluder getrieben. Kritik an Förderung grüner Kredite.

FMA-Vorstand Helmut Ettl
FMA-Vorstand Helmut Ettl © APA/HANS KLAUS TECHT
 

97 Investorenwarnungen hat die Finanzmarktaufsicht 2019 abgesetzt, rund 50 Prozent mehr als im Jahr davor. Viele aus dem Reich der Krypto-Assets mit vermeintlich lukrativen Angeboten, und ohne Konzession. Ein Problem: Zum Teil treten sie Tage später mit neuem Namen wieder auf. Ein weiteres: Zunehmende unseriöse Werbung in sozialen Netzwerken (z.B. Facebook) und auf anderen frequentierten Websites.

Es werde hier viel Schindluder getrieben. Auf viel besuchten Seiten würden zahllose Spots zugeschaltet, mit "wahnsinnigen" Anlageversprechen in Kryptowährungen oder Gold, sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Augenscheinliche Betrüger werben immer wieder auch mit prominenten Namen, die selber niemals mit solchen Deals zu tun hatten. Die FMA zeigt solche "Anzeigen" gehäuft bei der Telekommunikationsbehörde an.

Nun überlegt die Aufsicht, ob sie nicht selber entsprechende Warnungen auf diesen Plattformen schaltet. Die britische Aufsicht sei schon in dieser Richtung vorgegangen. "Wir prüfen, ob das darstellbar ist zu vernünftigen Preisen", sagte Ettl.

Kritik an Förderung grüner Kredite

Der Vorschlag im türkis-grünen Regierungsprogramm, den Banken für Kredite in "grüne", d.h. emissionsarme Investitionen, weniger Eigenkapital abzuverlangen, wird in der Finanzmarktmarktaufsicht mit Vorbehalten kommentiert: "Eine Subventionierung unabhängig vom Risiko würde die Stabilität des Systems nicht fördern", sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl.

"Das wäre eine Subvention durch die Banken." Es gebe einen Konsens über die risiko-orientierte Eigenmittelregulierung. Öffentliche Haftungen indes gingen immer. Wenn es eine Förderung sei, dann solle "der Staat auch entsprechend gerade stehen", so Ettl.

Fest stehe, dass der Finanzmarkt in Finanzierungen stecke, die die Klimakrise noch förderten. Die Klimarisiken würden die Finanzhäuser von mehreren Seiten gefährden. Investitionen könnten sich aufgrund politischer Entscheidungen als Fehlinvestitionen herausstellen. Außerdem bestünden hohe Klagsrisiken.

Hohe Investionen in fossile Energie

Ettl zitierte heute den Gouverneur der Bank of England (BoE), Mark Carney, der errechnen hat lassen, dass das globale Finanzsystem derzeit Projekte finanziert, deren CO2-Ausstoß die Erderwärmung um mehr als 4 Grad Celsius erhöht. Die EU-Kommission und die heimische Regierung setzen aktuell Schwerpunkte im Kampf gegen den Klimawandel. Auch die Banken sind gefordert, die Umstellung auf klimaneutrale Investitionen zu forcieren und zu messen, wie exponiert sie in diesem Wandel sind.

"Das Risiko muss messbar sein, Investitionen in klimaneutrale Projekte oder Geschäfte sind aber nicht per se risikolos", sagte Ettl am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

In der Europäischen Bankenaufsicht beschäftige man sich sehr intensiv mit diesen Themen. Da gehe es auch um Definitionen, was als CO2-neutral bzw. klimafreundlich gilt.

Atomkraft-Frage

Welche Branchen und Geschäftsbereiche in Europa - abgesehen von sterbenden Zweigen wie der Braunkohleindustrie - als besonders verwundbar und potenziell auch für ihre Kreditgeber gefährlich gelten, ist schon jetzt eine strittige Frage: "Wo wird die Atomkraft eingestuft? Als Österreicher würde ich das nicht unbedingt auf der sicheren Seite einstufen", sagte Ettl. "In Frankreich sieht man das anders".

Um mehr Geld in nachhaltige und klimafreundliche Verfahren zu pumpen, brauche es für die Finanzbranche nicht unmittelbar neue Regularien und große Gesetzesreformen. "Wenn die Gefahr besteht, dass ein Kredit wegen der Ausrichtung des Unternehmens nicht zurück gezahlt werden kann, müssen auch jetzt schon höhere Eigenmittel verlangt werden. Dann ist das einzupreisen."

In den Niederlanden haben die Banken schon schmerzlich erfahren müssen, dass in ihren Wohnbaufinanzierungen Vorgaben für Energieeffizienz-Zertifizierungen nicht entsprechend erfasst waren. Da musste einiges an Abschreibungen verdaut werden.

Für die Finanzwirtschaft in Österreich gibt es im ersten Vierteljahr erstmalig einen Leitfaden der FMA, wie mit Klimarisiken umzugehen ist. Die Finanzhäuser werden sich nicht nur mit bisher nicht bilanziell erfassten Nachhaltigkeitsrisiken und potenziellen Abschreibungsrisiken in ihren Bilanzen auseinanderzusetzen haben. Zum Schutz von Anlegern will man sich auch das so genannte "green washing" genauer anschauen.

 

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren