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Preiskampf bei AirlinesGewerkschaft droht mit Generalstreik am Flughafen Wien

Am Flughafen Wien droht ein Flugchaos in den Ferien. Die Gewerkschaft vida droht vor dem Hintergrund stockender KV-Verhandlungen mit einem Airline-Generalstreik und klagt, dass das Personal ausgebeutet würde.

++ ARCHIVBILD/THEMENBILD ++ VWGH ERLAUBT BAU DER DRITTEN PISTE AM FLUGHAFEN WIEN
Preiskampf in Wien: Gewerkschaft droht mit Streik © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die Gewerkschaft vida droht inmitten des Ferienbeginns in Österreich mit einem Airline-Generalstreik am Flughafen Wien. Bei mehreren "Krisengipfeln" über den Sommer soll mit den Betriebsräten von AUA, Eurowings, Level und Lauda über "die weitere gemeinsame Vorgehensweise" beraten werden, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Die Gewerkschafter wollen damit gegen die "ausufernden Wettbewerbsverzerrungen und Ausbeutungen des Airline-Personals durch Lohn- und Sozialdumping" protestieren. Hintergrund für den Konflikt ist der massive Preiskampf der Airlines in Wien.

Branchen-KV gefordert

Die vida fordert einen Branchen-Kollektivvertrag, der für einen fairen Wettbewerb sorgen soll. Sie sieht die Wirtschaftskammer in der Verantwortung. Diese würde die KV-Verhandlungen für Level verschleppen und für Wizz Air sogar verweigern, so die vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart und Anton Fuszko. Bleibe die WKÖ stur, sei ein Arbeitskampf derzeit eine realistische Option.

Die vida arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einer "Krisenstrategie", um einen Branchen-KV auch gegen den Widerstand der Wirtschaftskammer durchzusetzen. "Die Diskussionen dazu reichen derzeit von einer sogenannten KV-Satzung (Allgemeinverbindlichkeitserklärung eines KV für eine Branche durch das Einigungsamt im Sozialministerium) bis hin zu einem Generalstreik aller Airlines mit Stationen am Flughafen Wien", so Liebhart. Das sind neben der AUA unter anderem Eurowings, Lauda und Level.

Kritik an WK-Boss Mahrer

"Es ist uns bewusst, dass einige dieser Maßnahmen gerade in den Sommermonaten nicht überall auf Sympathien stoßen würden", so Liebhart. Er macht für die Streikdrohung den Wirtschaftskammer-Präsidenten persönlich verantwortlich. Würde Harald Mahrer eine WKÖ-Politik vorgeben, die einen Branchen-KV mit fairen Basisregeln für alle Luftfahrtunternehmen im Wettbewerb sowie gerechte Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten verfolge, bräuchten sich Gewerkschaft und Betriebsräte keine weiteren Gedanken mehr über einen Generalstreik oder ähnliches zu machen.

Grundgehalt von 1261 Euro brutto

"Aber der aktuellen Haltung der WKÖ und ihren absurden KV-Angeboten kann man eigentlich nur mit einem Arbeitskampf begegnen", meinte Liebhart.

Anton Fuszko, Vorsitzender des vida-Ausschusses Fliegendes Personal, wirft der Wirtschaftskammer eine "Hungerlohnstrategie" vor. Bei Level sei die WKÖ etwa nicht bereit, die gewerkschaftliche Mindestforderung von 1.700 Euro brutto monatlich für Flugbegleiter zu akzeptieren. Derzeit liegt das Level-Grundgehalt laut Fuszko bei 1.261 Euro brutto im Monat.

Kammer bleibt bei ihrer Position

Die Wirtschaftskammer hält trotz einer Streikdrohung der Gewerkschaft an ihrem Nein zu einem Branchen-Kollektivvertrag für Fluggesellschaften in Österreich fest. Der zuständige Funktionär Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt, erklärte in einer Aussendung, die Aufregung der Gewerkschaft sei nicht nachvollziehbar.

"In der Luftfahrt sind Branchen-KVs aufgrund der globalen Tätigkeit absolut unüblich. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es diese nicht. Das Anliegen der Wirtschaft ist es, den Standort und damit die Arbeitsplätze zu sichern. Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Branchen-KV würde dieses Ziel konterkarieren", erklärte Domany.

"Mehrere hundert Euro Zulagen"

Die Kritik an den niedrigen Löhnen für Flugbegleiter wies Domany zurück: "Zu den Grundgehältern kommen pro Monat in der Regel noch mehrere hundert Euro an Zulagen." Domany forderte die Gewerkschaft auf, die Drohgebärden sein zu lassen und "sachlich und konstruktiv" zu bleiben, um "eine für alle Seiten gangbare und faire Lösung zu finden".

Kommentare (6)

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SoundofThunder
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Wer kann von 1291€ Brutto leben?

Und die sind oft Tagelang nicht daheim! Logis wird wahrscheinlich gestellt-aber Essen ist nicht gratis. Lohnsklaven! Flugbegleiter ist anscheinend auch ein Beruf der sich nicht lohnt.Sollen doch die Bonzen in der Wirtschaftskammer und IV probieren ob sie damit durchkommen! Für die verdienen ja alle Unselbstständigen Wertlosen zuviel.

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Balrog206
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Sound

Die Flugbegleiter sind doch bestens gewerkschaftlich organisiert ! Wer hat das dann so aus verhandelt?? Kurz mit der lV oder was ?

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lieschenmueller
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@Balrog206

Fragt sich trotzdem, warum sind manche Tätigkeiten so gering bezahlt?

Beim Flugbegleiter könnte man argumentieren, die Ausbildung sei kurz. Voraussetzung um überhaupt genommen zu werden, wohl verschieden bei den Airlines. Dennoch eine verantwortungsvolle Tätigkeit z.B. in Bezug auf Sicherheit usw.
Dass man noch Nachwuchs findet, so seltsam es aufgrund der Bezahlung erscheint, ist dass der Beruf noch immer ein gewisses Prestige hat. Meiner Meinung nach. Ansonsten würden die Fluglinien dastehen wie die Hoteliers etc. - heißt "händeringend".

Warum werden z.B. Arzthelferinnen (ich gendere ohnehin nie, aber dort ist mir noch nie ein männlicher untergekommen), Zahnarthelferinnen (kenne ich auch rein weiblich) Mitarbeiter in der Apotheke (auch da nur Frauen mir bekannt), Angestellte bei Anwälten und Notaren (also im reinen Bürobereich) mit so wenig abgespeist? Deren Arbeitgeber sind nämlich keine Gemeindearme ;-)

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lieschenmueller
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@SoundofThunder

Eigenartigerweise dürfte man dort aber keine Personalprobleme haben wie im Gastgewerbe, trotz des niedrigen - zumindest Anfangsgehalts.

Der Beruf ist - eigentlich- groteskerweise - wohl immer noch beliebt und begehrt. Vielleicht aus dem Grund siehe mein Posting weiter unten ..........

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lieschenmueller
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Warum ist das Gehalt

in dem Beruf dermaßen niedrig?

Hofft man auf junge Menschen, die meinen etwas von der Welt zu sehen, und das für ein paar Jahre ausüben?

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Stratusin
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Wenn man es genau nimmt,

Kellner ohne Inkasso. Die Qualifikation ist nicht schwer erreichbar.

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