Die Europäische Zentralbank hält den Einlagenzinssatz mit 2,0 Prozent stabil. Das wurde erwartet. Soweit, so unspektakulär. Das wird – leider – nicht so bleiben. Gilt es, im Anschluss an Zinssitzungen in der Regel ganz genau auf die zarten Zwischentöne zu hören, war das diesmal gar nicht nötig. Die Botschaft war eindeutig: Die Inflationserwartungen steigen aufgrund rasant steigender Energiepreise deutlich. Gleichzeitig trüben sich die Wachstumsaussichten ein. Ein Dilemma. Ein Balanceakt.
Denn die EZB wird wohl um Zinserhöhungen, die für heuer noch vor Kurzem fast ausgeschlossen waren, nicht herumkommen. Für die ohnehin lädierte Wirtschaft der Eurozone sind das keine guten Nachrichten.
Vor vier Jahren hat die EZB die Teuerungswelle fundamental unterschätzt. Man verharrte in einer verheerenden Nullzins-Lethargie, während die Inflation nach oben rauschte. Ein Trauma, das nachwirkt. Es ist also auch eine Nagelprobe für die Lernfähigkeit der Währungshüter.