Wie viel ist mein Unternehmen eigentlich wert? Und nach welchen Kriterien und Parametern richtet sich die Bewertung einer Firma? Sind es nur die nackten Zahlen und Bilanzdaten? Markus Pellet beschäftigt sich seit rund 20 Jahren intensiv mit dem Thema der Unternehmensbewertung. Der Steuerberater und Partner im Bereich „Strategy & Transactions“ bei Deloitte hat beim WirtschaftsTalk der Kleinen Zeitung im Lokal Goldkost in Graz zur Expertenreise durch die Welt der Bewertungsmodelle geladen.
Die Gäste aus der steirischen Wirtschaft stellten schnell fest: Das ist keine spröde Materie. Zweifellos, so Pellet, sei die Prognostizierbarkeit aufgrund globaler Unwägbarkeiten und Krisen schwieriger geworden. Doch „trotz der gestiegenen Komplexität ist die Unternehmensbewertung weiterhin unerlässlich. Sie wird für Entscheidungen wie Zukäufe, Verkäufe, die Durchführung von Investitionsprojekten, finanzielle Beteiligungen oder steuerliche Fragen benötigt.“
„Jeder Fall muss individuell betrachtet werden“
Mit vielen anschaulichen Beispielen aus der Praxis veranschaulichte Pellet vor allem, wie man mit diesen Unsicherheiten in der Unternehmensbewertung umgeht, denn das sei entscheidend. „Früher basierten Business-Pläne oft auf eindimensionalen Zahlen-Sets.“ Heute sei es jedoch wichtiger, „die Welt in mehreren möglichen Szenarien zu betrachten“.
Pellet: „Früher konzentrierte man sich auf detaillierte Zahlenmodelle; heute geht es mehr um das Geschäftsmodell, die strategische Planung, die Auswirkungen von Umfeldveränderungen und die Rolle von Digitalisierung.“
So sei es essenziell, zu hinterfragen, ob das aktuelle Geschäftsmodell beispielsweise auch in drei Jahren noch relevant sein wird. Unternehmensbewertung sei bisweilen „eher eine Kunst als eine exakte Wissenschaft – valuation is art, not science“. Jeder Fall müsse individuell betrachtet werden. „Wenn ein Tischler im Südburgenland seine Kunden hauptsächlich über persönliche Beziehungen gewinnt, muss bei einem Inhaberwechsel geprüft werden, inwieweit diese Kundenbeziehungen übertragbar sind, erklärt Pellet.
Für Diskussionsstoff war gesorgt
Die Frage sei daher, „wie solche immateriellen Werte in der Praxis bewertet werden; es gibt selten nur Schwarz oder Weiß, sondern oft Graubereiche.“ Viele Unternehmen würden Bewertungen nicht nur für den Verkauf oder für Übernahmen und Investitionen nutzen, „sondern auch als strategische Standortbestimmung“.
Pellets Ausführungen sorgten für viel Diskussionsstoff beim WirtschaftsTalk, zu dem Geschäftsführerin Xenia Daum und Andreas Prückler von der Kleinen Zeitung geladen hatten. Unter den Gästen waren Dagmar Eigner-Stengg (Steiermärkische Sparkasse), Daniela Fallmann (Real Ästhet - Immo GmbH), Otmar Lankmaier (Oberösterreichische Versicherung), Stefan Lorenzoni (BT-Group), Wolfgang Marsalek (MAWO Immobilien), Sabrina Monschein und Wolfgang Wesener (Moore BG&P Wirtschaftsprüfung), Andreas Neussl (Steindorff Immobilien), Katharina Pölzer (Sanlas Holding), Birgit Rami-Jauk (PJM), Hannes Schreiner (Technopark Raaba), Sabine Skorka (Bankhaus Spängler), Heidi Stelzer (Immo Circle), Ulrich-Simon Terkl (BKS Bank), Michael Viet (Payer Group) sowie Achim Wippel (Hikimus).