„Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau, und können wir für die Steiermark, im Gegensatz zu Gesamtösterreich, von keinem positiven Funken in puncto Fallzahlen sprechen“, sagt René Jonke. Der Regionalleiter Süd beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV) verweist auf die erste Hochrechnung der steirischen Insolvenzzahlen im ersten Quartal. Demnach wurden in den ersten drei Monaten des Jahres steiermarkweit 198 Unternehmensinsolvenzen registriert – ein Anstieg um 13,8 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Eine Trendumkehr ist kurzfristig nicht zu erwarten, zumal gerade in den vergangenen Wochen neue Krisenherde aufgetreten sind, die Potenziale haben, negativen Einfluss auf die heimische Wirtschafts- und Insolvenzentwicklung zu nehmen“, so Jonke. Als „Alarmsignal“ sei der Umstand zu werten, dass die mangels Masse nicht eröffneten Insolvenzfälle um zehn Prozent zugelegt haben und in Summe bereits 27 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in der Steiermark ausmachen. Es sind also immer mehr Betriebe nicht mehr in der Lage, die Kosten in der Höhe von 4000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren aufzubringen. Dadurch würden die finanziellen Verluste der Gläubiger noch weiter steigen, so Jonke.

Die am stärksten von Insolvenzen betroffenen Branchen sind in der Steiermark weiterhin der Handel (33 Fälle) und die Bauwirtschaft (25 Fälle). Es gibt aber Unterschiede. Es sei erfreulich, dass es im Handel mit einem Minus von drei Prozent und auch in der Gastronomie (minus 11 Prozent) zu spürbaren Rückgängen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gekommen sei. In der Produktionswirtschaft gab es hingegen einen Anstieg um 75 Prozent auf 21 Fälle und auch in der Bauwirtschaft wurde ein Plus von 4,2 Prozent verzeichnet. Jonke: „Es ist für die Steiermark allerdings kein positives Signal, dass insbesondere in Branchen mit vielen Arbeitsplätzen zuletzt deutlich mehr Insolvenzfälle zu verzeichnen waren als noch vor einem Jahr.“

René Jonke, Leiter Region Süd beim KSV1870
René Jonke, Leiter Region Süd beim KSV1870 © Furgler/KSV

750 bis 800 Firmenpleiten in der Steiermark

Die vorläufigen Passiva haben sich im ersten Quartal laut der KSV-Hochrechnung indes aufgrund steigender Großinsolvenzen um knapp 415 Prozent auf 345 Millionen Euro nach oben geschraubt. „Einen wesentlichen Teil an dieser Entwicklung tragen allein die Konkursverfahren der Firmen LL-resources GmbH und jene der Domaines Kilger GmbH & Co KG bei, welche in Summe vorläufige Passiva in der Höhe von rund 213 Millionen Euro ausweisen“, so der Kreditschutzverband. Parallel dazu habe sich zudem die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter auf rund 1270 Personen fast verdoppelt (plus 94 Prozent).

Wie geht‘s im Gesamtjahr weiter? Vor dem Hintergrund der globalen Spannungen und der bestehenden wirtschaftlichen Entwicklungen sei „eine seriöse Prognose für das heurige Insolvenzjahr zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich“, so Jonke. „Aus heutiger Sicht erwarten wir als KSV1870 im Jahresverlauf für die Steiermark keinen Rückgang bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen“, so Jonke. „Neben den bestehenden und neuen globalen Krisenherden wird auch abzuwarten sein, in welcher Form das unverändert hohe Kostenniveau weiterhin Einfluss nehmen wird.“ Für das Gesamtjahr 2026 erwartet man aus heutiger Sicht 750 bis 800 Firmenpleiten in der Steiermark.