Die WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala sieht den globalen Handel in der größten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Wir erleben gerade die schlimmsten Verwerfungen der letzten 80 Jahre“, sagte sie gegenüber der „Welt“. Dennoch finde der Warenaustausch rund um die Erde weiter zu fast drei Vierteln gemäß WTO-Vorschriften statt, ergänzte die nigerianische Ökonomin. „Die große Mehrheit der Mitglieder wendet unser Regelwerk an“, sagte Okonjo-Iweala. „Nicht alles ist kaputt.“

In den vergangenen Monaten verhängte US-Präsident Donald Trump Zölle gegen viele Staaten der Welt und missachtete dabei wohl WTO-Regeln. Okonjo-Iweala verteidigte die USA allerdings und sieht in dem Land sogar einen Motor für nötige Veränderungen. „Wir schätzen die USA als Mitglied und freuen uns, dass sie dabei sind“, sagte sie. „Und es ist doch gut, wenn die WTO-Staaten nun – anders als vielleicht zuvor – bereit sind, schwierige Reformen anzupacken.“

WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala
WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala © AFP/Fabrice Coffrini

„Koalitionen der Willigen“

Okonjo-Iweala will die WTO, die derzeit teilweise von den USA blockiert wird, wieder handlungsfähiger machen. „Einzelne Mitglieder könnten sich zum Beispiel öfter als bisher zu sogenannten Koalitionen der Willigen zusammenschließen“, schlug sie vor. „Also zu Gruppen innerhalb der WTO, die dann gemeinsam Regeln entwickeln und Entscheidungen treffen.“

Der Iran-Krieg sorgt derzeit für stark gestiegene Ölpreise. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass der Iran nach Angriffen der USA und Israels die Straße von Hormus faktisch gesperrt hat. Jeweils 20 Prozent der globalen Öl- und Gaslieferungen gehen in der Regel durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman.