Steyr Automotive des Investors Siegfried Wolf hat mit der Produktion von Lkw für den chinesischen Konzern Sinotruk begonnen. Am Dienstag lief der erste in Europa gefertigte Laster der Chinesen in Steyr vom Band, bestätigte ein Werkssprecher einen Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten. Zwischen 600 und 800 Stück, dieselbetriebene und vollelektrische Modelle,, sollen heuer hergestellt werden. Vor einem halben Jahr war der Vertrag für die Auftragsfertigung abgeschlossen worden, jetzt arbeitet man mit der sogenannten Montage in SKD-Bauweise. Dabei werden ganze Fahrzeuge zerlegt und deren technische Komponenten (teilmontiert) von China nach Europa gebracht und eben im Werk in Steyr endmontiert.

Nächste Stufe wäre die CKD-Fertigung (Einzelteile) samt Kabinenfertigung und Lackierung in Steyr. Die Fertigungstechniken sind in Graz bestens bekannt: Magna baut die chinesischen Autos ebenso nach der SKD-Methode. In Graz will man die Wertschöpfung genauso stufenweise erhöhen und auch mit lokalen Zulieferern arbeiten

Die Pläne der Chinesen bei Steyr Automotive

Sinotruk mit Sitz in Jinan habe zuletzt 359.000 Nutzfahrzeuge, Busse und Spezialfahrzeuge im Jahr hergestellt. Mit dem Verkauf der in Steyr gefertigten Lkw wollen die Chinesen in den europäischen Markt einsteigen sowie im Mittleren Osten und in Nordafrika reüssieren. Der Geschäftsführer von Steyr Automotive, Florian Mayrhofer, spricht von einer „Riesenperspektive“, das Werk komme wieder in die industrielle Fertigung von Lkw.

Eigentümer Wolf glaubt sogar, dass Steyr Automotive eine höhere Betriebsleistung als zu MAN-Zeiten und wieder mindestens 2000 Mitarbeiter haben werde. Wolf hatte 2021 das MAN-Werk in Steyr übernommen, um es vor der vom deutschen Lkw-Bauer MAN geplanten Schließung zu retten.

Daran arbeitet Steyr Automotive

Die Kapazität in Steyr betrage zum Beispiel aktuell bis zu 25.000 schwere Lkw pro Jahr im Zwei-Schicht-Betrieb. Laut Mayrhofer seien die Geschäftsbereiche Lackierung und Stapler stabil, im Sektor Aufbauten für Müllfahrzeuge werde expandiert. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von Anfang 2025 um 150 auf rund 1100. Insgesamt führt man bei Steyr derzeit vier Produktionsgebiete an:

MUT Spezialfahrzeuge: Dabei handelt es sich um „Aufbauten für Abfallsammlung und Straßenreinigung – entwickelt und gefertigt in Oberösterreich.
Auftragsfertigung: Hier führt Steyr Automotive nach eigenen Angaben „Skalierbare Produktionskapazitäten für OEMs und Industriepartner – mit höchsten Standards in Produkt- und Prozessqualität“ an.
Paint: Dabei wird „eine der größten und modernsten Lackieranlagen Europas für Kunststoff-, Metall- und Carbonteile, inklusive KTL-Beschichtung (kathodische Tauchlackierung) für langlebigen Korrosionsschutz“ beschrieben.
Engineering: Ein wichtiger Baustein in der Wolf-Strategie: „Entwicklung und Industrialisierung innovativer Fahrzeuglösungen – vom Konzept bis zur Serienreife“, wie Steyr Automotive es ausdrückt.

Investor Siegfried Wolf samt Team und Partnern: Neue Hoffnung für Steyr
Investor Siegfried Wolf samt Team und Partnern: Neue Hoffnung für Steyr © KK