Die Anspannung war enorm, die Gerüchteküche brodelte unter Hochdruck: 2018 stand beim US-Elektroauto-Pionier eine historische personelle Weichenstellung an. Es musste ein Ersatz für Elon Musk an der Spitze des Verwaltungsrats gefunden werden. Tesla ist Musk, Musk ist Tesla – dieses Prinzip gilt weitgehend bis heute, in guten wie in schlechten Zeiten, von denen es gerade in jüngerer Vergangenheit doch so einige gab. Zurück ins Jahr 2018: Auch damals waren die Zeiten bei Tesla bisweilen holprig. Musk lieferte sich immer wieder Auseinandersetzungen mit der US-Börsenaufsicht. Rund um die Nachfolgelösung kristallisierte sich daher vor allem diese Frage heraus: „Wer bändigt Musk?“

Die Wahl fiel auf Robyn Denholm, eine gebürtige Australierin, die bereits seit 2014 im Tesla-Verwaltungsrat vertreten war. Die Erwartungshaltungen waren groß. Schon bei ihrer „Inthronisierung“ gingen die Reaktionen von Investoren auseinander: Die einen sahen in ihr die richtige Wahl, weil sie zwar den Respekt von Musk genieße, aber nicht zu eng mit ihm sei. Andere urteilten gegenteilig und verorteten sie in „Musks innerem Zirkel“.

Bemerkenswerte Laufbahn

Die heute 62-jährige gebürtige Australierin war damals erst kurz zuvor zur neuen Finanzvorständin des Telekomkonzerns Telstra in ihrem Geburtsland aufgestiegen. Als der Spitzenjob bei Tesla konkret wurde, brach sie dort ihre Zelte ab, behielt aber einen Wohnsitz in Australien. Die studierte Betriebswirtin war früher u. a. auch für Juniper Networks und Sun Microsystems tätig, erste Erfahrungen in der Autoindustrie eignete sie sich als Finanzchefin von Toyota Australia an. Ihr Werdegang ist bemerkenswert: Aufgewachsen in eher einfachen Verhältnissen nahe Sydney arbeitete sie zunächst in der elterlichen Tankstelle.

Kritische Stimmen

Dass sie einmal weltweit im Rampenlicht stehen würde, war jedenfalls nicht absehbar. Am heutigen Donnerstag ist das aber der Fall. Die Tesla-Aktionäre stimmen über ein bizarr hohes Vergütungspaket für Elon Musk ab, das eine nicht minder bizarre Vorgeschichte hat. Dieses Paket könnte Musk in den nächsten zehn Jahren umgerechnet bis zu 868,5 Milliarden Euro, eine Billion US-Dollar, in Form von Aktien einbringen, wenn entsprechende Unternehmensziele erreicht werden. Denholm wirbt offensiv für die Annahme und warnt: Wird es abgelehnt, könnte Musk, dessen Fähigkeiten sie hymnisch hervorhebt, den Konzern verlassen.

Durch Tesla-Aktienverkäufe hat Denholm über die Jahre übrigens auch selbst einige hundert Millionen Dollar verdient, wie die New York Times vorrechnet. Zumindest die Frage, wie es um die Nähe zwischen Chefkontrolleurin Denholm und „Mastermind“ Musk bestellt ist, lässt sich aus Sicht der Kritiker mittlerweile eindeutig beantworten.