Billion? Das muss ein Fehler sein, da weiß wieder einmal jemand nicht, dass „billion“ auf Englisch für „Milliarde“ steht – bis vor Kurzem waren das die – durchaus nachvollziehbaren – Reaktionen über jenes Vergütungspaket, das heute zur Abstimmung steht. Mittlerweile hat sich durch die weltweite Aufmerksamkeit aber herumgesprochen, dass es tatsächlich um die unvorstellbare Summe von bis zu einer Billion US-Dollar (868,5 Milliarden Euro) geht, die „Mr. Tesla“ Elon Musk in Form von Aktien erhalten soll, wenn die Aktionäre heute zustimmen.

Doch um was geht es dabei eigentlich genau? Dafür muss man zunächst einige Jahre zurückblicken. Bereits 2018 war bei Tesla ein milliardenschweres Vergütungspaket für Musk, der selbst knapp 13 Prozent der Anteile am E-Auto-Hersteller hält, geschnürt und abgesegnet worden. Ein Gericht in Delaware hat dem aber erst vor wenigen Monaten einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Paket gekippt. Der Vorwurf: Es sei gemeinsam mit den Tesla-Aufsehern ausverhandelt worden, die dafür aber nicht unabhängig genug agiert hätten.

Wie ein „Flug zum Mars“? Eher nicht

Daher hieß es: Zurück an den Start. Tesla verlegte den Firmensitz kurzerhand nach Texas. Für Musk, der laut dem Magazin „Forbes“ heuer als weltweit erster Mensch ein Vermögen von 500 Milliarden US-Dollar erreicht hat, geht es nun um ein neues Vergütungspaket, das noch viel wuchtiger ausfallen würde, unterm Strich 18 Mal so hoch wie das gescheiterte Paket. Sollte der Plan genehmigt werden, wäre es das mit Abstand höchste Vergütungspaket, das je einem Manager zugesprochen wurde. Die Auszahlung in Form von Aktien wäre in zwölf Etappen vorgesehen. Musk würde aber wie schon bei früheren Vereinbarungen kein Gehalt oder einen Barbonus erhalten.

Kursverlauf der Tesla-Aktie

Erreicht er alle Ziele, wären ihm weitere rund zwölf Prozent der Aktien sicher – Gegenwert: 1,03 Billionen Dollar. Um welche Ziele geht es dabei? Es sind teilweise sehr, sehr ehrgeizige darunter, bei Tesla selbst sprach man davon, dass Musk, um das volle Paket zu erhalten, Ziele erreichen müsse, die einem „Flug zum Mars“ gleichen. Der Börsenwert von Tesla müsste etwa in den kommenden zehn Jahren um rund 7,5 Billionen Dollar gesteigert werden, mehr als fünfmal so viel wie derzeit. Ziele werden u. a. auch hinsichtlich Künstlicher Intelligenz, autonomes Fahren, Robotik sowie Gewinn festgelegt.

Einige davon sind sehr ambitioniert, andere eher überschaubar, wie eine Reuters-Analyse zeigt. Demnach genüge es, eine Handvoll der einfacheren Ziele zu erreichen, um Musk mehr als 50 Milliarden Dollar einzubringen. Ein Beispiel: Verkaufe Tesla im Schnitt der nächsten zehn Jahre pro Jahr 1,2 Millionen Fahrzeuge, erhält er Aktien im Wert von 8,2 Milliarden Dollar – vorausgesetzt, Teslas Börsenwert steigt von derzeit knapp 1,5 Billionen auf zwei Billionen Dollar im Jahr 2035. Das wären aber, so die Analyse, jährlich eine halbe Million Fahrzeuge weniger als Tesla im Jahr 2024 verkauft hat.

(FILES) An aerial view shows cars parked at the Tesla Fremont Factory in Fremont, California on February 10, 2022. Shares of Tesla rebounded on April 2, 2025, following a report Elon Musk would soon retreat from his work for President Donald Trump's administration, a role that has weighed on his electric car brand. (Photo by JOSH EDELSON / AFP)
Tag der Entscheidung: Die Aktionäre des Elektrofahrzeug-Herstellers sind zur Abstimmung aufgerufen © AFP/Josh Edelson

Tesla-Verwaltungsratschefin Robyn Denholm rührte zuletzt in einem Brief an Aktionäre die Werbetrommel für das Paket, um Musk für zumindest weitere siebeneinhalb Jahre an der Unternehmensspitze zu halten. Die Führung durch Musk, so Denholm, sei entscheidend für den Erfolg von Tesla bei Künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren. Auch wenn aufgrund der Anteilsverhältnisse tendenziell von einer Zustimmung (die Versammlung startet am Donnerstag um 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit) ausgegangen wird, haben sich auch gewichtige Kritiker und Gegner formiert. Der norwegische Staatsfonds lehnt als siebtgrößter Tesla-Eigner (1,12 Prozent der Anteile) auch diesmal das geplante Vergütungspaket ab. „Wir würdigen zwar die beträchtliche Wertschöpfung unter der visionären Führung von Herrn Musk, sind aber besorgt über die Gesamtgröße der Vergütung“, wird betont. Man sehe zudem eine Verwässerung der Anteile und ein hohes Risiko, das von einer einzelnen Schlüsselperson ausgehe.