Für Konsumenten, Installateure und viele Heizungsbauer waren die letzten Jahre zweifellos goldene Wechseljahre. Tatsächlich nahm die vormalige Schwarz-Grüne Regierung ein noch nie da gewesenes Budget für ihre „Sanierungsoffensive“ in die Hand. Alleine für den Zeitraum von 2023 bis 2027 sollten 3,7 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, um Menschen im Land zum Heizkesseltausch und zur thermischen Sanierung von Häusern und Wohnungen zu bewegen.
Gefördert wurde der Umstieg auf klimafreundliche, beziehungsweise als förderwürdig geltende, Heizsysteme – von Wärmepumpe über Fernwärme bis Holzheizungen. Bis zu 75 Prozent der Kosten für den Tausch wurden von der öffentlichen Hand getragen, bei sozialen Härtefällen stieg die Quote gar auf 100 Prozent. Die unmissverständliche Botschaft: Öl- und Gasheizungen sollten das Bild des Landes nicht mehr länger prägen.
Vakuum seit Dezember 2024
Seit Ende Dezember 2024 aber sind die Mittel für das, eigentlich eben bis 2027 avisierte, Programm „Raus aus Öl und Gas“ erschöpft. Neue Anträge konnten über das Programm recht plötzlich nicht mehr gestellt werden, nur bereits zugesagte Projekte werden noch abgewickelt. Zudem kam nach den Nationalratswahlen eine neue Regierung mit veränderter Ausgangslage und Schwerpunktsetzung ins Amt.
Das abrupte Förder-Aus und die damit verbundene Unsicherheit bezüglich einer Nachfolgeregelung führte indes zu einem veritablen Markteinbruch. Egal ob Private oder Unternehmen: Alle warteten mit dem Heizungstausch zu, Installateure berichteten von einem Bestellstopp.
„Zeiten überhöhter Klimaförderungen vorbei“
Geht es nach der jetzigen Regierung, soll ab sofort wieder Klarheit herrschen. Am Freitag wurden die neuen Fördermodalitäten vorgestellt, vermarktet als „Sanierungsoffensive Neu“.
Zentral sind dabei zwei prinzipiell bekannte Instrumente: Der Kesseltausch für „klimafreundliche Heizsysteme“ und der Sanierungsbonus für die „thermisch-energetische Sanierung“, also das Tauschen von Fenstern oder das Dämmen von Fassaden. Der große Unterschied zum bisherigen Modell besteht in der Förderquote. Diese wird nämlich auf „maximal 30 Prozent reduziert“, wie es von Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig heißt. Denn: „Die Zeiten überhöhter Klimaförderungen sind vorbei“.
Auch die Füllung des Fördertopfes erinnert nicht mehr an vergangene Zeiten. In Summe stehen in den kommenden fünf Jahren nämlich 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung – also halb so viel wie in Zeiten der schwarz-grünen Regierung. Die jährliche Obergrenze von 360 Millionen Euro soll ab dem Beginn 2026 zudem garantieren, dass der Fördertopf nicht wieder frühzeitig leergeräumt wird.
Wie viele Anträge man damit zu unterstützen denkt? Als Ziel formuliert Norbert Totschnig zunächst einmal 30.000 getauschte Kessel pro Jahr. Zum Vergleich: 2023 wurden 38.000 Heizkessel getauscht. 2024 waren es gar 57.000. Und zur Orientierung: Noch immer sind österreichweit laut Statistik Austria rund 1,3 Millionen Erdgas- und Heizölheizungen in Betrieb.
Anträge ab Mitte November
Die Registrierung und Antragstellung für die neue Förderung soll jedenfalls ab Mitte November online via sanierungsoffensive.gv.at möglich sein. Leistungen für den Kesseltausch werden aber bereits ab sofort, also ab 3. Oktober, anerkannt. Eine Kombination mit Förderungen aus den Bundesländern soll weiter möglich sein.
Zugleich wird das Registrieren künftig „verbindlicher gestaltet“, heißt es am Freitag. Schon im ersten Schritt ist deswegen „der Nachweis einer Energieberatung zu erbringen sowie eine Authentifizierung per ID Austria oder Ausweiskopie notwendig“.