Der Sonntag gilt seit mehr als 1700 Jahren als arbeitsfrei. Kaiser Konstantin der Große war es, der am 3. März 321 in einem für das Christentum wichtigen Edikt befohlen haben soll, dass „am Tag der Sonne alle Richter, ebenso das Volk in den Städten, sowie die Ausübung der Künste und Handwerke ruhen“ sollen. In manchen Bereichen ist Sonntagsarbeit notwendig. Im Handel aber ist in Österreich trotz diverser Ausnahmen wie Verkaufstätigkeiten in Tourismusorten, Bahnhofs-Shops, Tankstellen und Sportgeräteverleih die Ladenöffnung am Sonntag grundsätzlich verboten. Wird aber immer wieder diskutiert. Spätestens seit den Bestrebungen des verstorbenen Baumeisters und Lugner-City-Betreibers: „Leben wir denn in einer Planwirtschaft, wo ein Zentralkomitee festlegt, was man am Tag des Herren tun darf?“ So die Worte von Richard Lugner.

Die Sonntagsöffnung im stationären Einzelhandel polarisiert. Die Gewerkschaft protestiert dagegen mit den Argumenten, die Sonntagsöffnung verschiebe nur die Einnahmen bzw. Gewinne. Sie würde die Kinderbetreuung zu einem noch größeren Problem machen. Außerdem würden die Handelsangestellten keine Sonntagsarbeit verrichten wollen.

Auf den Fotos: Ernst Gittenberger, Christoph Teller, Nikolaus Gstättner, Raimund Haberl
Studienautoren Ernst Gittenberger, Christoph Teller © Traussnig

Was aber sagen die Kunden? Würden sie am Sonntag einkaufen bzw. shoppen gehen? Dieser Frage ist jetzt das Institut für Handel, Absatz und Marketing der Uni Linz nachgegangen. Die Umfrage zeigt ein erstaunliches Gefälle zwischen Wien und den Bundesländern. 63 Prozent der Wiener Bevölkerung würde am Sonntag zumindest hin und wieder einkaufen gehen. In den Bundesländern würden es laut den Studienautoren Ernst Gittenberger und Christoph Teller hingegen nur 48 Prozent tun. Das hängt aber auch damit zusammen, dass in den Bundesländern Ausnahmeregelungen in Form von Tourismuszonen bestehen. In Wien aber nicht: Hier ist die Sonntagsöffnung beschränkt(er) - zum Beispiel auf Bahnhöfe.

„Sonntags mehr Ruhe zum Einkaufen“, sagen die Jungen

Das Interesse am Sonntagseinkauf nimmt mit zunehmendem Alter der Konsumenten - in Wien - ab. Während 74 Prozent in der Generation Z (Geburtsjahre 1997 bis 2012) gerne auch am Sonntag im stationären Einzelhandel in Wien einkaufen würden, sinkt das Interesse am Sonntags-Shopping mit steigendem Alter. In der nächstälteren Generation Y (Geburtsjahre 1981 bis 1996) trifft dies auf 67 Prozent zu. Ihr Argument: Der Sonntag brächte mehr Ruhe beim Einkaufen. 56 Prozent der Wiener und Wienerinnen in der Generation X (Geburtsjahre 1965 bis 1980) würden zumindest ab und zu an Sonntagen einkaufen gehen. Von jenen mit Geburtsjahren von 1946 bis 1964 können sich nur 53 Prozent einen Sonntagseinkauf vorstellen, weil damit der Wiener Einzelhandel unterstützt werden könnte - im Wettbewerb mit Online-Anbietern.

„Geschlossene Geschäfte am Sonntag gehören zur Kultur“, sagen die Älteren

Der Hauptgrund gegen einen Sonntagseinkauf ist, dass geschlossene Geschäfte am Sonntag in Österreich bzw. Wien zur Kultur gehören. Und, dass die Angestellten im Einzelhandel am Sonntag frei haben sollten.

Der Hauptgrund für den Sonntagseinkauf, ist der Kurzfristbedarf. Vor allem Lebensmittel und Drogerie-Bedarf würden die Menschen sonntags gerne einkaufen können. Für Mode, Möbel oder Heimwerkerbedarf hingegen sei es weniger relevant, sie ausgerechnet am Sonntag einzukaufen.

Gittenberger und Teller betonen, dass „unsere Studienergebnisse nur die Perspektive einer Anspruchsgruppe widerspiegeln: die der Konsumenten. Eine Ausdehnung der bestehenden Ladenöffnungszeiten betrifft das ganze soziale Gefüge: Freizeit, Wochenstruktur, Arbeitswelt.“ Institutsvorstand Teller ergänzt: „Jede Veränderung hat einen Grenznutzen – und einen Preis. Wer nur auf Wünsche hört, läuft Gefahr, das Gleichgewicht aus den Augen zu verlieren.“

ABD0100_20241127 - WIEN - ÖSTERREICH: ++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Supermarkt / Lebensmittel / Handel / Warenkorb / Teuerung / Inflation / Wirtschaft; aufgenommen am Mittwoch, 27. November 2024, in einem Supermarkt in Wien. - FOTO: APA/GEORG HOCHMUTH
Lebensmittel würden am Sonntag schon gerne gekauft werden können. Supermärkte würden profitieren © APA / Georg Hochmuth