„Kärnten und die Steiermark spielen nicht gegeneinander, sondern der Süden gegen den Rest von Österreich“, sagt der Geschäftsführer des Kärntner Arbeitsmarktservice (AMS), Peter Wedenig. „Wir starten aus einem strategischen Nachteil heraus, der Süden ist lange Zeit vernachlässigt worden.“
Mit der Koralmbahn ändert sich nun – um im Bild zu bleiben – Spielfeld und Team. Zwei Stunden Wegzeit (hin und retour) sind Arbeitnehmern in Vollzeit zumutbar, bisher endete die Vermittlung meist an der Landesgrenze. Künftig wird diese im Raum zwischen Klagenfurt und Graz möglich, so Wedenig.
Mit der Änderung der Mobilität ändere sich der Job- und der Wohnungsmarkt, „zwei zentrale Fragen des Lebens“, so Wedenig. „Wir stehen vor einer historischen Zeitenwende.“ Das AMS bereite sich bereits darauf vor, die Durchlässigkeit der Jobangebote zu erhöhen und Angebote in beiden Bundesländern zuzuweisen.
Zweitgrößter Wirtschaftsraum nach Wien
„Wir stimmen uns mit Kärnten bereits eng ab“, bestätigt Karl-Heinz Snobe, Geschäftsführer des AMS Steiermark. Wenn die Koralmbahn Mitte Dezember den Personenverkehr aufnimmt, verkürzt sich die Zeit fürs Pendeln. Es entsteht nach Wien der zweitgrößte Wirtschaftsraum. Was zwischen Wien und dem Burgenland und Wien und Niederösterreich heute selbstverständlich ist, das Pendeln, erhofft sich Snobe dann auch für die Steiermark und Kärnten. Aktuell definiert das steirische AMS sechs Regionen mit einer Arbeitslosenquote über fünf Prozent, darunter sind neben Graz auch Deutschlandsberg, Voitsberg und Leibnitz, teilweise Anrainer der im Fertigwerden befindlichen neuen Bahntrasse.
„Aus Angebot darf keine Angst entstehen“, so Wedenig: „Der größere Markt ist weder für Arbeitsuchende noch für Dienstgeber ein Nachteil.“ Zum Start will Wedenig eine Idee verwirklichen: „Ein Speeddating in einem angemieteten Waggon zwischen Graz und Villach mit Arbeitgebern und Arbeitssuchenden.“ Um „den Markt in den Köpfen der Leute“ zu öffnen. In der Steiermark begrüßt man das. Immer wieder brachte man bei eintägigen Jobmessen (etwa in der Wirtschaftskammer) Unternehmen und Jobsuchende erfolgreich zusammen.
Derzeit wenig Licht am steirischen Arbeitsmarkt
„Mit der Koralmbahn entstehen neue Chancen für die Arbeitsmarktpolitik“, betont Snobe. Er denkt unter anderem an gemeinsame Qualifizierungsmaßnahmen, deren Planung bis jetzt an den Bundesländergrenzen geendet hat. Es entstehe ein neuer Bildungsraum. Dennoch sei auch viel Bewusstseinsarbeit notwendig, der entstehende gemeinsame Wirtschaftsraum „muss vor allem in die Köpfe der AMS-Führungskräfte“, so Snobe. Kommende Woche findet in Leibnitz deshalb eine AMS-Tagung statt – Titel: „Die Koralmbahn und ihre Chancen für die Steiermark“.
Zum Start des zweiten Halbjahres blieb der negative Trend auf dem steirischen Arbeitsmarkt unverändert, exakt 42.305 Personen waren ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 5,9 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen, die Unternehmen dem AMS meldeten, sank im Vorjahresvergleich um 18 Prozent auf knapp unter 11.000. Snobe: „Hinsichtlich einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt werden wir in der Steiermark noch etwas warten müssen.“ Zwar zeigen die Konjunkturprognosen einen leichten Aufwärtstrend, in der Industrie ist dieser aber noch nicht angekommen.