Eine bessere wirtschaftliche Entwicklung Ende 2024 und zum Jahresanfang stimmt die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS etwas optimistischer für das Gesamtjahr als noch Ende März. Die österreichische Wirtschaft werde stagnieren (Wifo) bzw. um 0,1 Prozent (IHS) wachsen, so die Institute in ihrer am Donnerstag präsentierten Sommerprognose.

Die Konjunkturforscher warnen vor einer deutlich gefallenen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren. IHS-Direktor Holger Bonin verwies bei der Datenpräsentation auf die „zunächst gute Nachricht“, dass es nun Anzeichen dafür gibt, dass Österreichs Wirtschaft die Talsohle endlich erreicht und nicht mehr schrumpft. Im nächsten Jahr sollte man „wahrscheinlich zurück auf Wachstumskurs kommen, das gilt auch für die gebeutelte Industrie“. Bonin relativiert dennoch: Österreich bleibe im internationalen Vergleich dennoch hinten nach, „wir holen also nicht auf, sondern verlieren weiter an Boden“, so Bonin. Unsicherheiten bleiben ebenso hoch wie der Reformdruck, „die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern“, so sein Appell.

In der ZiB2 am Donnerstagabend betonte Bonin, dass die Stimmung weiterhin fragil sei. Dennoch registriere man nun auch positive Signale, die heuer zumindest eine Stagnation und 2026 wieder positive Wachstumsaussichten für Österreich bringen. Sorgenkind bleibe vorerst die Industrie, die heuer ein weiteres Rezessionsjahr durchlebe, hier sollte 2026 aber auch bergauf gehen. Die Bauwirtschaft erholt sich „nach einer langen Durststrecke“ langsam wieder. Überraschend sei, dass der Tourismus trotz Nächtigungsrekorden aufgrund gestiegener Kosten eine Wachstumsschwäche durchlebe, hier habe die Produktivität und die Wertschöpfung gelitten, so Bonin.

„Doppelbudget ernsthaft exekutieren und umsetzen“

Österreich profitiere derzeit – indirekt – eher von externen Effekten, etwa davon, dass die neue deutsche Bundesregierung große Investitionen angestoßen hat, was den Export auch in Österreich begünstigt. Auch gewisse „Verbesserungszeichen in der deutschen Autoindustrie“ wirken positiv. Im Inland habe sich der Konsum mittlerweile wieder etwas belebt.

Deutlich wird Bonin beim Thema Budgetsanierung. Aus seiner Sicht sei es klar, dass auch nach dem Doppelbudget, also nach zwei Jahren „weiter sparen muss“. Zunächst gehe es darum, „das Doppelbudget ernsthaft zu exekutieren und umzusetzen“. Damit ist es aber nicht getan, denn, so Bonin: „Die Budgetlage ist wirklich dramatisch.“ Den finanziellen Spielraum für die Zeit nach 2026 „,muss man sich erst schaffen“.

Teilweise auch Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate

Österreich sei in drei Bereichen „unrühmlicher negativer Spitzenreiter“, so Bonin im Zuge der Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. Der Ökonom nennt ebenfalls die Inflationsrate, die seit 15 Jahren höher ausfällt als der Eurozonen-Schnitt. Über den Weg der Lohn- und Gehaltsabschlüsse, die dadurch ebenfalls entsprechend höher als in anderen Ländern ausgefallen sind, hat sich die Wettbewerbsfähigkeit sukzessive verschlechtert. Müssten Lohnabschlüsse heuer unter der Inflationsrate ausfallen? Das sei Sache der Sozialpartner, so Bonin in der ZiB2. Es brauche aber jedenfalls „sehr differenzierte Lohn- und Gehaltsabschlüsse“, die darauf abzielen, was sich eine Branche oder auch einzelne Unternehmen leisten können. Es sei Flexibilität nötig. Das könne auch bedeuten, dass man vereinzelt in manchen Bereichen unter der Inflationsrate abschließe. Im Fokus müsse stehen, durch Abschlüsse die Beschäftigung nicht zu gefährden.

Um die Inflation nach unten zu bekommen, warnt Bonin vor direkten Preiseingriffen, „das ist das letzte Mittel der Wahl“. Vielmehr schlägt er vor, für mehr Wettbewerb, mehr Transparenz bei Preisen sowie ein Aufbrechen von Indexierungsspiralen und die Auflösung von Mangelerscheinungen etwa bei Wohnungen (durch mehr Bau) sowie bei Energie (durch ein Mehr an erneuerbarer Erzeugung) zu sorgen.

Österreich, so Bonin, sei auch beim gesetzlichen und beim effektiven Pensionsantrittsalter und damit auch bei der Beschäftigung im Alter ein Schlusslicht. Das sei auch ein Standortnachteil. Maßnahmen wie die Teilpension seien gut, Bonin fordert aber „mehr Mut zur eigenen Courage“. Auch bei den Staatsausgaben nehme Österreich einen Spitzenplatz ein – und damit auch bei der Abgabenquote.