Der „Austrian Startup Monitor“ gilt als wichtigste Quelle, um die Welt der heimischen Start-ups zu fassen. Erst vor ein paar Tagen wurde die aktuellste Auflage des einmal im Jahr erscheinenden Reports veröffentlicht. Was sich mit Blick auf die Steiermark aus den Zahlen herauslesen lässt? Zweifelsohne gilt das Bundesland als wichtige Brutstätte für die besonders innovativen und wachstumsaffinen Jungunternehmen.

Wurden laut dem Monitor seit 2013 in Summe 3707 Start-ups in Österreich gegründet, liegt die Steiermark (12,1 Prozent) als Geburtsstation noch vor Oberösterreich (11,9 Prozent) auf Platz zwei. Nur Wien – in der Hauptstadt haben fast die Hälfte (46,8 Prozent) aller heimischen Start-ups ihren Ursprung – liegt deutlich in Front.

Abseits der absoluten Zahl fällt in der Steiermark auch ein qualitativer Aspekt besonders ins Auge: Seit geraumer Zeit zeigt sich, dass das Bundesland „besonders viele akademische Spin-offs hervorbringt“, wie es im Startup Monitor heißt. Zu tun habe das mit der Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die einen besonders „guten Nährboden für Unternehmensgründungen“ darstellen würden.

Wettbewerb als Seismograf

Eine besonders gewichtige Rolle als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft spielt der Grazer Science Park, ein Inkubator für Start-ups im Hochtechnologie-Bereich mit einem zusätzlichen Schwerpunkt auf Raumfahrttechnologie.

Als entsprechend verlässlicher Indikator dafür, wohin sich die heimische Gründerszene entwickelt, gilt der Ideenwettbewerb „Start-up Idea Competition“, der am Science Park heuer zum 19. Mal über die Bühne ging. In mehreren Kategorien (Energie & Umwelt, Mobilität, Gesundheit, Digital Economy & ICT, Raumfahrt) wurden Preise für die besten Jungunternehmen vergeben – mehr als 200 Projekte wurden zuvor eingereicht. Welche Start-ups sich mit welchen Geschäftsideen besonders hervorgetan haben?

Gewinnerideen

Da wäre beispielsweise „Nanovibes“ (Lisa Strasser und Vlad Dumitru). Ein Start-up, das Energieleitungen – also etwa Stromtrassen oder Fernwärmenetze – rund um die Uhr und in Echtzeit überwacht. Möglich wird das durch faseroptische Messverfahren, die selbst kleinste Vibrationen, Temperaturschwankungen oder akustische Signale entlang der Leitung präzise erfassen können.

Ebenfalls ausgezeichnet: Ein Duo der TU Graz (Lukas Reinisch und Georg Kurzmann), das ein intelligentes Rückholsystem für Wetterballons entwickelte, bei denen eingesetzten Sensoren und Elektronikmodule zurzeit nach der Landung noch oft verloren gehen. In der Kategorie „Gesundheit“ setzte sich Markus Hochegger-Krawanja mit „PureSurf“ durch. Das Start-up des Chemikers erzeugt Tenside – also Stoffe, die in Shampoos, Zahnpasta und Duschgels zum Einsatz kommen – umweltfreundlicher als es bis dato der Fall ist.

Das Start-up RiskOpex rund um Gründer Johannes Chudoba überzeugte wiederum mit der Idee, Risikobewertungen für Entscheidungsträger zu vereinfachen. Und in der Kategorie „Mobilität“ gewann das internationale Team von Palletrix den Ideenwettbewerb. Mit einer Lösung, die Beladung von Paletten und Lkws mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality zu optimieren.

„Was morgen Märkte transformiert, lässt sich hier oft in einem sehr frühen Stadium erkennen – in Form erster Prototypen, Geschäftsideen und technologischer Ansätze“, fasst Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler den Wettbewerb zusammen. Dieser habe gezeigt, dass Start-ups „nicht mehr nur in Produkten oder Services denken“. Mössler: „Sie denken in Systemen, Infrastrukturen und Plattformen“.