Der Mai wird für den Kärntner Tourismus ein durchwachsener Monat gewesen sein - trotz der vielen Feiertage. Viele Betriebe haben gar nicht erst aufgesperrt: Personalmangel, Personalkosten, die sich für bloße Wochenend-Buchungen nicht rentieren. Jetzt steht die für Kärnten so relevante Sommersaison bevor, in der zwei Drittel der Nächtigungen erwirtschaftet werden. Im Vorjahr waren es über 13 Millionen. Rund die Hälfte der 2000 Kärntner Hotelbetriebe erwartet für heuer eine bessere oder zumindest gleich gute Buchungslage, aber ihr Optimismus ist getrübt. „Sechs von zehn Hotelbetrieben geben an, die Preise erhöht zu haben. So steigt zwar der Umsatz, aber nicht der Ertrag, weil wir nicht alle Kosten weitergeben können. Die Mehrheit rechnet sogar mit sinkenden Erträgen“, zitiert Fachgruppenobmann Sigi Moerisch aus einer aktuellen Onlineumfrage. „Es wird also weniger oder gar nix verdient.“
Die Hotels gehen für diesen Sommer von einer durchschnittlichen Nächtigungsdauer ihrer Gäste von 4,3 Nächten aus. Die Suche nach Saisoniers läuft. Durchschnittlich braucht jedes Haus noch mindestens fünf zusätzliche Mitarbeiter. „Das bedeutet, dass 2000 Arbeitskräfte im Kärntner Sommertourismus bis dato fehlen“, sagt Wolfgang Kuttnig, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Zwei Drittel der Betriebe wird am Ende nicht genug Personal finden. „Das führt dazu, dass sie ihre Gäste nicht angemessen bedienen können oder sogar abweisen müssen“, so Kuttnig. „Manche fragen sich, wie sie überhaupt noch die Halbpension bespielen bzw. in der Lage sind, ein Hotelrestaurant zu führen. Es ist einfach so, dass es am Arbeitsmarkt zu wenig qualifizierte Menschen gibt.“ Hier fordern die Branchenvertreter - abgesehen von Drittstaaten-Kontingenten - einmal mehr eine steuerliche Entlastung von Überstunden und ein steuerfreies Einkommen oder die Streichung von Sozialversicherungsbeiträgen für arbeitswillige Pensionisten. Moerisch: „Das sind tausende Personen, die auf einen Schlag am Arbeitsplatz wären. Sie zu bestrafen ist einfach nur dämlich.“
Klassisch fremdfinanziert
Immerhin 52 Prozent der Beherbergungsbetriebe wollen in den nächsten zwölf Monaten investieren. Was gut klingt, sind aber in Wahrheit meist bloße Ersatzinvestitionen, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Kaum Innovationen, neue Angebote, zusätzliche Betten. Es fehlt - bei gestiegenen Energie-, Wareneinsatz- und Zinskosten das Geld. „Die Hotellerie ist eben klassisch fremdfinanziert, und klassisch im flexiblen Zinssatz und klassisch über Banken“, so Moerisch.
Bürokratische Stilblüten
Zwei Drittel der Hoteliers sieht sich in ihrer unternehmerischen Tätigkeit von der Bürokratie behindert - auch das ein Ergebnis der Umfrage. Es geht es um Bäderhygiene, Betriebsanlagen- und Lebensmittelrecht, Lüftungsvorschriften. Kuttnig sagt: „Da gibt es Stilblüten zum Kopfschütteln. Ein Hotel in Bad Kleinkirchheim hat für seinen sechs mal drei Meter langen Pool einen bürokratischen Aufwand samt Akten so dick wie die von der Therme Blumau.“
Generell sehen Moerisch und Kuttnig in Kärnten großen Bedarf in Sachen Infrastrukturprojekte. „Wir brauchen Leitprojekte. Ganz wichtig wäre ein durchgängiges Radwege-Konzept. Am besten wäre es, in Kärnten so wie in Salzburg einen Infrastrukturfonds für den Tourismus zu installieren.“