Susanne Atzler aus Maria Lankowitz hat sich beruflich neu orientiert. Seit 1. Jänner 2026 ist die 37-Jährige überzeugte Vollerwerbsbäuerin. Die Quereinsteigerin hat zuvor als begeisterte Kindergartenpädagogin gearbeitet und übernahm bereits 2020 gemeinsam mit ihrem Mann Michael den elterlichen Hof in Kemetberg. In den letzten Jahren ist sie ins Hofleben hineingewachsen, hat den Schwerpunkt auf die Direktvermarktung gelegt und einschlägige Weiterbildungen absolviert. Auf ihr neuestes Projekt ist sie besonders stolz: Noch in diesem März wird sie ihren eigenen Hofladen eröffnen.

In Zukunft will sie den Betrieb von der Mutterkuhhaltung zur Mast umstellen. „Das machen wir Schritt für Schritt, in den nächsten ein bis zwei Jahren soll das Vorhaben aber umgesetzt sein. Wir werden auch unsere Schlachträume grundlegend modernisieren“, sagt Atzler. Die vierfache Mutter – Lukas ist 16, Nora elf, Jakob sechs und Moritz zwei Jahre alt – vermarktet die am Hof hergestellten Produkte auch in den sozialen Medien. Auf Instagram bewirbt sie unter anderem Leberkäse, Stangenwurst, Sulz, Leber-, Blut- und Brainwurst sowie Frischfleisch.

Von der Nase bis zum Schwanz

In der Fleischverarbeitung setzt sie auf das Prinzip „from nose to tail“, „weil es uns wichtig ist, das ganze Tier zu verarbeiten.“ Der Umstieg auf den Beruf Bäuerin war für sie zwar herausfordernd. Menschen, die Frauen in der Landwirtschaft weniger Leistung zutrauen als Männern, überzeugt sie aber vom Gegenteil. „Mittlerweile haben sich die Kunden schon daran gewöhnt, dass eine Frau in diesem Bereich genauso fachlich versiert sein kann“, sagt Atzler.

Immer mehr Quereinsteigerinnen

Laut Landwirtschaftskammer Steiermark entscheiden sich immer mehr Frauen bewusst für einen Quereinstieg auf dem Bauernhof. „Das ist ein großer Gewinn für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, stärkt die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der Höfe“, sagt Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein. Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Quereinsteigerinnen bei deutlich über 40 Prozent. 2016 waren es schon 33 Prozent, 2006 kamen 21 Prozent der Bäuerinnen aus nicht landwirtschaftlichen Herkunftsfamilien.