Tausende Schülerinnen und Schüler, aber auch viele Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Österreich verzichten derzeit bei einem Handy-Experiment auf ihre Smartphones. Freiwillig, und das drei Wochen lang. Mehr als zwei Wochen sind bereits geschafft. Aber wie geht es ihnen ohne Zeiträuber wie Instagram und TikTok, ohne WhatsApp, Snapchat und Co? Aber auch ohne Musik und Podcasts auf Spotify, ohne Handykamera, Online-Games und Navi-App? Ohne zu telefonieren (außer auf altmodischen Tastenhandys)?
„Gut“, „entspannt“, „ohne Stress, etwas zu versäumen“, ist der Tenor in der Mittelschule in Anger. 98 der 190 Jugendlichen aus der Schule kommen derzeit ohne ihre Smartphones aus. Einige zogen am Mittwoch eine Zwischenbilanz. „Ich habe jetzt mehr Zeit in der Natur als mit Handy, mehr Zeit für meine Familie“, sagte da etwa Marie aus der Klasse 2b.
Alisa, ebenfalls eine Zweitklasslerin, hatte früher „neun bis zwölf Stunden Bildschirmzeit“. Pro Woche? Nein, jeden Tag. „Aber jetzt bin ich viel entspannter ohne Handy.“ Und Jakob aus der Klasse 4b sagte, dass er nun auch Zeitung lese. Nicht online, sondern die gedruckte Ausgabe. Auch Sarah aus der 1a las zuletzt mehr als sonst: „Ich habe schon zwei ganze Bücher ausgelesen. Und mehr gespielt.“ Vanessa aus der 1a-Klasse vermisst ihr Smartphone nicht: „Mir gehts gut ohne Handy. Ich möchte auch in Zukunft mehr Zeit für meine Familie haben.“ Emelie aus der 1b tauschte ihr Handy gegen einen Ball: „Ich habe angefangen, Fußball zu spielen.“
Nur zur Hälfte auf ihr Smartphone verzichtet Magdalena - und das aus gutem Grund. „Ich habe die Nachrichten von den Social-Apps ausgeschaltet. WhatsApp brauche ich aber.“ Sie ist Klassensprecherin in der 4a und muss in dieser Funktion viel organisieren.
„Es fühlt sich befreiend an“
Die treibende Kraft hinter dem Handy-Experiment ist die Englisch- und Ethik-Lehrerin Lisa-Marie Ebner. Sie lobt den Zusammenhalt unter Kindern und Jugendlichen, ihre Motivation, ihr Durchhaltevermögen. Die handyfreie Zeit wurde gut genützt: So besuchten einige der jungen Leute diesen Mittwoch ein Pflegeheim. Und am kommenden Montag wird gemeinsam Müll gesammelt.
Auch die 26-jährige Lehrerin verstaute in den vergangenen Wochen ihr Smartphone. Was ihr am meisten abgeht? „Zum Beispiel das Navigationssystem im Auto.“ Dazu die Bank-App, die E-Mail-App, die Edu-App, über die die Unterrichtsstunden gemanagt werden. „Ich mache jetzt vieles über den Computer.“ Und die Musik im Auto kommt aus dem CD-Player.
Ihre Kollegin Bianca Ponhold (35) lebt derzeit ebenfalls abstinent: „Social Media geht mir gar nicht ab, es fühlt sich befreiend an.“ Die Lehrerinnen kommunizieren telefonieren mit Tastenhandys, mit Walkie-Talkies wird gefunkt. Und Bianca Ponhold ist stolz: „Die Eltern stehen voll dahinter. Und einige machen sogar selber mit.“
„Ich will ohne Social Media auskommen“
Am kommenden Dienstag endet dieses spannende Experiment. Und danach? Lukas aus der dritten Klasse möchte künftig die täglichen Bildschirmzeiten auf 15 Minuten zurückstutzen. „Und ohne Social Media auskommen.“ Auch Lehrerin Lisa-Marie Ebner hat sich einiges vorgenommen: „Ich möchte meine Handyzeit reduzieren, einige Apps gleich löschen.“ Nächstes Jahr will man in der Schule wieder handyfasten. Vielleicht sogar länger als drei Wochen.