Mittagszeit. Schnitzelduft liegt in der Luft, Teller klappern, der Zapfhahn braust, die Kaffeemaschine surrt. Reges Treiben herrscht zur Mittagszeit im Gasthof Rauch-Schalk in St. Margarethen an der Raab. Es ist Rushhour. Der hölzerne Jesus im Eck gegenüber der Schank hängt wie ein Schutzengel über Cordon bleu, Backhendl und Zander.

Unter dem Herrgottswinkel sitzen Traude und Fredl Ogris. Zweimal pro Woche speisen die Premstättner im Dorfwirtshaus und nehmen dafür auch eine längere Anfahrt in Kauf. „Wir besuchen hier meine Mutter im Altersheim“, erzählt Traude Ogris. Das verbinden wir dann immer mit einem Mittagessen im Gasthaus Rauch-Schalk. Auch ein Tratscherl mit den Wirtsleuten und anderen Gästen muss sein.

Fredl und Traude Ogris kommen zwei Mal pro Woche ins Gasthaus Rauch-Schalk
Fredl und Traude Ogris kommen zwei Mal pro Woche ins Gasthaus Rauch-Schalk © KLZ / Veronika Teubl-lafer

„Hier erfährt man alles“

„Hier erfährt man alles. Wer heiratet, wer sich scheiden lässt, wer gestorben ist“, erzählt am Nachbarstisch Edi Baumann. „Die Jungen gehen in die Disco, wir Älteren eben ins Gasthaus“, erzählt der St. Margarethner und lacht. Zu besonderen Anlässen besuchen er und seine Gattin Edith ihr „Gasthaus ums Eck“. An diesem Tag feiern sie ihren 53. Hochzeitstag.

Edi und Edith Baumann aus St. Margarethen an der Raab besuchen zu besonderen Anlässen das Gasthaus
Edi und Edith Baumann aus St. Margarethen an der Raab besuchen zu besonderen Anlässen das Gasthaus © KLZ / Veronika Teubl-lafer

An der Schank bedient Seniorchefin Edith Rauch gerade die Kaffeemaschine. Im Gasthaus ist sie aufgewachsen, mit den Gästen groß geworden. 1995 übernahm die heute 75-Jährige den Betrieb von ihren Eltern. Obwohl sie bereits seit 15 Jahren in Pension ist, hilft die rüstige Pensionistin noch immer mit. „Mir macht das einfach großen Spaß“, erzählt sie.

Seit 70 Jahren Dreh- und Angelpunkt

Am liebsten unterhält sie sich mit den Gästen. Auch heute sei das Wirtshaus sozialer Dreh- und Angelpunkt im Ort. „Hier kommen einfach alle zusammen, Familien, Vereine, Alt und Jung. Zum Essen, zum Tratschen, zum Kartenspielen“, berichtet sie..

Und das bereits seit 70 Jahren. 1954 ging das Gasthaus in den Besitz der Familie Rauch über. Heute ist der Dorfwirt aus dem Ort nicht mehr wegzudenken. Das bestätigen nicht nur tagtäglich die Gäste, sondern auch die riesige Gratulantenschar anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten vor wenigen Wochen. „Die ganze Hügellandhalle war bummvoll. Das ist eine große Wertschätzung und macht stolz“, freut sich Edith Rauch.

Mehr als nur Gasthof

Der Dorfwirt ist mehr als nur Gasthof „Wir sind auch Kommunikationszentrale im Ort und soziale Einrichtung“, erzählt Sohn Joachim Rauch. Nicht selten passiert es, dass sich ein Gast zur späten Stunde über einem Bier oder Spritzer ausspricht. „Wir sind in gewisser Weise auch der Psychiater vom Dorf“, sagt der 49-Jährige und lacht.

Die Familie Rauch mit Vertretern der Wirtschaftskammer bei der 70-Jahr-Feier in der Hügellandhalle
Die Familie Rauch mit Vertretern der Wirtschaftskammer bei der 70-Jahr-Feier in der Hügellandhalle © Privat

Nächstes Ziel: der 80er und 90er

Gemeinsam mit seiner Frau Silvia führt er das Traditionsgasthaus seit 2009 in dritter Generation. Und das, obwohl die Herausforderungen nicht kleiner werden. Warum er sich trotzdem entschieden hat, Wirt zu sein? „Die Großmutter hat zu mir damals gesagt, du kannst es dir aussuchen, entweder wirst du Pfarrer oder du übernimmst das Gasthaus. Ich habe das Gasthaus genommen und ich muss sagen, ich habe es nicht bereut.“

Was bringt also die Zukunft? „Hoffentlich viel Arbeit, viele neue Gäste und eine vierte Generation“, sagt Joachim Rauch. Letzteres schaut gut aus. Sohn Daniel besucht gerade die Tourismusschule am Semmering. „Er hat unsere vollste Unterstützung, aber er muss es von sich aus wollen“, fügt Silvia Rauch hinzu. Der Wunsch des Gastro-Ehepaares für ihren Betrieb: „Dass wir 80er und 90er auch noch feiern dürfen.“

René Kohl, Wolfgang Pischinger und Manfred Leber kommen regelmäßig zum Mittagessen ins Gasthaus Rauch-Schalk
René Kohl, Wolfgang Pischinger und Manfred Leber kommen regelmäßig zum Mittagessen ins Gasthaus Rauch-Schalk © KLZ / Veronika Teubl-lafer

Auch für die Gäste steht fest: Der Wirt im Ort muss bleiben. „Ohne ihn gäbe es eine große Lücke im Dorf und in der Gesellschaft“, betont Wolfgang Pischinger. Ihn und seine Kollegen vom Abwasserverband Gleisdorfer Becken zieht es immer wieder zum Mittagessen nach St. Margarethen. „Bei mir im Ort gibt es keinen Wirt mehr, das gesellschaftliche Leben ist anders, da geht schon was ab“, bestätigt Manfred Leber aus Laßnitzthal.